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Zum Abschluss ihrer Kolumne gibt unsere Autorin Tipps, wie der vegane Alltag auch in stressigen Zeiten funktioniert.Bild: blickwinkel / R. Schoenenberg
Gesundheit & Psyche

Fünf Tipps für ein veganes Leben ohne Stress

As vegan as possible – das beschreibt unsere Autorin am besten. In ihrer Vegan-Kolumne berichtet sie über ihre persönlichen Erfahrungen – über positive Erkenntnisse, über Anstrengung und übers Scheitern ihres nicht-tierischen Lebensstils
04.09.2022, 12:25
Theresa Schwab
Theresa Schwab
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Seit November 2020 berichte ich in dieser Kolumne über meine Erfahrungen als Veganerin – über Erfolge, Versuche und das gelegentliche Scheitern. Ich ergründete, warum wir Hunde nie essen würden, suchte nach dem perfekten Milchersatz für meinen Kaffee, testete zum ersten Mal vegane Ersatzprodukte und gab mich beim weihnachtlichen Festtagsbraten geschlagen.

Heute schreibe ich meinen letzten Text. Deshalb möchte ich euch fünf Punkte mit auf den Weg geben, die mir geholfen haben, möglichst entspannt durch den veganen Alltag zu kommen.

1. Plane voraus: Vorkochen, einfrieren, (etwas) bunkern

Ja, ich träume noch immer von einem veganen Privatkoch. Leider muss ich aktuell ohne ihn auskommen. Also fragte ich mich, in welchen Momenten ich von vegan auf vegetarisch umstelle.

Das Ergebnis: Wenn Stress auf Zeitmangel trifft.

Ich habe Hunger und die Kinder müssten längst im Bett sein? Schnell ein Butterbrot schmieren und eine Scheibe Käse draufpacken. Morgens ist es besonders stressig, weil wir zu spät aufgestanden sind und uns die Zeit im Nacken sitzt? Ich greife zum Naturjoghurt-Becher des Sohnes und kippe etwas Müsli darüber, statt mir einen Hirsebrei zu kochen.

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Vorbereitung ist das A und O: Vegane Snacks wie Trockenfrüchte können helfen.Bild: getty images / from_my_point_of_view

Inzwischen weiß ich: Schon ein klitzekleines bisschen Vorarbeit kann im vollgepackten Alltag helfen. Und so besitze ich ein Regalfach mit typischen Vegan-Basics, die ich immer vorrätig habe: Nussmus, Trockenfrüchte (Datteln, Feigen, Aprikosen), verschiedene Nuss- und Getreide-Drinks, Nüsse, Samen, Kerne, Tahin, Kokosnussfett, Kichererbsen, Amaranth, Quinoa, Getreideflocken, Hirse, Riegel und Flocken, die sich mit etwas kochendem Wasser in Sekunden in ein Frühstück verwandeln lassen.

In luftdichte Gläser abgefüllt, ist auch immer direkt sichtbar, was nachgekauft werden muss. Im Kühlschrank habe ich abgepackten Tofu und Tempeh auf Vorrat, die ein paar Wochen haltbar sind.

Nächster Lernprozess:

"Das Thema Vorkochen habe ich lange ignoriert. Inzwischen koche ich einfach doppelte Portionen und hebe einen Teil für den nächsten Tag auf – oder friere ihn ein."

Meine Gefriertruhe füllt sich so langsam mit kleinen Portionen von selbstgemachtem Hummus über Linsen bis hin zu gekochtem Gemüse und Beeren. Einfach abends oder morgens auftauen und der Tag ist gerettet.

2. Suche dir Mitstreiter (zur Not virtuell)

Manchmal fühle ich mich wie ein Sonderling: Ich gegen den Rest. Mag daran liegen, dass ich in einer Kleinstadt wohne, in der es kein einziges veganes Restaurant gibt, da es hier kaum Nachfrage danach gibt.

Würde ich stattdessen in Berlin leben, wo sich vegane Restaurants aneinanderreihen und die Vegan-Community akzeptiert ist, wäre es sicher einfacher. Ebenso, wenn mein Freundeskreis vegan leben würde und wir uns mit Rezepten versorgen, in entsprechenden Restaurants treffen oder uns mit pflanzlich basierten Lebensmitteln bekochen würden.

Der Austausch über neue Studien, kreative Rezeptideen, vegane Onlineshops, neu erschienene Produkte, persönliche Favoriten, Lieblingsbücher genauso wie das Teilen des Struggles hilft, dass eine Lebensweise leichter fällt und Spaß macht.

Also habe ich mir virtuelle Weggefährten gesucht, die mich darin bekräftigen und mich daran erinnern, warum ich diesen Weg gewählt habe – und die mich mit News, Fakten, Rezepten und Produktneuerscheinungen versorgen. Auf Instagram folge ich Bloggern, Influencern, News-Seiten, Tierschutzorganisationen und veganen Stadtmagazinen in meiner Nähe.

Verbündet euch und holt euch Unterstützung – egal wie!

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Über die Autorin
As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

3. Sei informiert (um jederzeit Contra geben zu können)

Was mich wirklich stresst? Wenn mir Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte Sätze hinwerfen, die unter Nicht-Veganern weit verbreitete Vorstellungen enthalten.

Dabei geht es meist nicht um moralische oder ökologische, sondern um gesundheitliche Aspekte: Klischeehafte Behauptungen wie "Ohne Kuhmilch bekommst du einen Kalzium-Mangel" oder "Der Mensch war schon immer ein Allesesser".

Genauso gibt es auch auf der veganen Seite plakative Zahlen und Schlagzeilen, bei denen man differenzieren muss. Daher sind wissenschaftliche Studien und nachgewiesene Fakten die einzige Lösung, um haltlose Diskussionen schnell und präzise zu entkräften.

Genau aus diesem Grund bin ich ein Fan der Bücher des Ernährungswissenschaftlers Niko Rittenau. Wer sich wirklich mit Nährstoffen und dem menschlichen Körper auseinandersetzt, versteht, unter welchen Bedingungen eine vegane Ernährung funktioniert – und gesünder ist.

4. Gönn dir, wenn du kannst

Manchmal überlege ich, wieviel Geld ich spare, weil ich auf teures Fleisch vom Bio-Metzger aus eigener Schlachtung verzichte. Und schon fällt es mir leichter, eine weitere hochpreisige Packung veganer Almond Cookie Dough-Riegel zu bestellen, die mich dank Datteln, Mandeln, Haferflocken und Zartbitterschokolade durch jedes Nachmittagstief tragen – und extrem lecker sind.

Seit ich mich vegan ernähre, nehme ich das Thema Essen viel bewusster wahr. Nicht als ein nötiges Hungerstillen, sondern als etwas, das großes Glück bereiten kann, wenn unerwartete Geschmacksexplosionen auftreten.

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Vegane Ernährung ist eine Bereicherung – vor allem, wenn man sich tolle Bowls gönnen kann.Bild: imago images / cavan images

Ich habe das Gefühl, meinem Körper etwas Gutes zu tun und bin daher bereit, in ihn zu investieren – so wie ich Geld in langlebige Designer-Mode oder Möbel-Klassiker stecke. Ich kaufe mir diverse Toppings, um mein Müsli zu verfeinern. Auf meinem Schreibtisch stehen mit Rosmarin und Thymian verfeinerte Cashewkerne.

Und wenn ich in die nächstgelegene Metropole komme, nutze ich jede Gelegenheit, um vegane Kuchen, Salate oder Bowls auszuprobieren. Ich lasse mich, so oft es geht, von neuen Gerichten inspirieren und genieße es, kreativ bekocht zu werden. Denn so wird eine vegane Ernährung nicht zum Verzicht, sondern zu einer Bereicherung.

5. Akzeptiere Ausnahmesituationen

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass ich immer wieder unterschiedliche Ernährungs-Phasen durchlaufe: Nach meinen beiden Geburten lief es meist schlecht, weil ich jedes Essen dankend annahm, das mir gekocht wurde. Meine Energie benötigte ich für anderes als dafür, zu diskutieren, ob Hühnerbrühe im Wochenbett nun dringend notwendig sei oder nicht.

Heute halte ich es so, dass ich bei Einladungen das esse, was mir serviert wird – in den meisten Fällen eine vegetarische Option.

So sehr ich von einem veganen Leben überzeugt bin, akzeptiere ich die Essgewohnheiten anderer, mein aktuelles Energielevel oder eben Phasen, in denen die Essenswahl und die Zubereitung gerade keine Priorität haben können. Mit meiner As-vegan-as-possible-Einstellung nehme ich die Spannung aus einigen Situationen. Aktuell akzeptiere ich auch, dass das Thema vegane Kleidung in meinem Fall noch stark ausbaufähig ist.

Mir fällt es weiterhin schwer, auf Wolle und Leder zu verzichten, wenn es um Strickmode, Schuhe und Handtaschen geht. Denn ich hadere noch immer mit der Ästhetik und Qualität einiger Alternativen. Doch ich weiß: Die Zeit wird kommen, in der sich viel verändern wird. Und spätestens dann bin ich bereit.

Einwanderungsgesetz: Was mit der Klimakrise wirklich auf Deutschland zukommt

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