"Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf", sagte Philosoph Thomas Hobbes im 16. Jahrhundert. Er sei ein egoistisches Wesen, dessen destruktive Seite durch eine dünne Schicht aus Kultur und Zivilisation abgeschirmt wird. Um die aufzubrechen, braucht es offensichtlich nicht viel, wie Mallorca-Urlauber:innen leidenschaftlich belegen.
Da wäre etwa der Sauftourismus, das Verreisen mit dem Exzess als erklärtes Ziel. Schon klar, dass Urlauber:innen unter der Prämisse kaum Lust haben, Rücksicht auf Anwohner:innen zu nehmen. Manchmal ist aber auch kein Pegel nötig, um ordentlich zu nerven.
So beschweren sich derzeit Einwohner:innen aus dem kleinen mallorquinischen Dorf Algaida über Tourist:innen, die seit Sommerbeginn mit Buggys und Quads über die Straßen preschen. "Wir mögen die Ruhe unseres Dorfes", sagt Bürgermeisterin Francessca Salvá zu "Ultima Hora". "Aber die mit hoher Geschwindigkeit vorbeifahrenden Buggys und Quads stören das Wohlbefinden."
Um 15 Uhr ist eigentlich Siesta, doch knatternde Motoren und, vermutlich, grölende und wuhuende Tourist:innen stören regelmäßig die Ruhezeit. Zudem würden sie, so Salvá, den "Fußgängerüberweg nicht respektieren, da sie nie anhalten". Da die Zahl der Kinder in dem Dorf zugenommen habe, "fürchtet man auch um ihre Sicherheit".
Sie selbst könne da wenig tun. Es gibt ein Zuständigkeitsproblem. Straßen zwischen dem Dorf kann sie nicht sperren, da seien ihr die Hände gebunden, weil sie dafür nicht verantwortlich sei. Mit Geschwindigkeitsregulierungen wird es ebenfalls schwierig.
Rafel Oliver, der Stadtrat, der in der Opposition im Stadtrat von Algaida ist, empfiehlt hingegen Schalldämpfer, um zumindest den Lärmpegel zu senken. Das solle Salvá bei der Generaldirektion für Verkehr vorschlagen.
Buggy- und Quad-Ausflüge müssten deshalb "noch strenger reguliert werden". Jetzt ist es nicht unbedingt das Dorf, welches die Tourist:innen anzieht. Vielmehr ist es eine Durchgangsstation Richtung Kloster Cura. Das ist auf einem Berg gelegen, von dem sich die ganze Insel überblicken lässt.
Und für diesen Ausblick das Bisschen einzureißen, das uns angeblich vor destruktiven Handlungen abhält, nun, da dürfte man sich schon fragen, ob es das wirklich wert ist. Zumal es wahrscheinlich noch andere Wege auf diesen Berg gibt.