Joshua Kimmich ist bisher einer von wenigen Bundesliga-Profis, die noch nicht gegen das Corona-Virus gimpft sind.
Joshua Kimmich ist bisher einer von wenigen Bundesliga-Profis, die noch nicht gegen das Corona-Virus gimpft sind. Bild: www.imago-images.de / MIS
Deine Fragen - unsere Antworten

Nach Kimmichs Impfverzicht: Die wichtigsten Antworten zur Debatte rund um den Bayern-Star

26.10.2021, 14:3827.10.2021, 11:11

Am frühen Samstagabend um kurz nach 17.30 Uhr sorgte Bayern-Star und Nationalspieler Joshua Kimmich mit wenigen Worten für jede Menge Aufregung. "Ja, das stimmt", antworte der 26-Jährige kurz und knapp auf die Frage von sky-Reporter Patrick Wasserzieher, ob er noch ungeimpft sei.

Der Mittelfeldspieler ist der erste deutsche Fußball-Profi, der eine Corona-Impfung öffentlich ablehnt. Dabei ist Kimmich nur einer von wenigen Profis, die sich noch keiner Impfung unterzogen haben. Zwar sind weder die Liga noch die Vereine verpflichtet, Angaben zu machen, doch laut DFL-Chef Seifert sind 94 Prozent aller Team-Mitglieder geimpft.

Die Reaktionen auf seine Aussagen fielen in zwei Richtungen enorm heftig aus. Einige sprachen ihm seine Vorbildfunktion als einer der besten und bekanntesten deutschen Fußballer ab, andere wiederum sahen in ihm einen vorbildlichen jungen Mann, der unter Druck noch selbstbestimmt und frei Entscheidungen trifft.

Kimmich selbst machte im gleichen Interview noch deutlich, dass er aber kein Corona-Leugner und es gut möglich sei, dass er sich in Zukunft noch impfen lassen wird. Er äußerte aber "ein paar Bedenken – gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht." Laut der "Bild"-Zeitung wartet Kimmich viel mehr auf die Zulassung eines Totimpfstoffs.

Wie reagierte der FC Bayern auf die Aussage? Warum gilt für Zuschauer in manchen Stadien die 2G-Regel, aber für Kimmich nicht und was hat es mit dem Totimpfstoff eigentlich auf sich? Watson beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie reagierte der FC Bayern und seine Mitspieler?

Eigentlich ziemlich gelassen und sehr zurückhaltend. Verantwortliche und Mitspieler betonten immer wieder, dass es Kimmichs alleinige Entscheidung sei, sich impfen zu lassen.

Zwar warb Bayern-Vorstandsboss Oliver Kahn für eine Impfung, aber "letztendlich muss man es respektieren, wenn Spieler eine andere Meinung haben", sagte der 52-Jährige.

Kapitän Manuel Neuer sagte am Montagabend im Rahmen der Premiere der Amazon-Doku "FC Bayern – Behind the Legend" lediglich, dass Kimmich wisse, worum es geht und aufpassen würde. Thomas Müller bezeichnete sich nach dem Spiel am Samstagabend als "Impffreund", zeigte aber auch Verständnis für Kimmichs Entscheidung. Am Montag erklärte er zudem, dass die ausbleibende Impfung Kimmichs kein "daily-brandheißes Thema" in der Kabine sei.

Thomas Müller (l.) und Bayern-Kapitän Manuel Neuer (Mitte) wollten sich nicht kritisch zu Kimmich (r.) äußern.
Thomas Müller (l.) und Bayern-Kapitän Manuel Neuer (Mitte) wollten sich nicht kritisch zu Kimmich (r.) äußern.Bild: www.imago-images.de / kolbert-press/Ulrich Gamel

Manuel Neuer fügte hinzu: "Ich glaube, jeder kennt auch ungeimpfte Menschen in seinem Bekannten- und Freundeskreis. Aber wenn es eine Person des öffentlichen Lebens betrifft, ist klar, dass es medial eine größere Rolle spielt."

Ex-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sagte am Sonntag bei "Bild Live" noch, dass es besser wäre, wenn Kimmich geimpft wäre. Nun forderte er im Rahmen der Premiere aber etwas mehr Gelassenheit bei dem Thema. "Es ist offensichtlich zu einem Politikum geworden. Man sollte die Kirche trotzdem im Dorf lassen." Druck von außen halte er in der Debatte für "nicht unbedingt zielführend". Zudem glaube er, dass Kimmich irgendwann die richtige Entscheidung treffen werde.

Stiko-Vorsitzender hält Debatte für "Unfug"

Nicht ganz so gelassen reagierten hingegen unter anderem der deutsche Ethikrat und Regierungssprecher Steffen Seibert. "Denn als einer, auf den Millionen schauen, hätte er dann erst recht Vorbildwirkung", erklärte Seibert. Alena Buyx, Vorsitzende des Ehtikrats, betonte bei Sky Sport News, dass es Kimmichs "private Entscheidung" sei, er jedoch in Sachen Impfung schlecht beraten sei.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hält die öffentliche Diskussion für überzogen. "Es ist die persönliche Entscheidung von Kimmich, und die soll es auch bleiben. Die Debatte um Kimmich ist ein grenzenloser Unfug", sagte Mertens (71) der "Bild".

Warum gilt für Zuschauer teilweise die 2G-Regel im Stadion, aber nicht für Spieler?

Der Unterschied besteht darin, dass der Stadionbesuch für Fans ein reines Privatvergnügen ist. Für Kimmich hingegen ist das Stadion und das Spielfeld der Arbeitsplatz. In Deutschland gibt es für keine Berufsgruppe eine Impfpflicht.

Die Spieler unterliegen aber den 3G-Regeln der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb für die Saison 2021/22" der Deutschen Fußball Liga. Dieses Konzept der DFL gilt für die Klubs und ihre Angestellten und ist mit der Berufsgenossenschaft abgestimmt.

Carsten Ramelow, Vizepräsident der Spielergewerkschaft VDV, verteidigte Kimmich in einem Statement. Es müsse "auch akzeptiert werden, wenn einzelne Spieler noch Bedenken vor Nebenwirkungen der Impfung haben und deshalb eine andere Meinung vertreten".

Da Kimmich alle zwei bis drei Tage auf Kosten des FC Bayern einen PCR-Test durchführt, darf er ganz regulär am Spielbetrieb der Bundesliga teilnehmen.

Carsten Ramelow, Vizepräsident der Spielergewerkschaft, machte 333-Bundesliga-Spiele.
Carsten Ramelow, Vizepräsident der Spielergewerkschaft, machte 333-Bundesliga-Spiele. Bild: www.imago-images.de / Christoph Reichwein (crei)

Liga-Betreiber könnten Einsatz an Impfung knüpfen

Das muss jedoch nicht so bleiben, denn laut Sportrechtler Rainer Cherkeh könnten Liga-Betreiber den Einsatz von Spielern künftig an den Nachweis einer Impfung knüpfen. Da man bei ungeimpften Spielern im Fall einer Ansteckung auch mit schweren Verläufen rechnen müsse, könne eine Absage von Spielen nicht ausgeschlossen werden.

Er habe dabei keine durchgreifenden kartell-rechtlichen Bedenken, wenn "Ligabetreiber die Teilnahme am Ligaspielbetrieb – nach Vorankündigung und Vorlaufzeit – künftig an den Nachweis einer Corona-Impfung der vom Klub eingesetzten Spieler knüpfen", sagte er gegenüber watson.

Einen ähnlichen Fall gibt es aktuell in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA. Dort wurde Superstar Kyrie Irving von den Brooklyn Nets aufgrund einer ausbleibenden Impfung suspendiert. Denn aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung in New York City dürfte er als Ungeimpfter an den 41 Heimspielen seines Teams nicht teilnehmen.

Kimmich sorgt sich wegen fehlender Langzeitstudien. Zu Recht?

Nein – sagt etwa der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens. "Dass es bei der Anwendung eines Impfstoffes über knapp ein Jahr keine Zehnjahres-Beobachtungsstudien geben kann, ist klar", so Mertens. In der Wissenschaft sei man sich aber einig, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität bei einzelnen Impfstoffen" gewesen seien, so der Stiko-Chef.

Auch der Immunologe Carsten Watzl sprach bei Kimmichs Bedenken von einem "Missverständnis, das sich bei vielen Menschen hartnäckig hält". "Was man bei Impfungen unter Langzeitfolgen versteht, sind Nebenwirkungen, die zwar innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auftreten, die aber so selten sind, dass es manchmal Jahre braucht, bis man sie mit der Impfung in Zusammenhang gebracht hat", so der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Wenige Wochen nach einer Impfung sei "die Immunreaktion abgeschlossen und der Impfstoff ist aus dem Körper verschwunden. Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19 Impfung nicht auftreten", so der Experte deutlich.

Wenn überhaupt, wären die Covid-19-Impfstoffe bereits "besser erforscht als andere Impfungen", da der Impfstoff weltweit mehr als 7 Milliarden mal verimpft wurde. Eine Masse, die seltene Nebenwirkungen erst sichtbar mache. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bat Kimmich am Sonntag in der Sendung "Doppelpass" sogar ein aufklärendes Gespräch an, um dem DFB-Star mögliche Sorgen zu nehmen.

Was würde ein Ausfall aufgrund einer Erkrankung sportlich bedeuten?

Wenn sich Kimmich infiziert, müsste der Mittelfeldspieler mindestens 14 Tage in Quarantäne. Für die Bayern wäre das aus sportlicher Sicht eine Katastrophe, denn neben Torjäger Lewandowski ist Kimmich wohl der am schwersten zu ersetzende Spieler des Rekordmeisters.

Aufgrund der Vielzahl an englischen Wochen mit DFB-Pokal und Champions League würde er bis zu vier Partien verpassen. Ein absoluter Albtraum wäre es, wenn Kimmich sich beispielsweise im April infizieren würde. Da stehen neben der Bundesliga auch die Viertel- und Halbfinals in der Champions League an und das Halbfinale im DFB-Pokal.

Joshua Kimmich (gelbe Jacke) verpasste bisher kaum Spiele des FC Bayern verletzungsbedingt.
Joshua Kimmich (gelbe Jacke) verpasste bisher kaum Spiele des FC Bayern verletzungsbedingt. Bild: Pressefoto Ulmer/Pool / imago images

Und: Kimmich würde auch nur nach 14 Tagen aus der Quarantäne kommen, wenn er keine Symptome mehr hat und der Test negativ ist. Sollte der 26-Jährige durch die Infektion auch wirklich krank sein, müsste er gegebenenfalls sogar noch ein Aufbautraining absolvieren und würde den Münchnern noch länger fehlen. In der Hoffnung, dass er durch eine Infektion keinen schweren Verlauf erleidet und womöglich noch weitaus länger ausfällt. Hertha BSC musste beispielsweise auf Torhüter Rune Jarstein über sechs Monate verzichten.

Was ist ein Totimpfstoff überhaupt?

"Unter technischen Aspekten gehören Totimpfstoffe zu den ältesten Impfstoffen", erklärt Prof. Reinhold Förster, Immunologe von der Medizinischen Hochschule Hannover gegenüber watson. "Für diese Impfstoffe werden die entsprechenden Krankheitserreger, in diesem Fall SARS-2, vermehrt und dann inaktiviert, damit sie nicht mehr infektiös sind."

Der Vorteil von Totimpfstoffen ist, dass "das Immunsystem eine Chance hat, gegen alle Virusbestandteile eine Immunantwort zu geben", erläutert Immunologe Förster weiter. "Mit dem deaktivierten Erreger liegt dem Körper nicht nur das Spike-Protein, sondern das ganze Virus vor. Das ist gut für eine umfassende T-Zellen-Antwort." Die T-Zellen haben eine Art Gedächtnisfunktion und sorgen für eine langfristige Immunantwort. Zudem können Totimpfstoffe wärmer gelagert werden, als viele RNA-Impfstoffe, nämlich bei etwa vier Grad.

Dennoch gibt es auch Nachteile: Die Herstellung der inaktiven Erreger selbst sei simpel, so Förster. Doch "es gibt nur wenige, gute Hilfsstoffe, die zugelassen sind." Die sind aber wichtig, um eine Antwort des Immunsystems hervorzurufen, da tote Erreger, im Gegensatz zu Lebendimpfstoffen, keine besonders starke Abwehrreaktion auslösen.

Die großen Pharmafirmen hätten bei der Entwicklung von Corona-Vakzinen bislang nicht auf Totimpfstoffe gesetzt. "Bei anderen SARS-Viren haben Totimpfstoffe nur schlecht oder gar nicht gewirkt, deshalb konzentrierte man sich in der Forschung auf die Vektor- und RNA-Impfstoffe", sagt Förster. Aktuelle Daten zeigen zwar, dass die Totimpfstoffe, die derzeit in der Entwicklung sind, bessere Immunantworten als zum Beispiel der Impfstoff von Astrazeneca hervorriefen, sie wären aber weit abgeschlagen von denen von Moderna und Biontech. "Ich selbst würde immer einen RNA-Impfstoff vorziehen", erklärt der Wissenschaftler.

Hersteller von Totimpfstoff rät von abwartender Haltung ab

Weltweit gibt es bereits vier Totimpfstoffe gegen Corona auf dem Markt, sie alle kommen aus Asien. Einer dieser Impfstoffe, das Vakzin der chinesischen Firma Sinovac, wird seit Mai durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) für eine Zulassung geprüft. Auch der europäische Hersteller "Valneva" will demnächst eine Zulassung für seinen Totimpfstoff bei der EMA beantragen – die Bundesregierung scheint diesbezüglich optimistisch und bestellte elf Millionen Dosen Valneva vor.

Dennoch rät sogar der Hersteller selbst davon ab, auf seinen Impfstoff zu warten und ruft die Menschen auf, sich bei der Konkurrenz ihre Spritze zu holen. Gegenüber dem ORF sagte Valneva-Chef Thomas Lingelbach: "Ich ermutige jeden, nicht auf diesen Impfstoff zu warten."

"Bei Corona ist jede Impfung besser als keine Impfung. Ich halte es für extrem wichtig, dass wir eine hohe Durchimpfungsrate haben, um wieder zu einer Normalität zu kommen und Varianten hintan zu halten. Und ich versuche, jeden, mit dem ich rede, zu ermutigen, sich impfen zu lassen."
Totimpfstoff-Hersteller Thomas Lingelbach

(mit Material der dpa)

"Haaland isst wie ein Bär" –Mitspieler will BVB-Star nach England holen

Ob "Wikinger", "Büffel" oder "Brecher mit dem Babyface" – wenn Sportkommentatoren über Erling Haaland sprechen, übertreffen sie sich gegenseitig mit mehr oder weniger kreativen Spitznamen. Denn Dortmunds Stürmerstar ist wahrhaft eine imposante Erscheinung und zieht nicht nur durch sein fußballerisches Können die Blicke der Zuschauer auf sich: 1,94 Meter groß, 87 Kilogramm schwer und trotzdem mit einer Höchstgeschwindigkeit von 36 km/h ausgestattet, was ihn zu einem der schnellsten Spieler der Fußball-Bundesliga macht.

Zur Story