Wissenschaftsjournlist Axel Bojanowski sieht das Hochwasser nicht in der Folge des Klimawandels.
Wissenschaftsjournlist Axel Bojanowski sieht das Hochwasser nicht in der Folge des Klimawandels.
bild: screenshot zdf

Journalist bei Lanz übers Hochwasser: "Das ist deutsches Klima – damit muss man rechnen"

21.07.2021, 08:51
dirk krampitz

Nachdem sich direkt zuvor schon "Leschs Kosmos" mit der Hochwasser-Katastrophe beschäftigt hat, legt auch Markus Lanz nach mit einem Hochwasser-Special am Dienstagabend im ZDF. Und zwar mit so vielen Gästen, dass er zur Halbzeit der Sendung fast alle Stühle neu besetzt. Es sind dabei:

  • Sven Plöger, Meteorologe
  • Dirk Steffens, ZDF-Wissenschaftsjournalist
  • Wolfram Leibe, Oberbürgermeister von Trier (SPD)
  • Andreas Geron, Bürgermeister der Stadt Sinzig/Rheinland-Pfalz (parteilos)
  • Lamia Messari-Becker, Bauingenieurin
  • Matthias Berger, Oberbürgermeister von Grimma/Sachsen (parteilos)
  • Beate Ratter, Geografin
  • Tina Rass, Flutopfer aus Rösrath/NRW
  • Axel Bojanowski, Chefreporter Wissenschaft der "WELT"

Bis zu 200 Liter Starkregen sind pro Quadratmeter gefallen. Mindestens 163 Tote hat die Hochwasserkatastrophe bisher gefordert. Fast zwei Milliarden Euro werden die Schäden grob geschätzt. "Wie konnte uns diese Katastrophe trotz Vorwarnung so hart treffen? Wer hat zu spät reagiert und warum?" fragt Lanz. In seiner Sendung sucht er nach Antworten, wird aber nicht unbedingt fündig.

Meteorologe Sven Plöger fühlt sich derzeit nicht wohl in seiner Haut.
Meteorologe Sven Plöger fühlt sich derzeit nicht wohl in seiner Haut.
bild: screenshot zdf

Der TV-Wetterfrosch Sven Plöger gibt zu: "Ich freue mich im Moment nicht, Meteorologe zu sein." Er hatte in seinem Bericht vom Montag gewarnt, dass man in der Nähe von Flüssen den Pegel im Auge behalten soll, aber das Ausmaß konnte er nicht absehen und in sofern war die Warnung auch nicht so deutlich, wie sie im Nachhinein hätte sein müssen. Erstaunlicherweise kannte er die Hochwasser-Meldung der Europäischen Flutwarnbehörde Efas nicht. Er hat sich an seine meteorologischen Modelle gehalten, aber das Wasser habe "alle Rekorde pulverisiert". Er findet in diesem Zusammenhang, dass der Klimawandel Phänomene wie dieses begünstige. Umweltschutz sei unbedingt nötig und lohne sich auch aus finanzieller Sicht. "Jeden Euro, den wir jetzt nicht einstellen, werden wir mit 2 bis 11 Euro zurückzahlen."

ZDF-Tierfilmer Dirk Steffens macht die Begradigung der Flüsse und die Bebauung von Sickerflächen verantwortlich. "Jeden Tag werden in Deutschland 70-73 Fußballfelder versiegelt." Die Politik habe es lange versäumt. Und jetzt werden nur "tagespolitisch darauf reagiert, wenn mal was passiert". Die "Inszenierung als guter Mensch, der hilft" sei da nicht nützlich. Ein eindeutiger Seitenhieb gegen CDU-Chef Armin Laschet, der den Menschen vor Ort schnelle und unbürokratische Hilfe versprochen hat.

"Die Politik tut nur etwas, wenn der Druck hoch ist. Dabei ist Umweltschutz eine Maßnahme, die preiswerter ist als Umweltreparatur, die auch oft nicht funktioniert."
Dirk Steffens

Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe erinnert sich, dass die Hauptstraßen in Trier innerhalb kürzester Zeit "wie ein Fluss" waren. Die normalerweise eher kleine Kyll ist von 8 Zentimeter Tiefe auf 8,5 Meter Höhe angeschwollen. Nicht einmal Rettungsboote konnten sie einsetzen, weil die Strömung zu stark war. "Man ist ausgeliefert. Diese unmittelbare Gewalt ist erschreckend", erzählt der SPD-Politiker. "Wir leben in Deutschland in einer großen Sicherheitsblase und diese Blase ist diesmal kaputtgegangen."

Wenn es nach der Geografin Beate Ratter geht, war es eine Verkettung unglücklicher Umstände: "Es kommt extrem darauf an, in welchem der Täler es runterkommt, und wo der Kaskadeneffekt beginnt." Diesmal sei alles eben möglichst ungünstig gelaufen.

"Dieses Unwetter war ein klassischer schwarzer Schwan – etwas, das man sich nicht vorstellen kann, was aber doch möglich ist."
Beate Ratter

Besonders deutlich hat das Andreas Geron, Bürgermeister der Stadt Sinzig in Rheinland-Pfalz, gespürt. Im unteren Ahrtal sei das Hochwasser deutlich mehr gewesen als jedes Hochwasser in den vergangenen 200 Jahren. "Das war einfach unfassbar." Auch an vermeintlich sichere Orte gestellte Sandsäcke wären einfach davon gespült worden.

Flutopfer Tina Rass (Mitte) hat alles verloren.
Flutopfer Tina Rass (Mitte) hat alles verloren.
bild: screenshot zdf

Tina Rass, Flutopfer aus NRW, wurde auch vollkommen überrascht: "Wir sind nicht gewarnt worden." Die Wassermassen drangen letzte Woche in ihr Haus in Rösrath/NRW ein "Der Keller war in 20 Minuten voll, das Erdgeschoss war nach einer Stunde auf einen Meter. Wir konnten auch nichts mehr retten, wir konnten nur uns retten." Nun seien sie schon am Aufräumen. "Es ist ein Rausreißen, Entmüllen und Abwarten."

Matthias Berger, Bürgermeister von Grimma in Sachsen, hat dort schon zwei Fluten miterlebt. Seine Erfahrung: "Es dauert zwei Jahre bis man wieder aufbauen kann – Bürokratie und Katastrophe verträgt sich nicht." Sein Tipp: Haustechnik wie die Elektrik ins erstes Obergeschoss legen und überlegen, ob man sich nicht auch neue Bauplätze sucht, wo kein Hochwasser hinkommt.

Bauingenieurin Lamia Messari-Becker will mit der Natur bauen.
Bauingenieurin Lamia Messari-Becker will mit der Natur bauen.
bild: screenshot zdf

Die Bauingenieurin und Stadtplanerin Lamia Messari-Becker geht noch weiter. Sie will die Städte und Architektur grundsätzlich anpassen: Mauern verstärken, Versickerflächen einplanen. Und statt eines Fichtenwaldes wie in Ahrweiler lieberLaubbäume pflanzen, weil die 50 Prozent mehr Wasser speichern. Sie träumt von einer "Schwammstadt", die im Notfall Wasser aufsaugt.

"Wir müssen mit der Natur bauen, nicht dagegen."
Lamia Messari-Becker
Wissenschaftsjournist Axel Bojanowski findet: "Das ist deutsches Klima"
Wissenschaftsjournist Axel Bojanowski findet: "Das ist deutsches Klima"
bild: screenshot zdf

Der Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski sieht das als einziger in der Runde etwas anders. Er kritisiert die öffentlich-rechtlichen Medien, die nicht deutlich genug gewarnt haben. Wie es denn seine Zeitung, "Die Welt", gemacht habe, will Lanz zweimal von ihm wissen. Das hat er gar nicht geprüft, gibt er zu. "Aber wahrscheinlich nicht besser." Er bestätigt zwar den Klimawandel, findet aber, was das Hochwasser angeht: "Das ist deutsches Klima – damit muss man rechnen." So etwas habe es schon immer gegeben. Aber es gebe eben kein Gedächtnis für Naturkatastrophen, weil sie so selten geschehen. Dabei stehe fest:

"Diese Täler sind wie Vulkane – wenn der Starkregen angefangen hat, muss man da raus."
Axel Bojanowski

Der Klimawandel sei real, beteuert der Journalist. "Aber dieses Ereignis hätte auch ohne Klimawandel genauso stattfinden können."

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