Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

imago/Laci Perenyi

Der Tag, an dem José Chilavert fast das erste Torwart-Tor einer WM schoss

Syl Battistuzzi

In der Serie "Unvergessen" blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Heute: Der 12. Juni 1998.

Nein, ein normaler oder sogar gewöhnlicher Torwart war José Luis Chilavert sicher nicht. Das fing schon bei seinem Äußeren an: Wie ein grimmiger Türsteher sah der Paraguayer während seiner Karriere aus (und tut es immer noch), einer, der die nächste Schlägerei schon herbeisehnt, um endlich seine Muskeln spielen lassen zu können.

Der 1,93 Meter große Brocken hat auch immer brav gefuttert für seine Figur. So soll die Waage im Jahre 2000 nach seinem Wechsel vom argentinischen Klub Velez Sarsfield zum französischen Verein Racing Straßburg bei seiner Ankunft 102 Kilogramm angegeben haben.

Bild

Ordentlicher Brecher: José Luis Chilavert imago

Luiz Felipe Scolari, damals Brasiliens Nationaltrainer, forderte aufgrund der rundlichen Figur von Chilavert seine Spieler im Vorfeld einer Partie deshalb auf, bei jeder Gelegenheit das paraguayische Tor ins Visier zu nehmen: "Schießt, schießt! Chilavert schleppt 400 Kilo reinen Fetts mit sich herum."

"Schießt, schießt! Chilavert schleppt 400 Kilo reinen Fetts mit sich herum."

Luiz Felipe Scolari sueddeutsche.de

Die beeindruckenden Zahlen von Chilavert

Doch man würde dem Erbe Chilaverts Unrecht tun, wenn man sich nicht die tollen sportlichen Leistungen des Paraguayers ansehen würde. So wurde der exzentrische Torhüter, der häufig wegen seiner cholerischen Art mit dem Gesetz in Konflikt kam und sogar mehrmals auf Bewährung verurteilt wurde, dreimal zum Welttorhüter des Jahres (1995/1997/1998) gewählt. Er besiegte mit Velez Sarsfield, wo Chilavert insgesamt neun Jahre (1991-2000) seiner Karriere verbrachte und dort die größten persönlichen Erfolge feiern konnte, im Weltpokalfinale 1994 das große AC Mailand, das im Finale der Champions League Barcelona 4:0 abfertigte. Außerdem gewann er im selben Jahr die Copa Libertadores.

Bild

WM 1998: Chilavert versucht, gegen Spanien ein Freistoßtor zu erzielen imago

Doch berühmt gemacht haben ihn nicht seine Titel, sondern seine Tore. Mehr als 60 hat er insgesamt in seiner 23-jährigen Karriere erzielt, die meisten davon per Freistoß. Seine Lieblingsposition war dabei die – aus der Sicht des Schützen – rechte Seite, wo er mit seinem linken Fuß platziert, aber dennoch mit Wucht draufhielt. Die Technik hat Chilavert übrigens geübt, indem er Cola-Dosen von der Latte herunter ballerte.

12. Juni 1998: Die Chance, den Traum zu verwirklichen

Genau aus seiner bevorzugten Zone darf der Nationalheld Paraguays beim WM-Gruppenspiel gegen Bulgarien 1998 dann auch zum Freistoß antreten, nachdem der Bulgare Trifon Ivanov sich nur noch mit einem Foul behelfen kann.

"Ich bin der Prototyp des Torwarts des dritten Jahrtausends."

José Luis Chilavert berliner-zeitung.de

Chilavert sieht den Moment gekommen, um sich einen fixen Platz in der Fußballhistorie zu sichern, welchen er mit einem Tor auch sicher hätte. Noch nie hat nämlich ein Torwart ein Feldtor bei einer WM erzielen können.

Hier der Freistoßversuch:

abspielen

Video: YouTube/Nickkrdel

Der Paraguayer trifft zwar satt die Kugel, welche darauf schön auf die Torwartecke zusteuert, doch der bulgarische Berufskollege Zdravko Zdravkov lässt sich nicht überraschen und lenkt den Ball knapp über die Latte. Auch bei der WM 2002 gelingt es Chilavert nicht, ein Tor zu erzielen.

Seitdem hatte Chilavert viele andere Pläne. Er wollte nämlich Präsident seines Landes werden. Bisher schaffte er das auch nicht. 

So sieht der frühere Keeper übrigens heute aus: 

Paraguayan former international goalkeeper, Jose Luis Chilavert, offers a press conference PK Pressekonferenz after receiving a plaque of illustrious citizen of Asuncion, during an event held at the Mayor of Asuncion s office, in Asuncion, Paraguay, 23 February 2017. The legend goalkeeper was named illustrious citizen of Asuncion for his sports career spanning 25 years, although much of his fame is due to having been the second goal scorer goalkeeper in soccer history, with 62 goals. PARAGUAYAN FORMER GOALKEEPER JOSE LUIS CHILAVERT NAMED ILLUSTRIOUS CITIZEN OF ASUNCION !ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG! PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xAndresxCristaldox 20170223-636234668656667234

Paraguayan Former International Goalkeeper Jose Luis Chilavert Offers A Press Conference press conference Press conference After Receiving A Plaque of Illustrious Citizen of Asuncion during to Event Hero AT The Mayor of Asuncion s Office in Asuncion Paraguay 23 February 2017 The Legend Goalkeeper what named Illustrious Citizen of Asuncion for His Sports Career Spanning 25 Years although Much of His Fame is Due to Having Been The Second Goal Scorer Goalkeeper in Soccer History with 62 Goals Paraguayan Former Goalkeeper Jose Luis Chilavert named Illustrious Citizen of Asuncion ATTENTION only editorial Use PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright xAndresxCristaldox  636234668656667234

imago/Agencia EFE

Dieser Artikel ist ursprünglich auf watson.ch erschienen.

Auch diese Sport-Stars hatten nach ihrer Karriere andere Pläne:

Mehr Fußball-News gibt es hier:

7 Dinge, die du zu Ronaldos Transfer von Real zu Juventus wissen musst

Link zum Artikel

Marktwert gesunken: Diese 2 Bundesliga-Spieler sind die größten WM-Verlierer

Link zum Artikel

Alisson Becker: Das ist Loris Karius' brasilianisch-deutscher Albtraum

Link zum Artikel

++ BVB verlängert mit Shooting-Star Sancho ++

Link zum Artikel

Die Legende tritt heute ab – Buffon schreibt unglaublich emotionalen Abschiedsbrief

Link zum Artikel

Magdeburger Horror und Eintracht-Joints – Wir zeigen die 10 besten Pokal-Choreos

Link zum Artikel

Das ist mein sechster Abstieg mit dem 1. FC Köln. Dabei fing alles ganz harmlos an...

Link zum Artikel

"For the nation, by the nation" – so gibt man ganz ohne Hologramm sein Team bekannt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Ist dieser FIFA 19-Trick eines Profis schon jetzt die unfairste Aktion des Jahres?

Schwalben mag auf dem Fußballplatz keiner, wildes lamentieren auch nicht – mindestens genauso unbeliebt sind aber die Zeitspiel-Könige, die mit einer knappen Führung im Rücken auf einmal jegliche Lust am Fußball verloren haben. 

Der gegnerische Strafraum? Total uninteressant. In der Bundesliga spielt man die Pille dann lieber nochmal einmal hinten rum, oder dribbelt sich an der Eckfahne fest – Hauptsache, man verliert den Ball nicht, und leitet so einen möglichen Angriff des Gegners …

Artikel lesen
Link zum Artikel