Wenn Journalist:innen Beziehungen zu Menschen in Politik, Wirtschaft oder Sport führen, wird das in der Öffentlichkeit immer misstrauisch beäugt. Viele fürchten, die journalistische Sorgfalt könnte unter den persönlichen Beziehungen leiden.
Solche Sorgen kamen unter anderem auf, als die Beziehung von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann zu der "Bild"-Sportjournalistin Lena Wurzenberger öffentlich wurde und auch als im vergangenen Juli Bundesfinanzminister Christian Lindner der "Welt"-Journalistin Franca Lehfeldt das Ja-Wort gab. Die teure Sylt-Hochzeit schlug besonders hohe Wellen, da nicht nur die Gästeliste sehr prominent war, sondern auch die Kosten exorbitant.
Seit sie mit dem FDP-Chef verheiratet ist, steht Lehfeldt in der Öffentlichkeit unter besonderer Beobachtung. Vermutlich auch deshalb löste ein Patzer von ihr kürzlich viel Spott und Häme aus.
Bei einer Moderation zum Holocaust-Gedenktag sagte sie: "Heute vor 78 Jahren befreite die Rote Armee Fraktion die Überlebenden des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz" – meinte dabei aber eigentlich die Rote Armee. Die Rote Armee Fraktion hingegen war eine linksextremistische terroristische Vereinigung, die im Jahr 1970 gegründet wurde.
Wie auf Twitter üblich, verbreitete sich ein Clip des Patzers rasend schnell. Viele User:innen machten sich über Lehfeldt lustig. Einige unterstellten ihr gar, ungeeignet für den Job als Moderatorin zu sein.
Doch Lehfeldt ließ solche Vorwürfe nicht lange auf sich sitzen. Am Sonntag meldete sie sich bei Twitter zu Wort – und teilte heftig gegen ihre Kritiker:innen aus.
"Bei einer Moderation habe ich mich versprochen. Das sollte in Live-Situationen nicht passieren, ist es aber leider. Menschen machen Fehler", schreibt Lehfeldt. Was dann aber folgte, bezeichnet sie als "unverhältnismäßige Welle von Häme und vor allem Sexismus". "Ich frage mich, was in Köpfen vorgeht, die sich daran beteiligen", rätselt die Moderatorin.
Ihr deutliches Statement rief gemischte Reaktionen hervor. Einige User:innen äußern Verständnis für Lehfeldt und werben in der Sache für Nachsicht. "Als hättet ihr euch noch nie versprochen. Was für ein Affentheater – durchatmen und weitermachen", schreibt eine von ihnen.
Andere halten dagegen und nehmen den Sender "Welt" mit in die Pflicht. "Sie haben vom Teleprompter abgelesen, also muss es dort auch geschrieben gestanden haben. Ihre Kollegin hätte Sie auch verbessern können, wenn dem so gewesen wäre", schreibt die Userin an Lehfeldt gewandt.