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Bundesliga soll ab Mai mit Geisterspielen wieder starten. Archivfoto: Spiel der Mannschaften vor leeren Raengen, Tribuenen, Rngen, Tribnen, Tribne, leer, Tribuene, leer, ohne Zuschauer, keine Fans, Fussball 1. Bundesliga, 21. Spieltag, Borussia Moenchengladbach MG - 1.FC Koeln K 2:1, am 11.03.2020 in Moenchengladbach/ Deutschland. a *** Bundesliga should start again with ghost games from May on Archive photo Match of the teams in front of empty stands, stands, stands, stands, empty, stands, empty, without spectators, no fans, Football 1 Bundesliga, 21 matchday, Borussia Moenchengladbach MG 1 FC Koeln K 2 1, on 11 03 2020 in Moenchengladbach Germany a

Das bisher einzige Geisterspiel der Bundesliga fand im März, kurz vor der Unterbrechung des Spielbetriebs, zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln statt. bild: imago images/sven simon

Meinung

Ein bisschen freue ich mich auf die Bundesliga – obwohl es total unvernünftig ist

Bald rollt er wieder, der Fußball in der ersten und zweiten Bundesliga. In einer Woche sollen die Spiele nach zwei Monaten Unterbrechung wieder beginnen, ohne Zuschauer. Der 16. Mai wird der ominöse "Tag X" sein, von dem in den vergangenen Wochen innerhalb der Deutschen Fußball-Liga (DFL) immer die Rede war.

Bund und Länder haben das aufwändige DFL-Hygienekonzept honoriert und den Profiklubs am Mittwoch die Freigabe erteilt, oder wie es manche ausdrücken: Die DFL hat ihr Konzept bei der Politik erfolgreich durchgedrückt und sich den Restart erbettelt, nachdem sie bereits früh darauf drängte, wieder anpfeifen zu dürfen.

Ist das jetzt gut oder schlecht, dass die Bundesliga ihre Extrawurst bekommt und wieder spielen darf? Ich bin immer noch hin und her gerissen, was den Restart der Bundesliga betrifft. Einerseits gibt es so viel, was dagegen spricht, andererseits will ich auch wieder Fußball sehen und dass diese Saison endlich im Kasten ist.

Und ich glaube, dass es auch vielen anderen so geht.

Neustart der Bundesliga: War doch irgendwie klar, dass es so kommt, oder? Immerhin geht es um verdammt viel Kohle

Überraschend kommt es jedenfalls nicht, wie ich finde, dass die 36 Profiklubs die verbleibenden neun Spieltage nun über die Bühne bringen werden. Es war doch irgendwie klar. Weil sonst schier unentwirrbares Termin- und Vertragschaos gedroht hätte. Weil die Bundesligen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind: Laut DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hängen 56.000 Arbeitsplätze an der Fortführung des Spielbetriebs.

Und weil es vor allem um verdammt viel Kohle geht. Viel mehr als um den Sport an sich und die oft zitierte Zerstreuung, die der Fußball in Krisenzeiten bieten kann. Der finanzielle Kollaps drohte. Insgesamt 750 Millionen Euro an TV-Geldern standen auf dem Spiel. Bei einem Saisonabbruch wären sie wahrscheinlich nicht überwiesen worden, was wiederum bei fast einem Drittel der Erst- und Zweitligisten zur Insolvenz geführt hätte.

Der Kampf gegen die Pandemie schwebt über allem – und ich als Fan zwischen den Extremen

Selbst nach dem Facebook-Live-Video von Salomon Kalou, das alle von der DFL auferlegten Hygiene- und Abstandsregeln ad absurdum führte, hatte ich keinen besonders großen Zweifel, dass die Bundesliga weitergeht. Obwohl der Eindruck blieb, dass die Profis nicht professionell genug sind, um sich an die Regeln zu halten.

Die Situation des Kampfes gegen die Pandemie schwebt über allem. Und ich schwebe dabei als Fußballfan zwischen den Extremen: Einerseits habe ich Lust auf Fußball und freue mich schon ein bisschen auf die Bundesliga (sowie den ersehnten Aufstieg meiner Arminia nach zwölfjähriger Erstliga-Abstinenz).

Anderseits ist es total unvernünftig.

Denn Gegenargumente und Bedenken gibt es zuhauf. Gerade wenn es um gesundheitliche Folgen einer möglichen Corona-Infektion bei den Profis, Vereinsmitarbeitern oder deren Angehörigen geht. Klar, es werden alle Profis regelmäßig getestet. Doch es bleiben Risiken. Im Kontaktsport Fußball ist die Infektionsvermeidung durch nötigen Mindestabstand zum Beispiel nicht einzuhalten.

Ein Sportmediziner warnt sogar vor der Gefahr, dass eine Corona-Infektion das Karriereende bedeuten kann

Mediziner sind beunruhigt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte nach positiven Corona-Tests beim 1. FC Köln in dieser Woche getwittert: "Wer mit Covid-19 trainiert, riskiert Schäden an Lunge, Herz und Nieren. Ich wundere mich, dass Spieler das mit sich machen lassen. Fußball soll Vorbild sein, nicht 'Brot und Spiele'". Der Sportmediziner Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln warnte in der ARD-"Sportschau" sogar: "Ein Sportler sollte sich schon Gedanken darüber machen, dass eine Infektion das Karriereende sein kann."

Der Plan der DFL ist fragil. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) fragt sich: "Was ist, wenn die erste Mannschaft in Quarantäne gehen muss? Dann ist wahrscheinlich der Spielbetrieb beendet", sagte er. Wahrscheinlich hat er recht.

Neben den gesundheitlichen Risiken kommt die moralische Komponente hinzu: Kann man das Geschäft Profifußball überhaupt noch reinen Gewissens unterstützen? Viele Profi-Vereine haben jahrelang auf Pump gelebt und nicht nachhaltig gewirtschaftet. Das hat die Corona-Krise nun ans Licht gebracht. Teilweise waren Gelder schon verplant, bevor sie überhaupt geflossen sind. Und das alles vor dem Hintergrund, dass andere Branchen, die keine so große Lobby bei der Politik haben, gerade in der Krise darben.

Uli Hoeneß sagte im BR, uns Fans bleibe keine Wahl. Geisterspiele seien die Kröte, die Fans jetzt schlucken müssten. Wenn die Bundesliga schließlich nicht weiterspielt, gebe es den Fußball bald nicht mehr.

Vielleicht bin ich nur ein hoffnungsloser Bundesliga-Fatalist

Dann schlucke ich diese Kröte. Auch wenn es Geisterspiele sind, die nicht annähernd so faszinierend zu verfolgen sein werden wie Spiele vor Publikum. Und viele andere Fans werden sie bestimmt auch schlucken. Denn, mal ehrlich, selbst der kommerzkritischste Anhänger, der die Profifußballblase endlich platzen sehen will, wäre doch todtraurig, wenn sein Verein jetzt vor die Hunde ginge, oder?

Vielleicht bin ich auch ein hoffnungsloser Bundesliga-Fatalist. Oder ich bin einfach nur ein bisschen eigennützig, weil ich in den vergangenen Wochen Angst hatte, dass Corona und ein Saisonabbruch meine Arminia um den (freilich noch nicht final eingetüteten) Bundesligaaufstieg bringen könnte.

(as)

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