Helene Fischer war im Oktober, November und Dezember in verschiedenen Dokumentationen zu sehen.
Helene Fischer war im Oktober, November und Dezember in verschiedenen Dokumentationen zu sehen.Bild: www.imago-images.de / Frederic Kern
Meinung

ZDF, Sat.1 und Vox versuchen sich an Helene-Fischer-Dokus: Warum drei Formate zu viel sind und alle scheitern mussten

17.12.2021, 16:22

Seit Helene Fischer am 27. August ihr mittlerweile achtes Studioalbum "Rausch" auf Instagram angekündigt hat, ist sie auch im Fernsehen quasi omnipräsent. Wegen der Corona-Pandemie musste das ZDF zwar ihre traditionell am ersten Weihnachtsfeiertag laufende "Helene Fischer Show" für 2021 komplett absagen, doch die Fans bekamen in vielfacher Ausführung Entschädigung für diesen Ausfall.

Denn insgesamt drei TV-Sender versuchten, das Phänomen "Helene Fischer" in Dokumentationen irgendwie einzufangen und für die Zuschauer aufzuarbeiten: Das ZDF zeigte Mitte Oktober den Musikfilm "Helene Fischer – Im Rausch der Sinne", auf Sat.1 lief rund einen Monat später "Helene Fischer – Ein Abend im Rausch" und schließlich legte auch Vox mit dem Format "Helene Fischer: 15 Jahre im Rausch des Erfolgs" wiederum einen Monat später am 11. Dezember nach. Zwischendurch war Fischer unter anderem bei "Wetten dass..?" und bei "Klein gegen Groß" zu Gast. So gab es kaum ein Wochenende, an dem die Schlagersängerin das TV-Publikum nicht von einer Studiocouch aus anlachte.

Dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre "angestammte" Helene auch durch die Promo-Phase zu ihrem neuen Album und ihrer anstehenden Tournee führen würden, war abzusehen. Dass allerdings auch die Privatsender auf den Zug mit aufspringen würden, war neu – und stellte sich im Großen und Ganzen als Misserfolg heraus. Was alle Sender in ihrem Vorhaben, eine gute Helene-Doku zu senden, eint, ist, dass alle Filme ihr und ihren Fans am Ende nicht gerecht werden konnten.

Das ZDF macht den Anfang

Der erste Film über die "Volle Kraft voraus"-Interpretin, "Helene Fischer – Im Rausch der Sinne", hatte einen äußerst schweren Start. Denn gerade zwei Wochen vor dem Ausstrahlungstermin kurz nach dem Albumrelease wurde bekannt, dass Fischer mit ihrem Partner Thomas Seitel ihr erstes Kind erwartet. Gedreht worden war die Doku bereits im September, sie versprach "eine 60-minütige Reise durch das neue Album und die Seele der Künstlerin", wie es in der ZDF-Programmankündigung hieß. "So persönlich habe ich mich noch nie gezeigt", sagte die Künstlerin selbst zu Beginn.

Selbstverständlich erwarteten folglich die Fans, dass Helene private Einblicke in ihr Leben abseits der Bühne zulässt, insbesondere nachdem bekannt geworden war, dass sie schwanger ist. Doch das lieferte dieser Film überhaupt nicht. Wenige Erläuterungen gab Fischer lediglich zu den Inhalten ihrer Songs, so sei beispielsweise "Hand in Hand" ein Lied für ihren Partner. "Zu wissen, dass die Person im Raum ist, für die ich diesen Song singe, löst in mir sehr, sehr viele Emotionen aus", hieß es von der Sängerin, gefolgt von Bildern eines wenige Sekunden andauernden, liebevollen Moment mit ihrem Lebensgefährten.

Helene Fischer und Thomas Seitel zeigten sich kurz zusammen in der ZDF-Doku.
Helene Fischer und Thomas Seitel zeigten sich kurz zusammen in der ZDF-Doku.Bild: Screenshot / ZDF

Mehr erfuhren die Zuschauer nicht über die private Helene, nur noch, dass ihre Choreografien wegen der Schwangerschaft nicht ganz so spektakulär ausfallen, wie man es von ihr gewohnt ist, sie aber dennoch bei den Performances ihrer Musikstücke tapfer durchhält und "das Schwitzen und das Auspowern" ihr nichts ausmachen.

Fans kritisierten an der ZDF-Doku in erster Linie, dass es sich dabei um geschickte Promotion für ihre Platte handelt, das es eben nur um die darauf enthaltenden Songs geht. Auf der Strecke blieben Äußerungen über Erfahrungen, Ängste, Vorfreude und auch mal ein Moment, in dem sie nicht ausschließlich eine Perfektionistin ist. Und so lauteten die Urteile der Fans wie folgt auf Twitter:

Sat.1 versucht es eine Spur intimer bei Helene Fischer

Vollmundig wurde auch "Helene Fischer – Ein Abend im Rausch" auf Sat.1 im Vorfeld angekündigt. Helene sollte dieses Mal nicht nur Steven Gätjen Rede und Antwort stehen, sondern auch zwischenzeitlich ihre neuen Songs performen dürfen. Jetzt live – und niemand Geringeres als Stefan Raab hatte die musikalische Leitung hierfür übernommen.

Die ProSieben-Sendergruppe, zu der Sat.1 gehört, hatte dem Format wohl aber nicht die größten Erfolge bei der Zielgruppe zugetraut, so ist es wohl auch zu erklären, dass das Format eben nicht auf dem Flaggschiffsender, sondern "nur" auf Sat.1 erstmals zu sehen war.

Helene Fischer sang ihre Songs in ihrer Sat.1-Doku live.
Helene Fischer sang ihre Songs in ihrer Sat.1-Doku live.Bild: Universal / Sat.1 / Sandra Ludewig
"Auf ProSieben wurde die Sendung etliche Tage später wiederholt, auf dem für Helene Fischer recht unwürdigen Sendeplatz um 23.45 Uhr."

Doch dabei sollte es nicht bleiben, denn als "Ein Abend im Rausch" am 12. November auf Sat.1 lief, kam auf ProSieben zeitgleich der Spielfilm "Staatsfeind Nummer eins". In einer Werbeunterbrechung des Streifens wurde plötzlich zu Helene und der Performance einer ihrer Songs geschaltet. Darauf reagierten die ProSieben-Zuschauer recht ungehalten.

Aber auch die Fans kamen bei der Doku wieder nicht vollkommen auf ihre Kosten. Zwar ist Gätjen ein geübter Interviewer, entlockte Europas erfolgreichster Sängerin aber unter anderem recht unbedeutende Antworten nach ihrem Lieblingsobst und -gemüse. Ihr schon etwas sichtbarer Babybauch wurde zudem geschickt von einem schwarzen Outfit weitestgehend verdeckt.

Fragen zur Schwangerschaft wohl nicht erwünscht

Fragen zur Schwangerschaft waren offenbar ebenfalls nicht erwünscht, immerhin gab es aber einen winzig kleinen Einblick in Fischers Beziehung, als es zu diesem Dialog über Thomas Seitel kam: "Was sagt er denn zu der Helene von vor 20 Jahren?" Ihr Freund sei selbstverständlich schon von Anfang an ein Fan gewesen: "Hat er gesagt, muss er sagen", antwortete die 37-Jährige mit einem Lachen. Gätjen daraufhin mutmaßend: "Sonst gibt's Ärger!" Auch hier konnte die Sängerin mit einem Grinsen zustimmen: "Ja klar!"

Davon ermutigt, wollte Gätjen schließlich auch noch wissen: "In welchen Outfits lümmelst Du zu Hause und pupst in deinen Jogginganzug?" Diese Nachfrage wiegelte Helene aber geschickt ab, indem sie einfach erklärte, was ihre Lieblingssonntage ausmachen: "Weil keiner nervt, weil keiner anruft, weil alles zu hat."

Vox liefert wohl die beste Doku

Unter dem Titel "Helene Fischer: 15 Jahre im Rausch des Erfolgs" lief die aktuellste Doku über den Schlagerstar. Janin Ullmann bekam für die rund zweieinhalbstündige Sendung die Gelegenheit, mit einer mittlerweile sehr sichtbar schwangeren Helene Fischer zu sprechen. Jetzt sollte der Bauch auch nicht mehr versteckt werden und sogar sehr persönliche Einblicke ließ die sonst eher zurückhaltend in Interviews agierende gebürtige Russin zu.

Janin Ullmann und Helene Fischer plauderten zusammen auch über Privates.
Janin Ullmann und Helene Fischer plauderten zusammen auch über Privates.Bild: Screenshot / Vox

So gab es neben Szenen, in denen Helene bei einer Schauspielschule vorsprach, auch ihren allerersten TV-Auftritt an der Seite ihres Ex-Partners Florian Silbereisen zu sehen. Ihre Mutter, so verriet Helene, habe Zeitungsartikel und Berichte über sie in einem Karton gesammelt, sie spiele aber mit dem Gedanken, alles irgendwann einmal eventuell wegzuschmeißen. Ullmann lenkte ein: "Aber irgendwann mal kannst du es dann deinem Kind oder deinen Kindern zeigen. Das ist bestimmt auch ganz toll, wenn man diesen Moment irgendwann teilen kann, um zu zeigen, guck mal, Mama stand da auf der Bühne und hat in Stadien gespielt." Helene stimmte zu:

"Absolut, der Tag wird mit Sicherheit kommen und das wird für mich, glaube ich, ein besonderer Moment sein."

Auch ein Moment ergab sich in der Sendung, über die vielen falschen Berichte in der Yellow Press über sie zu sprechen. Dabei zeigte sich der Bühnenstar ein weiteres Mal sehr offen und ehrlich: "Ich war ja auch schon zig Mal in meiner Karriere schwanger, war schon weiß ich nicht wie oft verheiratet und wieder geschieden. Ich habe in all den Jahren schon oft Posts verfasst, habe sie in mein Handy gespeichert und eben nicht nach draußen gesendet, weil ich die Gerüchteküche und die Medien nicht noch mehr füttern wollte. Aber wie oft wollte ich schon Dampf ablassen und wie oft hat mir das wirklich wehgetan."

Beziehungsleben kaum Thema

Was hier wiederum erneut zu kurz kam, scheint das Liebesleben von Helene Fischer zu sein und das, obwohl die Einspieler gute Steilvorlagen dafür boten. So kommentierte sie lediglich zu Aufnahmen mit Silbereisen, dass sie froh war, dass er bei ihren ersten Schritten auf der TV-Bühne an ihrer Seite gewesen ist. Die später daraus erwachsene Beziehung war zu keiner Zeit Thema. Und auch die Liebe zu Seitel kam nicht zur Sprache. Es waren dann eben doch "nur" mehrere Stunden über die Künstlerin selbst.

Und es stellt sich abschließend eben auch wieder die Frage, warum eine so ausführliche Helene-Doku auf Vox und nicht etwa auf RTL zu sehen war. Die Fans hatten jedenfalls wenig an dieser mittlerweile dritten Doku innerhalb von drei Monaten auszusetzen, lediglich die vielen Werbeunterbrechungen störten beim Anschauen im linearen Fernsehen.

Quoten-Klatsche für alle Helene-Fischer-Formate

Alle Sender müssen sich mit ihren jeweiligen Helene-Filmen einen ähnlichen Quoten-Erfolg wie den der beliebten "Helene Fischer Show" zu Weihnachten erhofft haben. Zur Erinnerung: Die ZDF-Sendung läuft seit 2011. Im "schwächsten" Jahr, 2013, schalteten 4,92 Millionen Zuschauer ein. Nur 2020, als wegen Corona lediglich ein von Fischer moderierter Zusammenschnitt gezeigt werden konnte, war diese Zahl noch etwas niedriger: 4,27 Millionen. In allen anderen Jahren lag die Quote deutlich über fünf Millionen, 2014 schauten sogar 6,56 Millionen zu. So bildete die Show für das ZDF Jahr für Jahr einen gelungenen Jahresabschluss.

Als jedoch stattdessen im Oktober die Doku auf dem gleichen Sender lief, stellte sich schnell Ernüchterung ein: Nur 2,81 Millionen Fans schalteten ein, der gewohnte Hype blieb bei einem Marktanteil von 10,6 Prozent aus. Selbst der "Erzgebirgskrimi", der unmittelbar vor dem Format lief, holte mehr als doppelt so viele Zuschauer vor den Fernseher. Vermutlich aus lizenzrechtlichen Gründen kann man "Helene Fischer – Im Rausch der Sinne" zudem nicht einmal mehr in der ZDF-Mediathek anschauen.

Helene Fischer scheint auf Privatsendern nicht allzu gefragt zu sein.
Helene Fischer scheint auf Privatsendern nicht allzu gefragt zu sein.Bild: www.imago-images.de / Frederic Kern

Ähnlich nicht erfolgreich lief es auch für Sat.1: Stefan Raab konnte kaum mehr Fans anlocken, immerhin war auch schon klar, dass er sich auch für Helene nicht vor der Kamera zeigen würde. Das Endergebnis: 1,99 Millionen Zuschauer und ein Marktanteil von 7,2 Prozent.

Und der Trend setzte sich fort, denn auch "Helene Fischer: 15 Jahre im Rausch des Erfolgs" auf Vox knackte nur geradeso mit einem 1,14 Millionen-starken Publikum die Millionengrenze.

"Vielleicht ist das auch der Beweis, dass nicht aller guten Dinge drei sein müssen."

Das Geheimrezept, wie man Helene Fischer am besten in einer Fernsehsendung in Szene setzt, ist also weder vom ZDF, noch von Sat.1 und Vox gefunden worden. Es bleibt zu vermuten, dass Helene eventuell auch trotz ihres Erfolgs, ihrer Musik und ihrer Millionen Fans nicht Stoff für drei Filme bieten kann – und offenbar kann man ihre Community auch nicht wirklich bei den Privatsendern finden.

Insofern bleibt abzuwarten, ob Helene weiterhin abseits vom ZDF zu sehen sein wird, wenn sich die Zuschauer doch in erster Linie ihre Weihnachtsshow zurückwünschen. In Sachen Dokumentation wäre eine Mischung aus allen drei Formaten sicher am besten gewesen – und zwar auf einer Streaming-Plattform: Ohne Werbeunterbrechungen und auch nach mehr als zwei Monaten noch abrufbar.

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