Filip Kostic war der Matchwinner in Barcelona. Er traf für Eintracht Frankfurt doppelt.
Eintracht Frankfurt feierte einen besonderen Sieg mit den Fans in Barcelona.Bild: dpa / Arne Dedert
Vor Ort

Eintracht Frankfurt siegt beim FC Barcelona: Ekstase in Weiß

Es war eine der spektakulärsten Auswärtspartys der Geschichte: 30.000 Frankfurter feierten in Barcelona ein Fußballfest der besonderen Art. Auch unser Autor war im Stadion. Hier versucht er in Worte zu fassen, was er erlebte.
16.04.2022, 08:33

Als am späten Donnerstagabend die ersten Emotionen in die Nacht gebrüllt waren, als die Mannschaft von Eintracht Frankfurt nach dem Schlusspfiff jubelnd das Feld gestürmt und sich die Fans auf den Rängen für ein paar Minuten in den Armen gelegen hatten, beruhigten sich die Gemüter nicht.

Stattdessen setzten sich, während die Mannschaft nach dem sensationellen 3:2-Sieg in Barcelona ihre Ehrenrunde vor der Haupttribüne begann, Tausende Männer und Frauen in ihren weißen Shirts auf den Tribünen im legendären Stadion Camp Nou in Bewegung. Ihr Ziel: die Gegengerade und die daran anschließende Kurve. Sie alle wollten unter und neben den Gästeblock, um geschlossen mit der Mannschaft zu feiern.

Aus 5000 Menschen im Oberrang und Tausenden Einzelnen, die alle irgendwie an Tickets gelangt waren und die Partie übers ganze Stadion verteilt gesehen hatten, wurde so eine imposante weiße Wand. Und als die Mannschaft ebendiese Wand erreichte, da brachen auf dem Feld und hoch oben auf den Rängen alle Dämme.

Ekstase in Weiß.

Man kann diese Szenen beschreiben. Man kann von ihnen Fotos und Videos machen und sie im Internet teilen. Doch Worte und Bilder können nicht beschreiben, was dieser Moment für die Anhängerinnen und Anhänger von Eintracht Frankfurt bedeutet, was in ihnen vorging.

Das liegt zuallererst daran, dass (zwischenzeitlich abgestürzte) Traditionsvereine wie Eintracht Frankfurt nur noch sehr selten europäische Wettbewerbe erreichen, weil die entsprechenden Tabellenplätze in den meisten Ligen blockiert sind. Von ein bis vier übermächtigen Vereinen und ein paar durch Mäzene oder Investoren künstlich hochgezüchteten Mannschaften.

Sollte dann doch das Unerwartete geschehen und die Qualifikation gelingen, scheiden die Überraschungsteilnehmer oft früh aus. Dass ein Verein wie Eintracht Frankfurt gegen einen Verein wie den FC Barcelona spielt, ist in der Matrix des europäischen Fußballs nicht mehr vorgesehen.

"Dass ein Verein wie Eintracht Frankfurt gegen einen Verein wie den FC Barcelona gewinnt, ist im modernen Fußball eigentlich ausgeschlossen."

Dass ein Verein wie Eintracht Frankfurt gegen einen Verein wie den FC Barcelona in der K.o.-Phase nach Hin- und Rückspiel gewinnt, ist in den Strukturen des modernen Fußballs eigentlich ausgeschlossen.

Vermutlich feierten in den sozialen Netzwerken auch deshalb unzählige Fußballfans, die sonst nichts mit der SGE zu tun haben, den Frankfurter Sieg fast schon überschwänglich. Aus Sicht der Fans von Traditionsvereinen, ganz gleich, ob in Hamburg, Stuttgart, Köln oder Gelsenkirchen, ist die Erkenntnis, dass es doch noch Momente geben kann, die man nicht für möglich gehalten hatte, eine verdammt gute Nachricht.

Erst recht im Fußballjahr 2022; in einem Jahr, in dem die Weltmeisterschaft tatsächlich in Katar stattfinden wird; in einer Zeit, in der sich mehr und mehr treue Fans angeekelt vom modernen Fußball und seinen Institutionen abwenden.

"Die meistfotografierte Attraktion in Barcelona war am Donnerstag nicht die Sagrada Familia. Es waren die Fans von Eintracht Frankfurt."

Doch bei aller Begeisterung über die sportliche Überraschung: Sie alleine beschreibt nicht im Entferntesten, was am Donnerstag in Barcelona geschah. 30.000 Frankfurterinnen und Frankfurter waren nach Spanien gereist, um eine der größten Auswärtsfahrten der Fußballgeschichte zu zelebrieren.

Die meistfotografierte Attraktion in der Touristenmetropole war am Donnerstag nicht die Sagrada Familia oder der Park Güell. Es waren die Fans von Eintracht Frankfurt. An jeder Ecke standen ungläubige (andere) Touristen und vor allem auch Einheimische und zückten ihre Smartphones. Und an jeder Ecke hörte man Spanierinnen und Spanier, die sich darüber wunderten, was hier gerade passierte.

Klar, Fußballfans kennt man in dieser Stadt. Aber solch einen Auftritt wie den der Frankfurter hatte Barcelona noch nicht erlebt. Sie bevölkerten Straßen und Kneipen. Trafen sich am Donnerstagnachmittag auf dem Plaça de Catalunya – irgendwann musste die Polizei Teile der anliegenden Straßen sperren, weil für Autos kein Durchkommen mehr war.

Anschließend marschierten Tausende zu Fuß zum Stadion. Videos davon gingen schnell viral und um die Welt. Am Camp Nou angekommen, hatten dort (fast) alle das, was bei solchen Spielen eigentlich immer Mangelware ist: Tickets.

Die Frankfurterinnen und Frankfurter hatten sich im Vorfeld, trotz einiger Stolpersteine, massenweise mit Eintrittskarten eingedeckt und damit dankend die Tatsache angenommen, dass sich beim großen FC Barcelona die Vorfreude auf ein Europa-League-Viertelfinale arg in Grenzen hielt.

Hätten alle 80.000 Barca-Dauerkarteninhaber ihr Ticket auch in Anspruch genommen oder es nicht für viel Geld weiterverkauft, hätte es keine Frankfurter Party dieser Dimension geben können. Auch das ist eine dieser Besonderheiten dieses denkwürdigen Fußballspiels.

Xavi, der Trainer des FC Barcelona, sprach nach der Partie von einem "Planungsfehler". Es hätte nicht passieren dürfen, dass 30.000 Frankfurter ins Stadion kommen, weil es sich so anfühlte wie ein Finale, in dem je eine Hälfte des Stadions einem der beiden Vereine die Daumen drückt.

Aus Xavis Blickwinkel kann man das so sehen. Auch wenn er vielleicht den Denkfehler gemacht hat, dass die SGE und ihre Fans einfach nicht planbar sind. Erst recht nicht in der Europa League, wo man auch 2019 im Halbfinale stand.

"Von diesem Tag werden wir in 30 Jahren noch erzählen."

Nun erlebten die Fans von Eintracht Frankfurt einen Tag für die Geschichtsbücher. Und das auch noch nach zwei Jahren fußballerischer Entbehrung, weil die Coronapandemie es nicht erlaubte, in (ausverkaufte) Stadien zu gehen oder für eine Partie gar quer durch Europa zu reisen. Es hätte keine bessere Partie geben können, um geschlossen als Fanszene endlich wieder zu einem Auswärtsspiel fahren zu dürfen.

Es waren ein Tag, ein Spiel und eine Nacht der Superlative. Alle Beteiligten werden noch ein paar Tage benötigen, um wirklich zu verstehen, was sie am Donnerstag erlebten. Und spätestens dann realisieren: Von diesem Tag werden wir in 30 Jahren noch erzählen. Und dann womöglich feststellen, dass eine Auswärtsparty in dieser Form nie wieder stattgefunden hat.

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