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Bild: Getty Images / RTL / watson Montage

Hartz-IV-Empfänger bekommen von RTL 30.000 Euro geschenkt – und schwänzen das Show-Finale

Etwas ratlos wirken sie, die drei Experten von "Zahltag – Ein Koffer voller Chancen".

Ex-Hartz-IV-Empfängerin Ilka Bessin fragt: "Kommen die noch?". Gründerberater Felix Thönnessen läuft tatkräftig zur Studio-Tür und guckt, ob da vielleicht jemand davor steht. Ex-Bürgermeister von Neukölln Heinz Buschkowski, der sich sonst keinen scharfen Kommentar verkneifen kann, fehlen zur Abwechslung mal die Worte.

Irgendetwas ist schief gegangen in der RTL-Armutsshow.

In der letzten Folge fragen die Experten: Haben die Teilnehmer es aus Hartz IV geschafft?

In der letzten Folge des Sozialexperiments sollten sich die drei Experten eigentlich mit den Teilnehmern der Sendung treffen. Die Protagonisten, allesamt Hartz-IV-Empfänger, haben von den Machern der Show einen Geldkoffer von bis zu knapp 30.000 Euro bekommen. Mit diesem Geld sollten sich die teilnehmenden Familien selbstständig machen.

Im Finale also blicken die Experten gemeinsam mit den Teilnehmern zurück und bewerten, ob das Experiment geklappt hat. Manche, wie Familie Röder, haben den Weg aus Hartz IV leider nicht geschafft. Andere, wie Familie Schröder, haben nicht nur eine Anstellung, sondern nach dem Experiment auch noch 11.000 Euro vom Koffergeld übrig.

Eine Familie fehlt allerdings: Die Trauts aus Siegen.

Für Familie Traut schienen die Experten von Anfang an eine Art Hassliebe zu empfinden. Michael, 29, und Melanie, 28, haben drei Kinder, keine abgeschlossene Berufsausbildung und keine Arbeit. Dafür aber Ambitionen: Denn Michael und Melanie Traut wollen sich mit einem Einkaufsservice selbstständig machen. Später kommt noch, zur Überraschung der Experten, der Plan hinzu, ein Tattoostudio für Melanie zu eröffnen.

Ex-Hartz-IV-Empfänger Michael lästerte über RTL-Experten

Schon in der vorangegangenen Folge allerdings musste Michael heftige Kritik einstecken: Gründerberater Felix schenkte ihm einen Platz in einem seiner Gründerseminare. Am ersten Tag war Michael noch da – fehlte aber schon am zweiten. Etwas später, als Michael wieder zu Hause ist, lästert er über das Seminar: "Also mir kam das so vor, als wollte der einfach nur kostenlose Werbung im Fernsehen haben. Durch mich."

In der letzten Folge von "Zahltag" sucht Heinz Buschkowsky zu Beginn vor dem großen Finale noch einmal das Gespräch mit dem jungen Ehepaar – und vor allem Michael zeigt sich positiv überrascht vom guten Willen des Ex-Politikers.

Zwar endet das Gespräch mit der Familie Traut recht positiv. Dennoch: Keine Spur von Michael und Melanie im Finale.

Die Experten sind irritiert bis genervt. Felix kommentiert das Fehlen des Paares mit den Worten: "Gelinde gesagt ist das schon ein schockierender Moment." Und Ilka bringt es auf den Punkt:

"Familie Traut, die sich nicht traut."

Das RTL-Experiment ist nach einem halben Jahr beendet, bei Familie Traut scheint es aufgrund deren Fehlens gescheitert. Zunächst.

Denn dann die Überraschung: Die Trauts kommen zurück!

Vier Wochen später (und noch immer in der letzten Folge) folgt die Überraschung: RTL besucht alle Familien, die an der zweiten Staffel "Zahltag" teilgenommen haben, noch einmal. Und diesmal treffen die Experten Familie Traut an. Was also ist in der Zwischenzeit passiert?

Zum finalen Gespräch mit den Experten sind Michael und Melanie nicht erschienen, weil Michael an diesem Tag zur Darmspiegelung ins Krankenhaus musste. Warum sie das Treffen nicht rechtzeitig abgesagt haben, wird in der Show nicht weiter thematisiert.

Tatsächlich konnte Melanie sich als Tätowiererin selbstständig machen: Zu dem Zeitpunkt, als das RTL-Team Familie Traut erneut besucht, ist das hauseigene Tattoostudio seit drei Tagen eröffnet und Melanie hatte schon sechs Kunden. Glücklich sagt die junge Frau:

"Ich bin da total in meinem Element."

Mit dem Einkaufsservice läuft es noch nicht so gut, wie Michael es sich erhofft hat: Nur 50 bis 80 Euro pro Woche verdient er. Weil es bei Melanie beruflich besser läuft, droht der Haussegen schief zu hängen: Denn Michael, ganz Macho, würde sich nicht von seiner Partnerin aushalten lassen:

"Ich werd' mir auf jeden Fall nix von 'ner Frau bezahlen lassen."

Na, das klingt ja vielversprechend. Wie es um die Familie Traut aktuell steht, ist unklar. Laut Google soll der Service geschlossen sein – die Webseite ihres Einkaufsservices "Raven" gibt es allerdings noch. Ein Blick auf die Homepage zeigt, dass der Service angeblich gut laufen soll und zahlreiche Anfragen eingehen:

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Bild: Raven

Auf eine Anfrage von watson über das Kontaktformular auf der Website haben die Trauts bisher noch nicht reagiert. Auch die Whatsapp-Nachricht ist nicht durchgestellt worden. Wie es um den Einkaufsservice wirklich steht und ob Michael und Melanie Traut es raus aus Hartz IV geschafft haben, bleibt weiterhin unklar.

(ak)

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