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Interview

Streamerin Farbenfuchs über ihre Cosplay-Liebe und Frauen in der Gaming-Szene

Der Charakter Siri der Serie "The Witcher" ist die Lieblings-Cosplayfigur der Streamerin Farbenfuchs.
Der Charakter Siri der Serie "The Witcher" ist die Lieblings-Cosplayfigur der Streamerin Farbenfuchs. bild: shattered light photography
Interview

Streamerin Farbenfuchs über ihre Cosplay-Liebe und Frauen in der Gaming-Szene

26.10.2023, 16:45
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Über 100.000 Fans hat die Streamerin Farbenfuchs auf Twitch. Ob ihre Follower:innen sie aber im echten Leben erkennen würden, ist fraglich: Denn die 31-Jährige sieht ab und zu auch mal aus wie Siri ("The Witcher") oder Ahri ("League of Legends").

Watson hat mit der Streamerin Farbenfuchs über ihre große Leidenschaft gesprochen: Das sind, neben ihrem Motorrad, ihre zahlreichen Cosplay-Kostüme. Auch bei der diesjährigen Gaming- und Cosplay-Messe Polaris war Farbenfuchs vor Ort.

Was ist Cosplay?
Cosplay ist eine in Japan geprägte Fanpraxis. Dabei stellen die Teilnehmer:innen eine Figur aus einem Manga, Anime, Film oder Videospiel durch ein Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar.

Watson: Wie kam es dazu, dass du Twitch-Streamerin wurdest?

Farbenfuchs: Es war vor acht Jahren, da war ich schon ein paar Jahre länger beim Cosplay. Da sah ich auf der Spiele-Messe Gamescom diese ganzen schönen League of Legends Cosplayer:innen. Und ich dachte: "Wow, das muss ich auch mal ausprobieren" und habe das Spiel angefangen und Kostüme daraus gemacht. Im nächsten Jahr haben mich die Leute dann gefragt: "Hey, du machst ja "League of Legends"-Kostüme, spielst du das selbst? Kannst du das mal streamen?" Erst wollte ich nicht, weil ich es nur privat spielte, aber die haben so lange genervt, dass ich ja gesagt habe. Und dann habe ich angefangen mit dem Stream.

Also warst du bereits vor dem Gaming in der Cosplay-Szene. Was sind deine Lieblings-Cosplay-Charaktere?

Tatsächlich Siri aus der Serie "The Witcher". Das Thema habe ich vor sechs Jahren zur Gamescom 2017 fertiggestellt. Ich hatte damals im Bachelor eine Klausurenphase und habe immer von zwölf bis 24 Uhr für die Klausuren gelernt und von 24 bis fünf Uhr morgens an dem Kostüm gesessen. Es war viel zu tun. Ich bin immer noch sehr stolz drauf und fühle mich immer noch am wohlsten, wenn ich sie trage.

Hier ist Farbenfuchs die Figur Ahri aus dem Videospiel "League of Legends".
Hier ist Farbenfuchs die Figur Ahri aus dem Videospiel "League of Legends".bild: shattered light photography

Wie lange dauert es, so ein Kostüm herzustellen?

Das kommt immer darauf an. Umso mehr Details ein Cosplay-Kostüm hat, umso länger dauert es auch. Es gibt ja auch riesige Rüstungen – da kann man auch mal Monate dafür brauchen. Einige brauchen auch Jahre. Wenn ich jetzt von "League of Legends" einen Charakter mache, der nicht ganz so viele Details hat, aber schon vom Outfit her sehr schön aussieht, kann ich das in zwei Wochen schaffen. Zumindest, wenn ich alles andere stehen und liegen lasse und in diesen zwei Wochen nur für das Kostüm existiere.

"Als ich noch in der Schule war, war der Wunsch eher: Ich möchte auch mal so cool aussehen wie eine Figur aus meinem Lieblings-Anime."

Und hast du dir das alles selbst beigebracht, auch das Nähen?

Ja, genau. Ich habe damals mit meiner besten Schulfreundin angefangen. Sie hatte vier Wochen früher als ich eine Nähmaschine und hat ihre Mutter gefragt. Und ich habe dann wiederum immer sie gefragt und so haben wir uns das gegenseitig beigebracht. Wir haben auch damals schon viele Youtube-Tutorials geschaut, auch wenn die damals noch gar nicht so Cosplay-bezogen waren. So hat man dann über die Zeit immer mehr herausgefunden.

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Wie viele Kostüme hast du so inzwischen gemacht?

Es ist schwierig zu sagen. Vor ein paar Jahren habe ich immer 30 gesagt, aber es kann eigentlich nicht mehr sein. Vielleicht 40 oder 50? Ich habe aufgehört, zu zählen. Ich habe nicht alle Kostüme selber gemacht, ein paar sind auch gekauft. Es ist eine schöne Mischung, denn dann kann man auch mal zwischendurch Charaktere tragen, für die man keine Zeit hat, sie selber zu machen. Auch vom Preisleistungsverhältnis gibt es heutzutage sehr viele Kostüme, die man sich sehr gut im Internet bestellen kann.

Aber es ist schon so ein bisschen wie Fasching, nur im Gaming Bereich?

Fasching ist ein Wort, das ich nicht so gerne mit Cosplay assoziiere, weil das ein bisschen negativ konnotiert ist oder Leute vielleicht an das typische Karnevals-Trinken denken. Im Cosplay ist es auch sehr bunt, aber die Leute lieben dieses Hobby wirklich und geben sich verdammt viel Mühe. Einige Leute stecken wirklich tausende Euro in ihre Cosplays.

Farbenfuchs macht gerade ihren Master in Psychologie.
Farbenfuchs macht gerade ihren Master in Psychologie.bild: emkay

Versucht man beim Cosplay auch den Charakter der Figur anzunehmen?

Eher weniger. Dafür gibt es ja noch mal LARP, also Live Action Roleplay, wo man wirklich eine Figur charaktergetreu umsetzen möchte. Da gibt es auch verschiedene Verkleidungen, die die Leute selber machen und sich vorher einen Charakter zurechtlegen, den sie dann auch wirklich spielen, solange sie das Kostüm tragen.

Teilweise gibt es da richtig coole Wochenend-Partys, aber das hab ich noch nicht gemacht. Cosplay ist in den meisten Fällen nicht ganz so charaktergetreu im Verhalten. Also wenn ich mich ein bisschen "in character" verhalte, so nennt man das, dann vielleicht eher für Fotos oder weil mein Make-up so krass ist, dass ich meine Mimik nicht verziehen kann. Man hat vielleicht die Tendenz, so ein bisschen in dieser Rolle zu sein. Aber ich bin am Ende ein eigener Mensch und das kommt auch immer durch.

"Es gibt auch Dinge, wo man wirklich schauen sollte, dass man vielleicht noch ein Stück seines Lebens für sich behält."

Was fasziniert dich so persönlich dran, ein Cosplay zu machen?

Als ich noch in der Schule war, war der Wunsch eher: Ich möchte auch mal so cool aussehen wie eine Figur aus meinem Lieblings-Anime. Meine erste Veranstaltung mit Cosplayern war der "Japan Tag" 2010 in Düsseldorf, da habe ich so eine richtig coole "One-Piece-Gruppe" gesehen. Und ich war so: "So cool wie die will ich auch mal werden!" Ich habe alles dafür gegeben, das umzusetzen in den nächsten Monaten und Jahren und habe dann Ende 2010 mein erstes Kostüm hergestellt.

Welche Figur aus "One Piece" war es denn?

Das erste Kostüm war tatsächlich aus einem Spiel, danach wurde es dann aber Rika aus dem Kinofilm Digimon drei und es kamen noch ganz viele Anime-Kostüme dazu, bis es 2014 durch League of Legends mehr in diese Gaming-Schiene ging. Das, was mich am meisten an Cosplay interessiert, ist tatsächlich die Kreativität dahinter. Dass man so wahnsinnig viele facettenreiche Skills über die Jahre entwickeln kann, wie beispielsweise Make-up und Perückenstyling. Auch das Tragen auf den Messen zusammen mit Freunden macht natürlich super viel Spaß. Ich habe so viele Menschen dadurch kennengelernt.

Wie ist es denn so als Frau im Gaming-Bereich, der doch sehr männerdominiert ist?

Unterm Strich ist es immer noch männerdominiert. Aber ich glaube, es wird immer besser. Ich hoffe es. Ich höre immer noch von vielen anderen Freundinnen von mir, dass sie oft in Games beleidigt werden. Aber dadurch, dass ich nicht ganz so hochkarätig spiele, sondern meistens privat mit meinen Freunden, kriege ich das persönlich nicht ganz so mit. Aber von Freunden höre ich das sehr häufig.

Du streamst aus deinen privaten Räumen, erzählst Fremden aus deinem Leben. Wie sehr muss man aufpassen, nicht zu viel preiszugeben?

Es ist eine gute Mischung. Man versucht schon auf der einen Seite, nahbar zu sein. Auch, weil ich wirklich gern authentisch sein möchte. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Grenzen – und die sollte man einhalten. Da habe ich in den letzten Jahren viel gelernt: Jeder hat seine eigenen Grenzen und kann auch selber entscheiden, wie man damit umgehen möchte.

Es gibt ein paar Faktoren, da sollte man vorsichtig sein, zum Beispiel, was den Wohnort angeht. Ich habe jetzt gesagt, dass ich nach Hamburg gezogen bin, aber ich würde nicht sagen, in welchen Stadtteil, denn es gibt Leute, die das vielleicht gegen dich verwenden. Das ist manchmal echt uncool. Es gibt auch Dinge, wo man wirklich schauen sollte, dass man vielleicht noch ein Stück seines Lebens für sich behält.

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