Darauf ein Kraneberger! Angst vor Mikroplastik im Trinkwasser ist Quatsch, sagen Forscher

Mikroplastik ist eins DER Reizthemen unserer Zeit. Bis in die Arktis und die Tiefsee haben sich die Partikel inzwischen verschleppt. Zahlreiche Kosmetikprodukte tragen dazu bei, dass immer mehr davon im Wasser landet. Und auch größere Müllteile leisten ihren Beitrag: Landet etwa eine Plastikflasche im Meer, bröckelt sie unter Sonneneinwirkung Stück für Stück auseinander, bis ihre Fitzel zum Meeresboden rieseln, wo sie dann Jahrhunderte lang verbleiben.

Wer sich auch vor Mikroplastik im Trinkwasser fürchtet, den wollen Forscher aus Berlin nun beruhigen. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk sagen die Wissenschaftler: US-amerikanische Studien, die Plastikpartikel im Trinkwasser gefunden haben wollen, haben falsche Messmethoden benutzt und deshalb fehlerhafte Ergebnisse hervorgebracht.

Guck dir das Debakel an:

"Diese früheren Studien sind alle falsch aus unserer Sicht, weil sie nur das reine Lichtmikroskop verwendet haben, um die Partikel zu identifizieren. Und das ist hochproblematisch. Bei Vergleichsuntersuchungen zum Beispiel vom Alfred-Wegener-Institut stellte sich heraus, dass mit dem Lichtmikroskop um den Faktor 60 bis 100 mehr Teilchen als Plastik identifiziert wurden, obwohl es gar kein Plastik war."

Martin Jenkel, Professor für Wasserreinhaltung an der TU Berlin  deutschlandfunk

Was haben die Berliner Forscher anders gemacht?

Sie haben Trinkwasser-Proben mit der Raman-Spektroskopie untersucht. Das ist ein Messmethode, bei der ein Laser zum Einsatz kommt. Außerdem haben sie die Proben in Boxen untersucht, in die nur gefilterte Luft gelangte – um zu verhindern, dass Partikel von außen die Proben verunreinigten.

Zwar fanden die Forscher immer noch geringe Mengen Mikroplastik im Wasser, aber die Konzentrationen seien "extrem niedrig" gewesen. Laut Martin Jekel liege dies im Bereich der Blindwerte, die man in jeder Probe hätte. Plastikteilchen seien heute eben allgegenwärtig – etwa in Laborapparaturen und -materialien. Grundsätzlich gelte:

"Trinkwasser muss immer frei sein von Feststoffen. Zu Feststoffen gehören auch Bakterien, Viren und so weiter."

Martin Jekel deutschlandfunk

Eine gute Wasseraufbereitung entferne praktisch alle Feststoffe komplett. Eine großangelegte Analyse von deutschen Trinkwasser-Proben steht noch aus. Das Team um Jekel rechnet allerdings mit keinen kritischen Befunden.

(sg)

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