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imago/Laci Perenyi

Der Tag, an dem José Chilavert fast das erste Torwart-Tor einer WM schoss

12.06.2018, 09:5112.06.2018, 11:26
Syl Battistuzzi

In der Serie "Unvergessen" blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Heute: Der 12. Juni 1998.

Nein, ein normaler oder sogar gewöhnlicher Torwart war José Luis Chilavert sicher nicht. Das fing schon bei seinem Äußeren an: Wie ein grimmiger Türsteher sah der Paraguayer während seiner Karriere aus (und tut es immer noch), einer, der die nächste Schlägerei schon herbeisehnt, um endlich seine Muskeln spielen lassen zu können.

Der 1,93 Meter große Brocken hat auch immer brav gefuttert für seine Figur. So soll die Waage im Jahre 2000 nach seinem Wechsel vom argentinischen Klub Velez Sarsfield zum französischen Verein Racing Straßburg bei seiner Ankunft 102 Kilogramm angegeben haben.

Ordentlicher Brecher: José Luis Chilavert
Ordentlicher Brecher: José Luis Chilavertimago

Luiz Felipe Scolari, damals Brasiliens Nationaltrainer, forderte aufgrund der rundlichen Figur von Chilavert seine Spieler im Vorfeld einer Partie deshalb auf, bei jeder Gelegenheit das paraguayische Tor ins Visier zu nehmen: "Schießt, schießt! Chilavert schleppt 400 Kilo reinen Fetts mit sich herum."

"Schießt, schießt! Chilavert schleppt 400 Kilo reinen Fetts mit sich herum."
Luiz Felipe Scolarisueddeutsche.de

Die beeindruckenden Zahlen von Chilavert

Doch man würde dem Erbe Chilaverts Unrecht tun, wenn man sich nicht die tollen sportlichen Leistungen des Paraguayers ansehen würde. So wurde der exzentrische Torhüter, der häufig wegen seiner cholerischen Art mit dem Gesetz in Konflikt kam und sogar mehrmals auf Bewährung verurteilt wurde, dreimal zum Welttorhüter des Jahres (1995/1997/1998) gewählt. Er besiegte mit Velez Sarsfield, wo Chilavert insgesamt neun Jahre (1991-2000) seiner Karriere verbrachte und dort die größten persönlichen Erfolge feiern konnte, im Weltpokalfinale 1994 das große AC Mailand, das im Finale der Champions League Barcelona 4:0 abfertigte. Außerdem gewann er im selben Jahr die Copa Libertadores.

WM 1998: Chilavert versucht, gegen Spanien ein Freistoßtor zu erzielen
WM 1998: Chilavert versucht, gegen Spanien ein Freistoßtor zu erzielenimago

Doch berühmt gemacht haben ihn nicht seine Titel, sondern seine Tore. Mehr als 60 hat er insgesamt in seiner 23-jährigen Karriere erzielt, die meisten davon per Freistoß. Seine Lieblingsposition war dabei die – aus der Sicht des Schützen – rechte Seite, wo er mit seinem linken Fuß platziert, aber dennoch mit Wucht draufhielt. Die Technik hat Chilavert übrigens geübt, indem er Cola-Dosen von der Latte herunter ballerte.

12. Juni 1998: Die Chance, den Traum zu verwirklichen

Genau aus seiner bevorzugten Zone darf der Nationalheld Paraguays beim WM-Gruppenspiel gegen Bulgarien 1998 dann auch zum Freistoß antreten, nachdem der Bulgare Trifon Ivanov sich nur noch mit einem Foul behelfen kann.

"Ich bin der Prototyp des Torwarts des dritten Jahrtausends."
José Luis Chilavertberliner-zeitung.de

Chilavert sieht den Moment gekommen, um sich einen fixen Platz in der Fußballhistorie zu sichern, welchen er mit einem Tor auch sicher hätte. Noch nie hat nämlich ein Torwart ein Feldtor bei einer WM erzielen können.

Hier der Freistoßversuch:

Der Paraguayer trifft zwar satt die Kugel, welche darauf schön auf die Torwartecke zusteuert, doch der bulgarische Berufskollege Zdravko Zdravkov lässt sich nicht überraschen und lenkt den Ball knapp über die Latte. Auch bei der WM 2002 gelingt es Chilavert nicht, ein Tor zu erzielen.

Seitdem hatte Chilavert viele andere Pläne. Er wollte nämlich Präsident seines Landes werden. Bisher schaffte er das auch nicht. 

So sieht der frühere Keeper übrigens heute aus: 

Paraguayan former international goalkeeper, Jose Luis Chilavert, offers a press conference PK Pressekonferenz after receiving a plaque of illustrious citizen of Asuncion, during an event held at the M ...
imago/Agencia EFE

Dieser Artikel ist ursprünglich auf watson.ch erschienen.

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