Nachdem sie sich im Dezember einige Ausnahmen genehmigt hat, hilft unserer Autorin der Veganuary dabei, wieder in den veganen Trott zu finden.
Nachdem sie sich im Dezember einige Ausnahmen genehmigt hat, hilft unserer Autorin der Veganuary dabei, wieder in den veganen Trott zu finden. Bild: Mikelo / VisualEyze / Mikelo
watson-Kolumne

Drei Gründe, warum der Veganuary ein willkommener Tritt in den Hintern ist

13.01.2022, 12:17

"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben

Theresa Schwab
Theresa Schwab
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Meine letzte "As vegan as possible"-Kolumne beendete ich mit den Worten, ich würde nach einer durchwachsenen Weihnachtszeit voll und ganz auf den Veganuary setzen. Letzte Woche habe ich mich mit etwas Verspätung angemeldet.

Der Veganuary, der vegane Januar, ist eine gemeinnützige Organisation und Kampagne, die seit 2014 Menschen dazu ermutigt, eine 31-tägige Vegan-Challenge anzutreten. Ziel ist es, die Teilnehmer für eine pflanzliche Ernährungsweise zu begeistern, im besten Fall für ein komplett veganes Leben. Letztes Jahr meldeten sich tatsächlich 580.000 Menschen an!

Doch es gibt auch kritische Stimmen, die die Teilnahme als reinen Trend sehen – als angesagtes Mitmachen ohne innere Überzeugung. Meine Meinung? Drei Gründe, weshalb ich Aktionen wie den Veganuary als Fortschritt empfinde:

Über die Autorin
As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

1. Hauptsache Aufmerksamkeit: Jedes kleine bisschen hilft

Mag sein, dass es Influencer gibt, die den Hashtag #veganuary im Januar zelebrieren, auch wenn das Thema ab Februar keine Rolle mehr spielt. Prominente, die öffentlich an der Challenge teilnehmen, und trotzdem abends in einen Burger mit Fleischeinlage beißen. Für einige mag der vegane Lebensstil zum momentanen Zeitgeist passen und ein positives Image kreieren – sowie neue Follower generieren.

Ganz egal welche Beweggründe dahinterstecken, ich bin nach wie vor überzeugt: Jede Aufmerksamkeit, die das Thema erhält, hilft, um die Frage "Auf wessen Kosten möchte ich mich ernähren?" in die Öffentlichkeit zu bringen und damit ins Bewusstsein der Menschen. Unternehmen, die inzwischen mit der Organisation zusammenarbeiten, nehmen die große Teilnehmerzahl ebenso wahr. Ein so immenses Interesse kann zum Beispiel zu einer Sortimentsumstellung führen.

"Nur wenn immer und immer wieder über das Thema berichtet wird, kann es zu dem entscheidenden Klick kommen, der für eine komplette Ernährungsumstellung nötig ist".

Nur wenn immer und immer wieder über das Thema berichtet wird, kann es zu dem entscheidenden Klick kommen, der für eine komplette Ernährungsumstellung nötig ist. Ich glaube, um langfristig vegan zu leben, benötigt es mehr, als nur Teil einer Trendbewegung zu sein. Es muss aus einer inneren Überzeugung geschehen. Doch für jeden Menschen ist es ein anderer Trigger, der ihn dazu bringt, auf tierische Produkte zu verzichten.

Also informieren wir weiter und weiter und weiter. Decken weiter auf, überzeugen mit Fakten und Bildern. Und selbst wenn sich jemand nur diesen einen Monat im Jahr vegan ernährt hat, wurde dadurch schon wieder ein bisschen weniger Nachfrage signalisiert, die im besten Fall Tierleid verhindert.

2. Freude am Gemüse entdecken: Neue Inspirationen

Nachdem ich mich zum Veganuary auf der Website angemeldet hatte, konnte ich mir ein kostenloses Promi-Kochbuch herunterladen. Darin entdeckte ich das Rezept des Schauspielers Oliver Petszokat: Kräuterseitling-Gulasch. Ich hatte vergessen, wie lecker angebratene Kräuterseitlinge schmecken. Ein Pilz, den ich im Alltag häufig außer Acht lasse, weil ich doch wieder auf bekanntes Gemüse wie Tomaten, Paprika oder Zucchini zurückgreife.

"Für mich ist der Veganuary eine Möglichkeit, Menschen an Gemüsegerichte heranzuführen und sie so für zukünftige Essenszubereitungen zu inspirieren."

Für mich ist der Veganuary eine Möglichkeit, Menschen an Gemüsegerichte heranzuführen und sie so für zukünftige Essenszubereitungen zu inspirieren. Selbst wenn sie Fleisch oder andere tierische Produkte nicht komplett von ihrer Einkaufsliste streichen, kann eine Begeisterung für pflanzliche Rezeptideen dazu führen, dass der Speiseplan ab sofort häufiger wieder grüner wird.

3. Selbstauferlegte Disziplin: Manchmal gehts nicht ohne Druck

Bei mir läuft das so: Ab und zu brauche ich Druck, gerne selbst gemacht. Natürlich klopft keiner mit mahnendem Zeigefinger an meine Tür, wenn ich die 31 Tage-Challenge zwischendurch unterbrechen würde. Es würde nicht mal jemand davon erfahren. Und trotzdem hätte ich ein schlechtes Gewissen. Es reicht, dass ich mit meiner Anmeldung einer digitalen Abmachung beim Veganuary zugestimmt habe, die ich nun einhalten möchte.

"Es würde nicht mal jemand davon erfahren. Und trotzdem hätte ich ein schlechtes Gewissen."

Nach einer Vegan-as-possible-Weihnachtszeit, in der ich immer bequemer darin wurde, mich gegen Traditionen aufzulehnen, merke ich, wie ich mir selbst eine imaginäre Deadline setzen muss, damit nicht irgendwann eh schon alles egal zu sein scheint.

Daher kommt mir dieser Monat genau gelegen, mit einem konkreten Zeitpunkt, an dem ich wieder neu starten kann. Veganuary, den Tritt in den Hintern habe ich dringend gebraucht!

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