Der Virologe Alexander Kekulé.
Der Virologe Alexander Kekulé.bild: screenshot zdf

Kekulé mit düsterer Einschätzung bei "Lanz": "Dieser Zug ist abgefahren"

19.11.2021, 07:26

Deutschland steckt in der vierten Welle. Corona beherrscht die Nachrichten und ist auch wieder Thema bei Markus Lanz und seinen Gästen:

  • Alexander Kekulé, Virologe
  • Stefan Kluge, Der Intensivmediziner vom Hamburger UKE
  • Christine Aschenberg-Dugnus, FDP-Gesundheitspolitikerin
  • Anja Maier, "Weser-Kurier"-Politikexpertin
FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus trägt zwei Uhren, tut sich trotzdem schwer mit dem Timing.
FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus trägt zwei Uhren, tut sich trotzdem schwer mit dem Timing.bild: screenshot zdf

FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus hat eine undankbare Aufgabe. Sie soll bei Markus Lanz die Pandemiepolitik ihrer Partei erklären. Warum die FDP denn vor Kurzem noch nach einem Freedom Day gerufen hat, warum der Parlamentarische Geschäftsführer Marko Buschmann noch Ende Oktober gesagt hat, dass das Gesundheitssystem nicht systhemisch überlastet werde. Und warum sie nicht eingeschritten ist. Ihre Antwort ist eine ziemliche Bankrotterklärung. Sie habe gedacht, dass alle Bundesländer schon boostern und dass das mit dem Impfen irgendwie läuft:

"Ich habe unterschätzt dass in der Sommerpause zu wenig Impffortschritt stattgefunden hat."
Christine Aschenberg-Dugnus

Ein Blick in die Statistik hätte da zwar ausgereicht, um sich auf den aktuellen Stand zu bringen. Aber schließlich gibt sie zu: "Aus heutiger Sicht war es falsch." Wann ihr denn klar geworden sei, dass es ein ernsthaftes Problem gibt, will Markus Lanz von ihr wissen. "Dass es so aus dem Ruder läuft, war mir etwas später erst klar... im Grunde erst in den letzten Wochen jetzt, als es wirklich so hoch ging... weil ich nicht auf die Infektionszahlen zuerst gucke, sondern auf den Hospitalisierungsindex." Oh weh. Von einer Gesundheitspolitikerin wünscht man sich dann doch mehr Weitblick, auch wenn sie keine Ärztin sondern Juristin ist, wie sie betont.

Aber immerhin lernen wir eines: Frau Aschenberg-Dugnus trägt gleich zwei Armbanduhren. Rechts eine klassische Uhr mit Metallarmand, links eine Smartwatch mit champagnerfarbenen Armband. Und die zeigt in der Sendung immer wieder die Uhrzeit: Dass Lanz nicht live läuft, ist kein Geheimnis. Nun ist klar: Diese Sendung wurde vier Stunden vor der Ausstrahlung ab 19.15 Uhr aufgezeichnet.

Für Anja Maier, Politik-Experin beim "Weser-Kurier" ist das Ignorieren der Corona-Probleme klar dem Wahlkampf geschuldet: "Alle wussten es, aber haben gedacht, wir werden die Deutschen jetzt mal nicht damit beunruhigen. Es ist doch offensichtlich, dass die Strukturen nicht geschaffen wurden, obwohl sie es wussten."

Virologe Alexander Kekulé sieht auch die Geimpften als Problem.
Virologe Alexander Kekulé sieht auch die Geimpften als Problem.bild: screenshot zdf

Der Virologe Alexander Kekulé sagt, er sei ja grundsätzlich Optimist. Aber die Menge der Infektionen könne man nicht mehr abfangen. "Dieser Zug ist abgefahren." Nur bei den Schwersterkrankungen und Todesfällen könne man noch etwas machen. Und zwar mit massivem Boostern. Er empfiehlt: "In den Notfallmodus umschalten. Wir haben begrenzte Kapazitäten und keine Zeit mehr."

Unkontrollierte Urlaubsheimkehrer und große Partys sieht er als Pandemietreiber. Unvorsichtige Geimpfte, die dachten, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht, wie man es auch lange auf der Seite des Robert-Koch-Instituts habe lesen können. Mittlerweile sei diese Behauptung gelöscht, bestätigt Markus Lanz. Von den Geimpften gehe "ein ganz wesentlicher Beitrag zu dieser Welle" aus, so Kekulé. Vor diesem Hintergrund sieht er die jüngsten Entscheidungen der Ministerpräsidentenrunde auch äußerst kritisch.

"2G war Teil des Problems, warum es so viele Infizierte gibt. Dass man mit 2G die Inzidenz hochgetrieben hat und jetzt sagt: Das ist das Allheilmittel! Das ist, was ich mit Sorge beobachte im Moment."
Alexander Kekulé

Aber ganz klar sei auch: "Unser Hauptproblem sind die Ungeimpften."

Er findet, man solle bei Veranstaltungen ab 50 Leuten einen Test zur Voraussetzung machen und ab 50 oder 100 Teilnehmern auch wieder eine sichere Kontaktnachverfolgbarkeit gewährleistet sein. "Es kann durchaus sein, dass wir nochmal in die Lage kommen, wo wir massive Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich machen müssen." Auch ein "Lockdown durch die Hintertür" sei denkbar. "Das Versprechen einer Herdenimmunität funktioniert zumindest bei dieser Variante und mit diesen Impfstoffen nicht."

Intensivmediziner Stefan Kluge sieht "eine absolute Notsituation".
Intensivmediziner Stefan Kluge sieht "eine absolute Notsituation".bild: screenshot zdf

Der Hamburger Intensivmediziner Stefan Kluge klagt an: "Die Politik hat sich nicht beraten lassen – es lag alles auf dem Tisch." Man habe sich immer auf die Quote der Geimpften konzentriert und die Ungeimpften ignoriert. 70 Prozent Geimpfte seien nur aber "eine Scheinsicherheit": "Dass 30 Prozent hochgefährdet sind, ist immer ausgeblendet worden. Wir haben zu wenig Erstimpfungen – wir sind in Westeuropa richtig schlecht." Außerdem hätten wir auch ein Problem bei den Boosterimpfungen. 27 Millionen Dosen sollen bis Weihnachten verabreicht werden. Der Mediziner ist skeptisch. "Ich sehe nicht richtig, wie wir das schaffen wollen." Während der Virologe Alexander Kekulé die Altersgruppe über 60 Jahre bevorzugt boostern will, weil der Schutz bei ihnen nötiger ist, glaubt Kluge, dass die nötige Organisation dafür nur Zeit kostet. Er empfiehlt etwas rustikal: "Alles, was nicht bei drei auf den Baum geht, wird geimpft."

Er regt an, dass z.B. auch in Apotheken geimpft werden sollte.

"Es sollte jeder impfen, der es kann. Es ist eine absolute Notsituation. Es muss so viel geimpft werden, wie nur irgend geht."
Stefan Kluge

Er erwartet in der kommenden Woche auf seiner Intensivstation in Hamburg Patienten aus überlasteten Krankenhäusern in Süddeutschland. "Die Anfragen sind bereits gestartet."

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