Die ungarischen Hooligans fielen auch beim Gastspiel in München negativ auf.
Die ungarischen Hooligans fielen auch beim Gastspiel in München negativ auf.Bild: EIBNER/Sascha Walther / Eibner-Pressefoto

EM: Ungarische Fans beim DFB-Spiel mit homophoben Beleidigungen – Polizei verhindert Blocksturm

25.06.2021, 08:51

Schon vor dem glücklichen 2:2-Unentschieden der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn im letzten Vorrundenspiel der EM war klar, dass diese Partie ein ganz besonderes Spiel wird.

Zu groß war im Vorfeld die Aufregung um das Verbot der Europäischen Fußball-Union (UEFA), die Münchner EM-Arena in Regenbogenfarben anzuleuchten, um gegen die ungarische Regierung und Ministerpräsident Viktor Orban zu protestieren.

Das von der Fidesz-Partei des rechtskonservativen Regierungschefs eingebrachte Gesetz gegen "Werbung" für Homosexualität war in der vergangenen Woche vom ungarischen Parlament verabschiedet worden. Bildungsprogramme zu Homosexualität oder Werbung von Großunternehmen, die sich mit Homosexuellen solidarisch erklären, werden demnach verboten, ebenso wie Aufklärungsbücher zu dem Thema. Offizielles Ziel ist der Schutz von Minderjährigen.

Nationalhymnen werden ausgepfiffen

Bereits vor Spielbeginn machten die 14.000 deutschen Fans deutlich, was sie davon halten und reagierten mit Pfiffen, während die ungarische Nationalhymne gesungen wurde. Zudem wurde die Hymne von einem Flitzer unterbrochen, der mit einer Regenbogenfahne vor den ungarischen Spielern stand.

Die ungarischen Fans, die sich direkt hinter einem Tor versammelten, griffen zu einer ähnlichen Maßnahme. Sie pfiffen ebenfalls die deutsche Hymne aus und drehten dem Spielfeld demonstrativ den Rücken zu.

Ein User bei Twitter fragte dazu: "Seid ihr jetzt alle zufrieden? Thema ist durch."

Ungarische Hooligangs mit schwulenfeindlichen Rufen

Das Problem bei den ungarischen Fans war jedoch nicht nur das Verhalten während der Hymne, sondern die Gesänge und Handlungen während der Begegnung. Rund 200 Anhänger versammelten sich direkt hinter einem der Tore. Dabei gehörte ein Großteil von ihnen zur Hooligan-Gruppe "Carpathian Brigade".

Wie der Polizeireporter Martin Bernstein von der "Süddeutschen Zeitung" berichtet, sollen die schwarz gekleideten Personen gegen Ende der ersten Halbzeit schwulenfeindliche Beleidigungen und laut "Bild"-Zeitung "Deutschland, Deutschland Homosexuell" in Richtung deutscher Fans im benachbarten Block gerufen haben.

Die Polizei stand während des Spiels direkt am Spielfeldrand.
Die Polizei stand während des Spiels direkt am Spielfeldrand. Bild: GES-Sportfoto / Markus Gilliar

Als sie dann auch noch versuchten, in den Block zu stürmen, wurden sie von der Polizei aufgehalten. Eigentlich galt zudem im Stadion Maskenpflicht, diese wurde jedoch von den Hools ignoriert. Zudem fielen sie dadurch auf, dass sie verbotene Symbole als Tattoos zeigten.

Schon bei den ersten beiden Gruppenspielen in Budapest feindeten die ungarischen Anhänger Cristiano Ronaldo an. Während er zweiten Partie gegen Frankreich ertönten immer wieder Affenlaute.

Goretzka zeigt Herz in Richtung der Hooligans

Nach seinem umjubelten 2:2-Ausgleichstreffer sechs Minuten vor dem Ende, rannte auch Torschütze Leon Goretzka in Richtung des Fanblocks, formte seine Hände zu einem Herz und sendete damit ein eindeutiges Zeichen.

Auf Instagram postete er genau dieses Jubel-Bild mit den Worten "Verbreitet Liebe", die Regenbogenfahne und setzte damit ein deutliches Zeichen für Toleranz und Vielfalt.

(lgr)

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