Unsere Gastautorin setzt eigentlich auf Gemüse, doch jetzt greift sie im Supermarkt nach veganen Ersatzprodukten.
Unsere Gastautorin setzt eigentlich auf Gemüse, doch jetzt greift sie im Supermarkt nach veganen Ersatzprodukten.Bild: iStockphoto / paulaphoto

Vegane Ersatzprodukte – Hit oder Shit? Wie ich mich an fertige Alternativen wagte

21.03.2022, 15:10

"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben

Theresa Schwab
Theresa Schwab
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Heute ist eine Premiere in meinem Leben als Veganerin, denn ich habe zum ersten Mal veganen Käse gekauft. Außerdem veganes Hack, eine Sahne auf Pflanzenbasis sowie vegane Butter. Den Aufdruck "veganer Block" auf der Verpackung, die einer klassischen Butter ähnelt, verstehe ich jedoch nicht, denn ist vegane Butter nicht das gleiche wie Margarine? Darunter steht dann auch in etwas kleinerer Schrift: Pflanzenmargarine.

Warum dieser Einkauf in einer Bio-Supermarktkette? Bisher habe ich Ersatzprodukte bewusst gemieden, da ich es komisch fand, Hackfleisch zu ersetzen. Das kam mir so vor, als würde ich es vermissen, und müsste versuchen, den Geschmack zu 100 Prozent zu ersetzen. War aber meistens nicht der Fall, da ich gut gewürzte oder innovativ verarbeitete Gemüse-Alternativen viel leckerer fand.

Auf dem Speiseplan steht vegane Lasagne

Doch jetzt möchte ich ein Experiment wagen: ein selbst zubereitetes veganes Gericht mit Zutaten aus dem Supermarkt – eine klassische Lasagne. Nur dass ich dieses Mal keine käseartige Masse aus Cashewnüssen herstelle, sondern voll und ganz auf all die Ersatzprodukte setze, die ich immer häufiger in Supermarktregalen entdecke. Scheinbar gibt es genug Nachfrage und somit genug Menschen, die täglich damit kochen.

Über die Autorin
As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

Ich suche mir ein Rezept aus dem Netz. Für die Bolognese-Sauce benötige ich 500g Veggie Hack. Die Auswahl im Supermarkt ist groß. Ich entscheide mich für eine Mischung aus "Bio Sonnenblumen Hack" von Planet V und "Vegan Bio-Gehacktes" von Pro LaTerre auf Basis von Sojabohnen. Außerdem ersetze ich einen Teil der Hackmenge durch klein gewürfelte Champignons, ein Tipp am Ende des Rezepts.

Ich erhitze jedes einzeln davon und probiere. Das Sonnenblumenhack schmeckt etwas eigen, ähnlich wie Sonnenblumenöl. Doch die Zutaten, größtenteils bestehend aus 26 Prozent Sonnenblumenkernen und Sonnenblumenöl, überzeugen mich.

Nun das Soja-Hack: Der Geschmack ist viel neutraler, ähnlich wie Naturtofu. Die Zutaten? Neben 58 Prozent Sojabohnen fallen mir noch Karamel und Lab (Calciumsulfat, Calciumchlorid) auf. Als Letztes brate ich die Champignons an. Geruch und Geschmack übertreffen beide Hack-Varianten, doch ich muss zugeben: Am Ende sind es genau die beiden Hack-Alternativen, die an die typisch körnige Konsistenz einer Bolognese-Sauce erinnern.

"Am Ende sind es genau die beiden Hack-Alternativen, die an die typisch körnige Konsistenz einer Bolognese-Sauce erinnern."

Als Nächstes mache ich mich an die Béchamelsauce, die später abwechselnd mit der Bolognese und den Lasagne-Platten in eine Auflaufform geschichtet wird. Hierfür benötige ich 30g vegane Butter, 30g Mehl und 500ml Sojamilch. Ich frage mich kurz, weshalb ich für 1,79 Euro eine "vegane Butter" gekauft habe, wenn ich auch die klassische Rama Margarine hätte nehmen können, denn beide enthalten 60g Fett pro 100g?

Die Inhaltsstoffe geben zumindest etwas Aufschluss: Mein "Bio veganer Block" von Land Krone ist ohne Palmöl, darauf hatte ich geachtet. Bei Rama ist das nicht der Fall. Außerdem sind bei mir keine Citronensäure und keine Konservierungsstoffe enthalten.

Ich erhitze also die Pflanzenbutter, rühre Mehl hinein und füge etwas später die Sojamilch hinzu. Hier hatte ich mich für zwei Mini-Tetrapacks "Cuisine Soya" von Provamel entschieden, da extra "Zum Kochen" dabei stand. Der Aufdruck "Europäisches Soja" hatte mich ebenso überzeugt.

"Am Ende sieht die Sauce zwar schön eingedickt und cremig aus, schmeckt jedoch nach nichts."

Neben Sojabohnen, Sonnenblumenöl und Reis sind außerdem der Stabilisator Guarkernmehl und der Emulgator Lecithin enthalten. Ich benötige zwei Packungen der zu 17 Prozent fettigen "Sojasahne" (oder war doch ein wässrigerer Sojadrink gemeint?). Am Ende sieht die Sauce zwar schön eingedickt und cremig aus, schmeckt jedoch nach nichts. Ich benötige zu viel Salz und Pfeffer, um überhaupt einen Geschmack zu kreieren.

Die Käse-Alternative überzeugt

Nachdem die Auflaufform gefüllt ist, kommt endlich der große Vegane-Käse-Moment. Ich habe geriebenen Käse sowie einen Vegan-Parmesan besorgt. Natürlich muss ich beides roh probieren. Der "Veggi Filata" besteht hauptsächlich aus Lupinenmehl, Kokosöl und Kartoffelstärke – und schmeckt ungewohnt. Zwar würzig, aber nicht nach Käse. Der Parmesan "GrattaVeg" von Bio Vegeatal fällt positiv auf, weil er sich problemlos reiben lässt. Aber das sollte nicht das entscheidende Kriterium sein. An den nussigen Geschmack auf roter Linsenbasis könnte ich mich gewöhnen.

Nach 45 Minuten hole ich die Lasagne aus dem Ofen. Das Beste ist die Bolognese-Schicht, die neben der Sauce noch klein gehackte Karotten, Zwiebeln und Stangensellerie enthält. Ich stelle fest: Soja- oder Sonnenblumenhack benötige ich nicht für den Geschmack, lediglich fürs Gefühl. Denn hätte ich zu 100 % Pilze verwendet, wäre die Masse sicher weicher geworden. Für die Béchamelsauce hätte es auch nur eine Packung statt zwei Soja-Sahnen getan. Oder eine etwas weniger fette Variante. Doch ich merke mir, dass der überraschend neutrale Geschmack theoretisch eine gute Alternative für Sahne sein kann.

"Die vermeintliche Käseschicht ist so knusprig und fest, dass mein Sohn begeistert nach noch mehr 'Käse-Stücken' verlangt."

Und dann die Käseschicht: An den typischen Geschmack von gebackenem Käse kommt meine alternative Kombi nicht heran. Trotzdem schmeckt es im Gesamtpaket so gut, dass ich beide Sorten jederzeit wieder verwenden würde. Die vermeintliche Käseschicht ist so knusprig und fest, dass mein Sohn begeistert nach noch mehr "Käse-Stücken" verlangt. Ihm ist nichts aufgefallen und das soll etwas heißen, denn alles Unbekannte wird meistens verschmäht.

Mein persönliches Fazit

Ich würde weiterhin versuchen, so gut es geht auf Alternativen zu verzichten, vor allem dann, wenn sie zu viele Inhaltsstoffe enthalten oder Palmöl im Spiel ist. Letztens habe ich eine Bolognese-Sauce auf Basis roter Beete-Würfel und Linsen gekocht – und ich habe jegliches Veggie-Hack keine Sekunde vermisst. Doch manchmal fehlt die Zeit oder die Konsistenz soll fürs "Kaugefühl" eben möglichst authentisch nachempfunden sein, dann würde ich guten Gewissens auf ausgewählte Ersatzprodukte zurückgreifen.

Doch veganer Käse auf dem Brot? Niemals! Dann würde ich lieber auf Käse verzichten oder eben ab und zu eine der unglaublich leckeren und ausgefallenen Sorten an der Käsetheke meines Bioladens kaufen.

Restaurant statt Küche: Nächstes Mal wechsele ich die Seite und schreibe über meine vegane Fine Dining-Erfahrung. Ich hoffe auf viele Inspirationen, Überraschungsmomente und eine Antwort, ob die Köche ohne Ersatzprodukte auskommen werden!

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