25.01.2021, Berlin: Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt unter dem Künstlernamen Bushido, sitzt als Nebenkläger im Prozess gegen den Chef eines bekannten arabischstämmigen Clans und drei seiner Brüder in einem Gerichtssaal. Der Clanchef und seine Brüder stehen unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Diese Aufnahme von Bushido stammt aus dem August vergangenen Jahres und wurde anlässlich des Prozesses am Berliner Landgericht aufgenommen. Bild: ZB / Paul Zinken

Wichtiger Zeuge beim Bushido-Prozess meldet sich krank – das steckt dahinter

Der Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder, bei dem Bushido als Zeuge und Nebenkläger auftritt, hat schon einige Rekorde aufgestellt. Bisher vor allem, was die Länge angeht – so sagte Bushido an rekordverdächtigen 25 Verhandlungstagen zu den Vorwürfen aus. Am Mittwoch jedoch wurde zum ersten Mal ein Rekord in Schnelligkeit aufgestellt: Der 35. Verhandlungstag war mit Abstand der Kürzeste.

Mit einiger Verspätung eröffnete der Vorsitzende Richter die Sitzung – und hatte direkt schlechte Nachrichten. Der geladene Zeuge Ashraf Rammo, der durchaus mit Spannung erwartet worden war, habe über einen Anwalt mitteilen lassen, dass er erkrankt und nicht verhandlungsfähig sei. Und dies nicht nur heute, sondern voraussichtlich für längere Zeit.

Darum geht es im Prozess

Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Nach wenigen Minuten ist Schluss

Diese Verkündung löste im Saal Raunen aus, und es folgte, was unvermeidlich war. Der Richter fragte: "Gibt es Anträge oder Stellungnahmen? Dies ist nicht der Fall, deshalb erkläre ich die Hauptverhandlung hiermit für unterbrochen." Und so war schon nach wenigen Minuten, wenn es überhaupt mehr als eine war, wieder Schluss.

Doch selbst wenn Ashraf Rammo vor Gericht erschienen wäre, wäre es fraglich gewesen, ob er zur Aufklärung des nach wie vor sehr unübersichtlichen Geschehens hätte beitragen können. Beziehungsweise wollen – der Zeuge beruft sich nämlich auf sein Recht, die Aussage zu verweigern, um sich nicht selbst belasten zu müssen. Dieses Recht steht jedem Zeugen zu, niemand muss vor Gericht Dinge erzählen, die zu einer Strafverfolgung gegen einen selbst führen könnten.

Welche Rolle spielt Ashraf Rammo?

Tatsächlich wäre Ashraf Rammo ein interessanter Zeuge. Seine Rolle im Streit zwischen Bushido und dessen ehemaligen Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker ist bisher nicht wirklich klar. Bushido hatte in seiner Aussage erklärt, er habe nach seiner geschäftlichen Trennung von Arafat vorübergehend Musikgeschäfte mit Rammo betrieben. Diese Zusammenarbeit hätten sie allerdings eingestellt, seitdem Bushido unter Polizeischutz stehe. Insider berichten allerdings, dass sie sich weiter nahestehen sollen. Bushido hatte sich in seiner Zeugenaussage auch auffallend positiv über Rammo geäußert, ihn als sympathisch, freundlich und angenehm beschrieben. Ganz anders also, als er den Hauptangeklagten Arafat Abou-Chaker beschrieb.

Sogar mit dem angeblichen Vorfall, auf dem die gesamte Anklage basiert, hatte Rammo angeblich etwas zu tun. Am Abend des 18. Januar 2018, als Bushido seiner Darstellung zufolge von den Abou-Chakers eingesperrt, bedroht, beleidigt und geschlagen wurde, soll Rammo ihn zu Hause besucht haben, laut Bushido, um zu sehen, wie es ihm gehe.

BERLIN, GERMANY - AUGUST 17: A general view in court on the first day of Arafat Abou-Chaker's, former manager of rapper Bushido trial on August 17, 2020 in Berlin, Germany. Abou-Chaker, as well his three brothers Yasser, Nasser and Rommel, stand accused of violent intimidation and other acts against Bushido following the rapper's announcement to end his business relationship with Abou-Chaker. (Photo by Rainer Keuenhof - Pool/Getty Images)

So sah es im August im Gerichtssaal aus. Bushido ist seit dem Ende seiner Zeugenaussage nicht mehr selbst vor Ort. Bild: Getty Images Europe / Pool

Hat Bushido einfach den Rücken gewechselt?

Bushido hatte in seiner Zeugenaussage auch berichtet, die Abou-Chakers hätten den Eindruck gehabt, dass Ashraf Rammo die treibende Kraft hinter Bushidos Wunsch gewesen sei, die Geschäftsbeziehungen aufzulösen. Tatsächlich hatten im Sommer 2018 Gerüchte die Runde gemacht, Bushido habe seinen "Rücken", also den Schutz der Abou-Chakers gegen den der Rammos getauscht. Der Hintergrund: Die Familie Rammo zählt weit mehr Mitglieder als die Familie Abou-Chaker. Einige Familienmitglieder werden von den Behörden mit Körperverletzungsdelikten, Schutzgelderpressung, Raub, Drogenhandel, Geldwäsche, Hehlerei, Diebstahl, illegalem Waffenbesitz und illegalem Waffenhandel sowie Mord in Verbindung gebracht.

Ashraf Rammo hat jedoch mit ganz anderen Geschäften von sich reden gemacht: Er ist Musikmanager. Lange Zeit war er der Manager des Rappers Massiv, dem er 2007 einen 250.000-Euro-Vorschuss beim Majorlabel Sony BMG besorgt haben soll. Massiv bedankte sich dafür mit einem Song, der einer Liebeserklärung recht nahekommt.

Massivs Song für Ashraf Rammo

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Video: YouTube/AGGRO.TV

Das ist freilich schon ein Weilchen her. Inzwischen soll er sich um die geschäftlichen Belange von Samra und Capital Bra kümmern – was ebenfalls interessant ist, da beide bei Bushido unter Vertrag standen, ihn aber nicht unbedingt einvernehmlich verließen. Bushido hatte in seiner Aussage berichtet, dass Rammo bei den Gesprächen über die Vertragsauflösungen anwesend gewesen sei, war Fragen zu dessen genauer Rolle dabei jedoch ausgewichen.

Und schließlich ist da ja auch noch der Vorfall aus dem August 2018, als auf das Lokal von Arafat Abou-Chaker Schüsse abgefeuert wurden. Die Polizei hatte seinerzeit vorübergehend Ashraf Rammo im Verdacht, hinter dem Anschlag zu stecken. Es gab Razzien bei ihm und weiteren Verdächtigen. Vermutet wurde, dass die Schüsse als Warnung an die Abou-Chakers zu verstehen gewesen seien. Der Verdacht erhärtete sich jedoch offenbar nicht, jedenfalls kam es nie zu einer Anklage. Rammo hatte Arafat auf Instagram vorgeworfen, dieser habe ihn zu Unrecht bei der Polizei angeschwärzt, dieser wies die Vorwürfe ebenfalls auf Instagram zurück.

Fragen über Fragen

Das alles wirft natürlich viele Fragen auf. Auf wessen Seite steht Ashraf Rammo? Offenbar hatte und hat er gute Beziehungen zu Bushido, sein Verhältnis zu Arafat scheint dagegen zumindest vorbelastet zu sein. Warum sagt er dann aber nicht zugunsten seines mutmaßlichen Freundes aus, sondern beruft sich auf sein Auskunftsverweigerungsrecht? Denkbar wäre natürlich, dass er es vorzieht, seinen Namen nicht zu sehr mit dem spektakulär geführten, inhaltlich aber immer fragwürdiger erscheinenden Prozess in Verbindung gebracht zu wissen. Für sein offenbar bestens laufendes Musikgeschäft wäre das mit Sicherheit eine clevere Entscheidung.

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