Schauen wir uns zuerst den Speiseplan des Honigdachses an. Daran wird bereits deutlich, dass dieses Tier ein bekloppter Wilder ist, der vor praktisch gar nichts Angst hat. Der Honigdachs frisst (neben Vögeln und deren Eiern, Fröschen, Aas und Larven):
Außerdem liebt er Honig. Dafür bricht er auch mal ganze Bienenstöcke auf. Und wenn gerade gar kein stechendes oder beißendes Tier seinen Weg kreuzen will, spaziert er halt in einen Stall und reißt sich ein paar Hühner.
Der Honigdachs ist unfassbar aggressives Viech. Natürliche Feinde hat er quasi keine (außer den Menschen). Kein Wunder, mit dem Bekloppten will sich auch niemand anlegen. Wenn er sich bedroht fühlt, geht er sogar auf Tiere los, die fünf Mal so groß sind wie er. Es sind Bilder überliefert von Honigdachsen, die – obwohl auf sich allein gestellt – Stress mit Wildschwein- oder Löwenrudeln anfangen.
Der Honigdachs, der übrigens in Afrika und Asien zuhause ist, bringt körperlich aber auch gute Voraussetzungen mit für sein waghalsiges Verhalten. Seine Haut ist sehr dick und hängt lose am Körper, was dazu führt, dass selbst Raubkatzen und Schlangen ihre Beißer nicht hindurch hauen können (außer sie erwischen ihn am Bauch, da ist die Haut eher dünn).
Zur Verteidigung setzt Mellivora capensis (so sein lateinischer Name) gut trainierte Pfoten mit üppigen Krallen und scharfe Zähne ein. Und wenn all das nicht hilft, bleibt dem Honigdachs seine Geheimwaffe: übelriechende Sekrete, die aus seinen Analdrüsen schießen, wenn er angegriffen wird.
Sympathisches Tier.
Stell dir mal vor, du knallst stundenlang unaufhörlich mit 25 Stundenkilometern deine Nase vor die Wand. Abgesehen davon, dass dein Gesicht binnen kurzer Zeit ziemlich matschig aussehen würde, wären auch die Schmerzen irgendwann sehr unangenehm.
Ganz anders beim Specht: Wer im Frühjahr durch die Wälder spaziert, kann den Vögeln beim unermüdlichen Trommeln zuhören.
Bis zu 20-mal pro Sekunde haut ein Specht seinen Schnabel in einen Baum. Dass er nicht mieseste Kopfschmerzen bekommt, hat er dem genialen Aufbau seines Schädels zu verdanken, wie Forscher in einer Studie herausfanden, für die sie speziell Helmspechte untersuchten:
Und so bleiben die Vögel unverletzt. Das Klopfen hat übrigens verschiedene Zwecke: Als Trommeln ersetzt es den Gesang, den andere Vögel von sich geben, und dient dazu, Partner anzulocken (NABU). Wenn sie bald darauf Nester bauen, vernimmt man ein brutales Hämmern, das auch "Meißeln" genannt wird.
Kennt ihr diese Videos, bei denen man sich lange auf etwas konzentrieren soll und plötzlich blitzt eine kreischende Fratze auf und man erschreckt sich unfassbar? Koboldmakis sehen so aus, als würden sie diese Videos rund um die Uhr gucken. Ihre Augen nehmen einen erheblichen Teil ihres Kopfs ein: Jedes einzelne allein soll so groß sein wie das Gehirn der Äffchen (Spektrum).
Ihre Augen sitzen unbeweglich im Kopf, was die Makis dadurch ausgleichen, dass sie sich schwindelerregend den Kopf verdrehen: Bis 360 Grad, also einmal komplett rum (!), können sie den Kopf in beide Richtungen drehen.
Tarsiidae (so der wissenschaftliche Name der Makis) sind spitzenmäßige Jäger. Sie springen von Baum zu Baum, teilweise sechs Meter weit, und schnappen ihre Beute in der Luft. Grünzeug mögen Makis überhaupt nicht. Deftig muss es sein, mit Heuschrecken, Termiten, Käfern, Echsen, Skorpionen, Vögeln oder Fröschen. Damit sind sie übrigens die einzigen Primaten, die konsequent keine Pflanzen fressen.
Mehr Irres über Koboldmakis:
Wer die Tierchen übrigens so süß findet, dass er sie als Haustier halten will: Bitte nicht! Das stresst Koboldmakis richtig. So sehr, dass sie sich umbringen: Sie sollen Nahrung verweigern und mit dem Kopf gegen die Gitterstäbe schlagen, bis sie sterben (Welt).
Junge Elysia chlorotica-Larven haben eine Leibspeise und das sind gelbgrüne Algen. Kurz nach dem Schlüpfen, wenn die kleinen Schnecken noch Larven sind, stopfen sie sich damit voll.
Gut, halt eine Meeresschnecke, die Algen frisst – klingt erstmal nicht so spektakulär. Pah, denkst du!
Aber die Elysia chlorotica verdaut die Algen nicht komplett, sondern baut sie in ihre eigenen Körperzellen ein. Je mehr die Schnecke frisst, desto grüner wird sie – bis sie irgendwann aussieht wie ein Blatt.
Superschlau, weil sich das Tier so perfekt tarnt. Das war's aber noch nicht, die Verwandlung hat einen noch genialeren Hintergrund:
Hat die Schnecke so viel gegessen, dass sie grün wird, fällt sie in einen vegetativen Zustand und braucht sich monatelang nicht mehr um Nahrung sorgen. Die eingebauten Algenzellen betreiben Photosynthese – das ist der Prozess, mit dem Pflanzen in ihren Zellen Licht in Energie umwandeln.
Soll heißen: Die Schnecke gönnt sich erst richtig, fällt dann ins Fresskoma und kann währenddessen faul in der Sonne liegen, ohne zu verhungern. Was ein Leben!
Eigentlich dachten wir, dieser Beitrag wäre absoluter Cuteness-Overkill. Denn die Stars im Wilde-Kreaturen-Blogs sind heute: Wombats!
Seit wir uns aber genauer mit den Sex-Praktiken der Tiere beschäftigt haben, sind wir uns des Niedlichkeitsfaktors nicht mehr so sicher.
Genauer gesagt geht es hier um die Südlichen Haarnasenwombats. Gerade erst haben Forscher nämlich herausgefunden, dass Lasiorhinus latifrons-Weibchen in ihrer fruchtbaren Phase ein besonderes Paarungsgehabe an den Tag legen. Die eigentlich eher bewegungsfaulen Tiere spazieren dann besonders viel herum, was manchmal sogar in einem Wettrennen mit ihren Angebeteten eskaliert.
Außerdem pinkeln sie aus irgendeinem Grund weniger und beißen Männchen demonstrativ in den Po, um zu zeigen, dass sie fruchtbar sind. (ABC)
So kuschelig die entfernten Verwandten der Koalas auch aussehen: Generell hat Wombatsex nicht viel mit Zärtlichkeit zu tun, sondern gleicht eher einer Prügelei. Während des Akts kassieren beide Seiten ordentlich Schläge, die Weibchen treten den Männchen auch gern mal ins Gesicht.
Während Gewalt beim Sex in der Tierwelt häufiger vorkommt, haben Wombats eine weitere Eigenschaft, die sie ziemlich einzigartig macht: Sie kötteln Würfel. Das sieht dann so aus:
Der Grund für die außergewöhnliche Form: Wombats nutzen ihre Ausscheidungen, um ihr Revier abzugrenzen. Die Würfelform ermöglicht, die Haufen auf Felsbrocken oder Baumstämmen zu platzieren, ohne dass sie gleich wieder herunterrollen (Spektrum). Einen eckigen After haben sie übrigens nicht. Die Kubus-Kacke wird schon im Darm zurechtgepresst.
Erst neulich hatte eine Teilnehmerin von Germany's Next Topmodel einen Nervenzusammenbruch, weil sie mit einer Ratte auf ihrer Schulter über den Laufsteg laufen sollte. Hauptgrund für den Ausraster war der lange Schwanz, der erinnerte sie an einen Wurm.
Dieser Vergleich ist eine Unverschämtheit, denn der Rattenschwanz ist ein Wunderwerk der Natur und überhaupt nicht nackt und glibbrig wie ein Wurm. Er ist höchstens haarig und schuppig und das aus sehr gutem Grund: Diese Beschaffenheit macht ihn zum Orientierungsgerät und Temperaturregler.
Schön, vielleicht findest du Meerschweinchen viel süßer, aber hast du schon mal eins über ein Seil balancieren lassen? Info vorab: Fällt runter. Passiert der Ratte nicht, denn ihr Schwanz hält optimal das Gleichgewicht (planet wissen).
Das war noch nicht alles zur Coolness der Ratte. Die in Clans lebenden Tiere sind sehr fürsorglich und sozial:
Die in Deutschland verbreitete Wanderratte – Rattus norvegicus – lebt vor allem in der Kanalisation. Deshalb kann es tatsächlich vorkommen, dass man den Klodeckel hochklappt und einer Ratte in die Augen schaut. Der Horror für Rattenphobiker, aber dahinter steckt wieder was ziemlich cooles:
Wer also Essen ins Klo kippt, lockt sie an. Selbst schuld. Sie verfolgen mit ihren hervorragenden Nasen die Nahrung bis zur Quelle zurück.
Wenn du jetzt immer noch Ratten vergiften willst: Viel Spaß! Dagegen haben sich die Tiere vorbereitet. Einige sind inzwischen immun gegen einschlägige Gifte. Und wenn doch mal eine stirbt, warnt sie im Sterben noch ihre Kollegen vor dem Köder. Heldenhaft!
Dürfen wir vorstellen: Colobopsis explodens.
Als erst neu entdeckte Ameisenart ist sie frisch im Business der irren Kreaturen. Sie ist nicht einfach nur eine weitere Ameisenart. Sie hat eine Fähigkeit, die sie zum Star eines jeden Action-Films machen würden – bei krasser Gefahr durch Feinde opfert sie sich schon mal selbst.
Die Kamikaze-Ameise, wie sie auf Deutsch heißt, explodiert nämlich, während sie eine klebrige, giftige Flüssigkeit ausstößt, um einen Feind abzuwehren. Durch die Explosion des Unterleibs wird ein giftiges Sekret frei. Der Feind wird dadurch ferngehalten oder sogar aus der Entfernung getötet – aber auch die Ameise selbst stirbt bei dem Vorgang.
(hd/afp)
Das ist Elusor macrurus. Was aussieht wie ein grüner Iro, ist eigentlich ein Algentoupé. Echte Haare hat die Schildkröte nicht. Dafür kann sie durch ihre Genitalien atmen. Ja, richtig gelesen. Mit diesem Trick muss sie drei Tage nicht an die Wasseroberfläche.
Die Schildkröte bekam vor kurzem viel Aufmerksamkeit. Die Zoologische Gesellschaft von London schlug Alarm, weil das Tier stark bedroht ist.
(sg)
Vielleicht hast du schon von ihm gehört. Der Nacktmull war das Testimonial für viele Memes. Gemein: Dauernd wird er ausgelacht für sein Aussehen – und ja, er mag auch an einen Penis mit großen Schneidezähnen erinnern. Hinter der faltigen Fassade steckt aber viel mehr.
Unglaubliche Fakten über den Nacktmull:
(sg)
Okay, unsere ersten drei Einträge hier sind alle irgendwie mit Genitalien-Content. Sorry. Der lateinische Name der Titanenwurz lautet nämlich Amorphophallus titanum, was grob mit "unförmiger Riesenpenis" übersetzt werden kann.
Das ist noch nicht das Ungewöhnlichste an dieser Pflanze. In ihrer Blütezeit, die nur alle paar Jahre stattfindet und dann nur wenige Tage dauert, verströmt die Titanenwurz einen unausstehlichen Geruch. Zumindest für Menschen.
Sie stinkt bestialisch nach Aas und Verwesung und lockt damit Insekten an. Die Tiere kriechen in die Blüte, im Glauben, dort einen Kadaver oder eine Leiche zu finden. In totem Fleisch legen sie normalerweise ihre Eier ab. Gut für die Titanenwurz: So werden ihre Blüten bestäubt. Schlecht für die Insekten: Ihre Larven verhungern in der Blüte (Botanischer Garten Berlin).
(sg)