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Bundesliga-Aufsteiger: Diese speziellen Regeln kosten kleine Klubs viel Geld

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Holstein Kiel darf nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung in der kommenden Saison im eigenen Stadion in der Bundesliga spielen.Bild: imago images/ /Eibner
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Bundesliga-Aufstieg: Wie 300 Seiten Regeln für kleine Klubs enorm kostspielig sind

In seiner wöchentlichen Kolumne schreibt der Fanforscher Harald Lange exklusiv auf watson über die Dinge, die Fußball-Deutschland aktuell bewegen.
25.05.2024, 08:2325.05.2024, 08:50
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Ulm und Münster haben sich fulminant für die zweite, Holstein Kiel und St. Pauli für die erste Fußball-Bundesliga qualifiziert. In sportlicher Hinsicht ist alles klar! Wirtschaftlich stehen die Klubs allerdings noch vor beachtlichen Herausforderungen, denn die Lizenzierungsauflagen des DFB und der DFL haben es in sich und verlangen den Klubs und letztlich auch den betroffenen Städten und Kommunen einiges ab.

Die Stadien müssen mindestens 15.000 Zuschauer fassen, davon mindestens 3000 Sitzplätze. Nur so kann die Liga im internationalen Vergleich das exzellente Ranking in den Zuschauerzahlen halten.

Alternativ können die Klubs aber auch andernorts spielen und ihre Heimpartien im nächstgrößeren Stadion der Region austragen. Schließlich gibt es überall in der Republik auch bundesligataugliche Spielstätten, ohne dass sich die dort beheimateten Vereine sportlich für den Bundesligafußball qualifiziert hätten. Sportruinen und Denkmäler, die an glorreiche Fußballzeiten erinnern und nicht selten auch nur wegen dieser kostspieligen Lizenzauflagen entstanden sind.

Bundesliga-Klubs müssen harte Vorgaben erfüllen

Solange die Klubs erfolgreich spielen und Zuschauer anziehen, wird sich der Ausbau ihrer Stadien rechnen und sich zweifelsohne auch aus den Mehreinnahmen refinanzieren lassen. Aber das braucht Zeit und kann nicht innerhalb weniger Jahre ohne Verschuldung oder fremder Hilfe gestemmt werden.

Zeit, die sich auszahlt, denn viele Traditionsvereine aus der dritten oder vierten Liga haben uns auch in diesem Jahr gezeigt, dass ihre Fans nicht wegen der Spielklasse, sondern aus Liebe zum Klub ins Stadion gehen.

Genau solche Aspekte sind wertvoll und sollten auch Eingang in das mehr als 300 Seiten umfassende Regelwerk der sogenannten Lizenzierungsordnung finden.

Dort ist allerlei Formalkram aufgelistet und geregelt. Die Breite der Sitzschalen muss mindestens 50 Zentimeter betragen und es soll eine 30 Zentimeter hohe Rückenlehne angebracht sein. Die Anzahl an Toiletten ist ebenso vorgegeben wie die Größe des Schiedsrichterraumes (20 Quadratmeter), die der Ersatzbänke (15 Plätze) oder die Mindestgröße der Mannschaftskabinen (40 Quadratmeter).

Das Spielumfeld ist normiert und soll für alle 36 Klubs Mindeststandards sichern. Keine der großen Mannschaften soll je auf einem Acker Fußball spielen oder andere gewöhnungsbedürftige Überraschungen bei Auswärtsfahrten erleben. Für Nostalgie und kalte Duschen ist ab der zweiten Liga kein Platz.

Stadien müssen modernisiert und ausgebaut werden

Dafür muss der Rasen beheizt werden und die Flutlichtanlage muss jeden Winkel des Spielfeldes taghell ausleuchten. Selbst dann, wenn es in der Stadt zu einem Stromausfall kommen sollte. Ja, selbst Notstromaggregate sind zwingende Voraussetzungen im Lizenzierungsverfahren.

Neben der Absicherung des Fußballspiels müssen die Bundesligaklubs aber auch Räume einrichten, die zunächst einmal gar nichts mit dem Spiel an sich zu tun haben. So müssen sie beispielsweise nachweisen, dass sie einen Raum zur Verfügung halten, in dem Polizei und Sicherheitskräfte größere Gruppen in Gewahrsam nehmen können. Außerdem brauchen Bundesligaklubs einen Presseraum, der 80 Medienvertretern Platz bietet (zweite Liga: 40 Plätze) und eine Pressetribüne mit 50 bzw. 25 festen Arbeitsplätzen.

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Die Listen sind lang und deshalb mussten Aufsteiger in der Vergangenheit tief in die Tasche greifen, um ihre Stadien zu modernisieren und auszubauen. Aus der Distanz betrachtet ist das alles nachvollziehbar, denn diese Maßnahmen sichern letztlich den Unterhaltungswert auf einem hohen und vor allem einheitlichen Niveau.

Demgegenüber fragen Nostalgiker unter den Fußballfans zu Recht, weshalb in den Lizenzauflagen nicht auch Fragen zur Mitbestimmung der Vereinsmitglieder oder andere Themen mit Bezug zur Fußballtradition und Fankultur festgeschrieben sind. Das wäre zumindest eine Überlegung wert.

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