Mick Schumacher absolvierte seine erste Saison in der Formel 1.
Mick Schumacher absolvierte seine erste Saison in der Formel 1. Bild: www.imago-images.de / Andy Hone
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"Versucht Limit zu finden": Formel-1-Legende Marc Surer bewertet die Debüt-Saison von Mick Schumacher und erwartet "Schritt nach vorn"

13.12.2021, 10:5008.08.2022, 11:59

Nach 22 Rennen steht hinter dem Namen Mick Schumacher eine schwarze Null. In seiner Debütsaison in der Formel 1 schaffte es der Sohn von Rennfahrerlegende Michael im Team Haas nicht, ein Rennen unter den besten zehn Plätzen abzuschließen und dadurch Punkte zu holen.

Viel mehr bleiben vom ersten Jahr des 22-Jährigen starke Qualifyingsessions, Streitereien mit Teamkollege Nikita Mazepin und einige vermeidbare Unfälle im Kopf.

"Er ist ein junger Fahrer, der versucht das Limit zu finden und halt mal darüber hinausschießt."
Ex-Formel-1-Fahrer Marc Surer über die Unfälle von Mick Schumacher

Dennoch bewertet Formel-1-Experte Marc Surer im Gespräch mit watson die Saison von Mick Schumacher als gelungen. "Es war ein sehr schwieriges Jahr. Er fährt im schlechtesten Auto und hat dazu auch noch einen Neuling als Teamkollegen, der mit ähnlichen Voraussetzungen eingestiegen ist. Aber den hat er klar dominiert, daher ist das eine sehr positive Bilanz."

Teaminternes Qualifying-Duell geht mit 19:3 an Mick Schumacher

Das Duell mit seinem Teamkollegen Nikita Mazepin entschied Mick vor allem im Qualifying besonders deutlich für sich. In 19 Rennen stand er in der Startaufstellung vor Mazepin, nur drei Mal musste er hinter seinem russischen Teamkollegen in den Grand Prix starten.

Im schwächsten Auto des Feldes waren Schumacher und Mazepin häufig am Ende des Feldes zu finden. Hin und wieder schaffte es Mick aber auch, die direkten Konkurrenten von Williams und Alfa Romeo hinter sich zu lassen. "Mick beweist sein Talent besonders, wenn er mit diesem schlechten Auto manchmal viel zu weit vorn mitfährt", schätzt Surer ein.

Marc Surer fuhr 83 Rennen in der Formel 1.
Marc Surer fuhr 83 Rennen in der Formel 1. Bild: www.imago-images.de / Thomas Pakusch

Auch Sebastian Vettel war am Rande des letzten Rennens voll des Lobes: "Mick hat einen unglaublichen Job gemacht. Er hat oft mit Autos mitgehalten, die deutlich schneller waren."

So bilanzierte auch Mick auf der Pressekonferenz vor dem Rennen in Abu Dhabi: "Im Großen und Ganzen lief es gut. Ich bin recht zufrieden. Ich bin nicht mit großen Erwartungen reingegangen." Und so konnte er seine erste Saison vor allem dafür nutzen, zu lernen.

Vermeidbare Crashs

Besonders der Umgang mit seinem Teamkollegen dürfte bei Mick für einige Lerneffekte gesorgt haben. Dabei lieferten sich die beiden Haas-Fahrer nicht nur ein verbales Duell, sondern auch ziemlich hart geführte Wettkämpfe auf der Strecke. Mit riskanten und teilweise gefährlichen Manövern zog Mazepin im Laufe der Saison immer wieder den Zorn von Mick auf sich.

So kam es auch zu Rennunfällen zwischen beiden. Doch Mick musste auch einige Trainings, Qualifyings und Rennen frühzeitig beenden, da er sich einfache Fehler leistete und wie beim vorletzten Rennen in Saudi-Arabien in die Leitplanke krachte.

Beim Rennen in Saudi-Arabien knallte Mick Schumacher hart in die Leitplanke.
Beim Rennen in Saudi-Arabien knallte Mick Schumacher hart in die Leitplanke. Bild: www.imago-images.de / DPPI

Für den ehemaligen Formel-1-Fahrer und Sky-Experten Surer ist das in dem Alter aber vollkommen normal und kein Grund zur Sorge. Dabei verweißt er auf einen Spruch von Alpha-Tauri-Teamchef Franz Toast, der einmal sagte: "Wenn ich einen jungen Fahrer im Team habe und er baut keine Unfälle, dann ist er mir suspekt. Dann bin ich mir noch unsicher, ob er wirklich ans Limit geht."

Daher bilanziert Surer: "Er ist ein junger Fahrer, der versucht das Limit zu finden und halt mal darüber hinausschießt."

Und auch Mick sieht die Zwischenfälle in dieser Saison noch ziemlich gelassen. "Sie sind dazu da, um zu lernen. Das ist Teil der Entwicklung. Besser jetzt, wo wir nicht um Punkte mitfahren, als im nächsten Jahr."

"Man vergleicht ihn immer mit seinem Vater. Aber die Latte ist so hoch, die kann man gar nicht erreichen."
Formel-1-Experte Marc Surer über die Bedeutung für Mick, Schumacher im Nachnamen zu haben

Haas will Platz im Mittelfeld

Aufgrund zahlreicher technischer Regelungen hoffen Schumacher und das Haas-Team, in der kommenden Saison regelmäßig um Punkte zu fahren. Dafür steckten sie auch gar keine Mühe in die Weiterentwicklung des Autos in der abgelaufenen Saison, sondern legten den vollen Fokus auf das Jahr 2022.

Daher glaubt auch der langjährige Sky-Experte Surer, dass Haas "einen riesigen Schritt nach vorne gehen wird." Dabei profitiert das Team vor allem von der Kooperation mit Ferrari.

Denn aufgrund der neuen, reduzierten Budgetobergrenze müsse Ferrari auch Mitarbeiter abbauen. Von diesem Prozess könnte Haas, die als Ferraris Talentschmiede in der Formel 1 gelten, profitieren. "Ferrari hat extra für Haas ein Designteam zusammengestellt. Das wird in einer speziellen Abteilung für Haas entwickelt und ich denke, dass sie von diesen erfahrenen Leuten profitieren."

Ähnlich bewertet das auch Schumacher selbst, der hofft, sich in der kommenden Saison mit den Fahrern der anderen Teams zu "battlen" und "in die Punkte fahren" will.

Deutsches Duell: Mick Schumacher (hinten) verfolgt auf der Strecke Sebastian Vettel
Deutsches Duell: Mick Schumacher (hinten) verfolgt auf der Strecke Sebastian Vettel Bild: www.imago-images.de / nordphoto GmbH

Schumacher macht enorme Lernfortschritte

Wenn Mick in einem konkurrenzfähigen Auto sitzt, dann sieht Surer auch durchaus gute Chance, dass der 22-Jährige das Talent dazu hat, zu Erfolgserlebnissen zu kommen und Punkte im WM-Ranking zu sammeln. Seine beste Platzierung in der abgelaufenen Saison war Rang 13 beim Grand Prix in Baku.

Was Surer vor allem Hoffnung für die kommende Saison macht, ist, dass Mick in seinem ersten Jahr unglaublich schnell dazugelernt und sich schnell verbessert hat. "Das sind Anzeichen für jemanden, der, wenn er im richtigen Auto sitzt, auch mal ein Rennen gewinnen kann."

Sein aktueller Teamchef Günther Steiner ging Ende November sogar noch ein bisschen weiter. "Mick hat die Anlagen, auch wenn man jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen kann, dass er Weltmeister wird", sagte er gegenüber Sport1. Laut Steiner seien in Micks Arbeitsweise auch immer wieder Parallelen zu seinem Vater Michael zu erkennen.

Durch die sieben WM-Titel seines Vaters bringt man den Namen Schumacher automatisch in Verbindung mit zahlreichen Rekorden und Erfolgen in der Formel 1. "Man vergleicht ihn immer mit seinem Vater. Aber die Latte ist so hoch, die kann man gar nicht erreichen."

Und so geht es für Mick in der kommenden Saison vor allem erstmal darum, seine ersten WM-Punkte zu sammeln. Wenn sein Auto denn tatsächlich konkurrenzfähig sein sollte.

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