watson-Story

Angst vor der Klimakrise: Climaware-Gründer will mehr "unperfekten Klimaschutz"

Für die Serie #Klimaangst hat unsere Autorin vier Menschen getroffen, die unter Angst vor den Folgen der Klimakrise leiden – und auf unterschiedliche Weise mit dieser umgehen. In diesem Portrait geht es um Gabriel Baunach, der aus Angst vor den Folgen der Klimakrise in ein tiefes Loch gefallen ist und für sich entschieden hat: Wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Es braucht eine Lösung – und er will ein Teil von ihr sein.
08.05.2022, 10:35

Wenn die Gedanken rasen, sich die Welt immer schneller dreht und das Herz in seiner Brust springt, dann hält Gabriel Baunach inne. Es ist sein Körper, der schreit: "Stopp, halt – sofort!"

Mit der Zeit hat Baunach gelernt, auf diese Signale zu hören. Er weiß: Ignoriert er den Schwindel und die rasenden Gedanken, und macht weiter wie zuvor, geht sein Körper in den Streik – und er fällt in ein tiefes Loch.

Im April 2019 ist ihm genau das passiert, "da bin ich so richtig auf den Boden gekracht", sagt Baunach heute. "In dem Moment ist mir klar geworden, dass ich mein eigenes Leben so nicht weiterleben kann." Weil die Auswirkungen der Klimakrise so allumfassend sind. Weil die Diagramme, die zeigen wie "unglaublich steil" die Emissionen bis 2050 sinken müssen, um das 1,5 Grad-Limit einzuhalten, ihm die Augen geöffnet haben. Die Botschaft, die sich ihm einbrennt: Die Zeit, um die Erderwärmung noch zu stoppen, ist knapp, viel zu knapp. "Diesen Graph krieg ich glaub ich nie wieder aus meinem Gedächtnis, das hat mir echt Angst gemacht."

bild: aa / neal waters
#Klimaangst – was tun?
Wie umgehen mit der Klimaangst?

Was bedeutet es Klimaangst zu haben? Wie geht es den Menschen, wenn sie bei dem Gedanken an die nächste Hitzewelle, die nächste Überschwemmung, die nächste Wahl und den nächsten IPCC-Bericht in Panik geraten? Wie kommt man aus dieser Angststarre wieder raus? Und was können wir tun, um nicht nur die Angst, sondern auch die Klimakrise zu besiegen?

In einer mehrteiligen Serie nimmt sich die watson-Nachhaltigkeitsredaktion dieser Fragen an und und begleitet vier Menschen auf ihrem Weg aus der Klimaangst. Wir sprechen mit Wissenschaftlerinnen, Aktivisten, Betroffenen und Politikerinnen, die anders denken, nach Lösungen suchen und von ihrer Klimaangst berichten.

Serienteil 1:
"Ich habe Klimaangst": Wie mich die Folgen der Klimakrise in Panik versetzen

Serienteil 2:
Der Meeresspiegel steigt, die Temperatur ebenfalls, überall auf der Welt fallen Menschen der Klimakrise zum Opfer: Wie umgehen mit der Klimaangst?

Portrait von Luisa Müller:
Angst vor Klimawandel: Klimaaktivistin kämpft mit Burnout – "Habe viel Hass abbekommen"

Serienteil 3:
Protest und Politik: Wann das eine wirkt, wann das andere

Portrait von Gabriel Baunach:
Warum der Climaware-Gründer mehr unperfekten Klimaschutz will

Serienteil 4:
FFF-Aktivistinnen über Klimakrise und Aktivismus: "Nicht Gegner der Menschen"

Portrait von Charlotte Münzig:
David gegen Goliath – Aktivistin geht über ihre Grenzen: "Ich fühle, wie mich das kaputt macht"

Klimaangst – Die Welt wird also doch nicht immer besser

Gabriel Baunach, 29 Jahre alt, dunkelblonde Haare, braune Augen und ein schiefes Grinsen im Gesicht. Er wohnt in Berlin und ist Energieexperte und Gründer von Climaware.

Gabriel Baunach will die Menschen über die Klimakrise aufklären und ihnen Tools an die Hand geben, wie sie selbst einen Unterschied machen können.
Gabriel Baunach will die Menschen über die Klimakrise aufklären und ihnen Tools an die Hand geben, wie sie selbst einen Unterschied machen können. bild: josephine andreoli

In Berührung mit dem Thema Klimakrise kommt Baunach erstmals mit 14 Jahren, im Jahr 2007. Weil seine Erdkundelehrerin krank ist, kommt ein Vertretungslehrer in die Klasse – und zeigt den Schülern die Klima-Dokumentation "Eine unbequeme Wahrheit" von Al Gore, dem ehemaligen US-Vizepräsidenten. "Ich weiß noch ganz genau, wie ich aus diesem Film-Raum rausgegangen bin." Plötzlich ist die Welt für Baunach eine andere.

Schulpause.

Statt mit seinen Freunden zur Tischtennis-Platte zu rennen, geht Baunach wie ferngesteuert über den Schulhof – allein. Seine Gedanken rasen: Wenn die Temperatur immer weiter steigt, bekommt die Erde Fieber – natürlich bringt das die Atmosphäre aus dem Gleichgewicht, natürlich hat das Auswirkungen auf den Menschen! Und was ist mit dem Getreideanbau, mit der Ernährungssicherheit? Oder Extremwetterereignissen?

"Ich war irgendwie entgeistert. Auch wenn es makaber ist, ich hätte es schön gefunden, wenn es allen so gegangen wäre, weil – dann hätten wir darüber reden können", sagt Baunach. Er zuckt mit den Schultern und lächelt entschuldigend, als wäre es unfair sich das seinen ehemaligen Mitschülern gegenüber zu wünschen.

"Da habe ich das erste Mal so etwas wie Zukunftssorgen empfunden, noch nicht Angst, aber Sorge."
Gabriel Baunach

Aber erst einmal ist er allein mit seinen Gedanken. Und enttäuscht. Hatten seine Eltern und sein Großvater ihm doch immer vermittelt, dass die Welt besser wird, dass alles, das kommt, ein Fortschritt ist – "dass es für alle Probleme, die es gibt auf der Welt, eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, bis wir die lösen". Und dann das. Sein Weltbild ist erschüttert. "Da habe ich das erste Mal so etwas wie Zukunftssorgen empfunden, noch nicht Angst, aber Sorge."

Er spricht mit seinen Eltern – über die steigenden Temperaturen, über die fossilen Energien, über das Artensterben. Sein Stiefvater zweifelt, versucht ihn zu beschwichtigen, das sei alles noch nicht erwiesen, er solle sich nicht so viele Gedanken machen. Aber Baunachs Mutter hört zu, merkt schnell, dass das Thema ihren Sohn gepackt hat. Aber wirklich weiter weiß auch sie nicht.

Der lange Weg zur Realisation: Die Klimakrise ist menschengemacht

Ein Jahr später, 2008, ist Baunachs Mutter auf einer Veranstaltung der Wirtschaftsvereinigung. Einer der Speaker dort: Hans Joachim Schellnhuber, Begründer und langjähriger Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Sie spricht ihn an, erzählt, dass ihr Sohn für die Klimaforschung brenne, ob er nicht vielleicht ein Praktikum am Institut machen könne. Eigentlich würden sie zwar keine Schülerpraktikanten nehmen, aber er könne sich ja mal an die Bewerbungsabteilung wenden, erwidert Schellnhuber. Und das tut Baunach.

Tagelang feilt er an seinem Motivationsschreiben, berichtet von seinem einschneidenden Moment im Erdkundeunterricht. Mit Erfolg: Baunach bekommt den Praktikumsplatz.

"Und da war mir dann klar: Ich möchte diese Energiewende mitgestalten, Ingenieur werden."
Gabriel Baunach

Und überhaupt – Baunach stürzt sich auf alles, das mit dem Thema zu tun hat: Zeitungsartikel, Bücher, Dokus.

2008: Praktikum am Forschungszentrum Jülich.

2009: Praktikum am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

2010: Deutsche Schüler-Akademie, auch dort fokussiert er sich auf die Themen Klima und Energie.

Nach der Akademie ist sich Baunach sicher: Der Schlüssel zur Lösung der Klimakrise ist die Energiewende. "Und da war mir dann klar: Ich möchte diese Energiewende mitgestalten, Ingenieur werden."

Der Schlüssel zur Lösung der Klimakrise ist die Energiewende. Im Laufe der Zeit merkt Gabriel Baunach (r.), dass es komplizierter ist.
Der Schlüssel zur Lösung der Klimakrise ist die Energiewende. Im Laufe der Zeit merkt Gabriel Baunach (r.), dass es komplizierter ist. bild: johannes krenzer/witefield

Klares Ziel, klare Haltung: Hauptsache das Klima retten

Nach dem Abitur 2012 geht Baunach nach Amerika, fängt sein Maschinenbau-Studium an der Boston University an. Weil er ein Jahr später kein Stipendium bekommt, kehrt er zurück nach Deutschland, studiert an der RWTH Aachen. Und stellt für sich fest: Maschinenbau ist doch nicht so sein Ding. Fertig studieren will er trotzdem – auch wenn die Klimakrise komplexer ist, als dass ein Ingenieur sie lösen könnte.

"Davor hatte ich irgendwie die Vorstellung, der Klimawandel ist so ein Problem wie der saure Regen oder das Waldsterben. Eben eines dieser Umweltprobleme."
Gabriel Baunach

"Davor hatte ich irgendwie die Vorstellung, der Klimawandel ist so ein Problem wie der saure Regen oder das Waldsterben. Eben eines dieser Umweltprobleme." Aber so einfach ist es nicht.

Klimaangst: Lässt sich die Klimakrise noch aufhalten?

Mit dieser Realisation beginnen seine Gedanken zu rasen. Wie nur lässt sich der Klimawandel aufhalten? Was nur kann er tun, um die Erderwärmung zu begrenzen? Baunachs Herz klopft schneller und schneller. Seine Gedanken kreisen um die immer gleichen Fragen.

Gabriel Baunach geht immer häufiger auf die Fridays for Future-Demos, wie hier beim Globalen Klimastreik im September 2021 in Berlin.
Gabriel Baunach geht immer häufiger auf die Fridays for Future-Demos, wie hier beim Globalen Klimastreik im September 2021 in Berlin. bild: gabriel baunach
"Der Bericht hat mir echt zu denken gegeben, weil ich halt Angst bekommen habe, dass wir das nicht schaffen."
Gabriel Baunach

Mit Fridays for Future und dem Sonderbericht des Weltklimarates IPCC kommt im Oktober 2018 auch der Schwindel. Und die Angst. "Der Bericht hat mir echt zu denken gegeben, weil ich halt Angst bekommen habe, dass wir das nicht schaffen." Baunach schüttelt den Kopf. "Davor hatte ich immer das Gefühl, okay, die Menschheit hat schon so vieles geschafft und wenn das Problem groß genug ist, dann werden wir auch sehr kreativ und die Not macht erfinderisch." Aber der Bericht, die Diagramme, die streikenden Kinder und Jugendlichen öffnen ihm die Augen: So wird das nichts mit der Rettung des Klimas.

Baunach gehen die Ausreden aus, vor sich selbst – und vor der Welt.

Vom Klimastreik zum Körperstreik

Er geht auf Fridays for Future-Demos, spricht immer mehr über die Folgen des Klimawandels – oder der Klimakrise, wie Baunach jetzt sagt. Die Erderwärmung ist kein Wandel, sie ist eine Krise, eine Katastrophe. Das will er ausdrücken, auch durch seine Sprache.

"Ich habe mich überhaupt nicht danach gefühlt, irgendwas zu tun und habe dann richtig den Stecker gezogen, alle Pläne von Mai bis Juli fallen gelassen."
Gabriel Baunach

Im April 2019 geht sein Körper in den Streik, "dann bin ich so richtig auf den Boden gekracht". Es ist ein Sturm der Gefühle, der Baunach einholt: Die schockierenden Fakten über die Folgen der Erderwärmung, die streikenden Kinder, das Gefühl, selbst nicht ausreichend gehandelt zu haben. Baunach ist ausgelaugt, hat zu nichts mehr Lust, denkt Tag für Tag stundenlang über die Klimakrise nach. Ansonsten ist da nur Stille, Leere.

Im April 2019 streikt sein Körper: Gabriel Baunach zieht für drei Monate den Stecker. Er ist mutlos, glaubt nicht mehr daran, dass die Menschheit es schaffen kann, die Klimakrise aufzuhalten.
Im April 2019 streikt sein Körper: Gabriel Baunach zieht für drei Monate den Stecker. Er ist mutlos, glaubt nicht mehr daran, dass die Menschheit es schaffen kann, die Klimakrise aufzuhalten.bild: Laura kirst

Die Angst kommt in Wellen, bäumt sich auf und überfällt ihn. Dann wieder flaut sie ab, lässt ihn zurück. Verloren. Mutlos.

Baunach liegt auf der Couch, lethargisch – ohne sich zu rühren. Den Spanischkurs, für den er sich angemeldet hatte, sagt er ab. "Ich habe mich überhaupt nicht danach gefühlt, irgendwas zu tun und habe dann richtig den Stecker gezogen, alle Pläne von Mai bis Juli fallen gelassen."

Zwei Wochen sieht Baunachs Mutter dabei zu, wie sich ihr Sohn zurückzieht. Und nichts mehr macht. Dann zieht sie einen Schlussstrich – so kann es nicht weitergehen. Ihr Sohn braucht Hilfe.

Baunach will Beitrag zur Lösung der Klimakrise leisten

Und Baunach hat Glück: Binnen kürzester Zeit bekommt er einen Therapieplatz, hat einen Psychotherapeuten, der seine Ängste und Sorgen um das Klima und die Umwelt ernst nimmt.

Baunach schöpft neue Kraft. Geht viel spazieren, meditiert, schläft, liest nicht mehr so viele Nachrichten.

Um auch innerlich zur Ruhe zu kommen, geht Gabriel Baunach viel spazieren (Symbolbild).
Um auch innerlich zur Ruhe zu kommen, geht Gabriel Baunach viel spazieren (Symbolbild). Bild: Rupert Oberhäuser / Rupert Oberhäuser

Drei Monate später startet er sein Praktikum im UN-Klimasekretariat. Er hat wieder Mut gefasst, ein bisschen zumindest. Baunachs Ziel: Alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Menschen für die Folgen der Klimakrise zu sensibilisieren – und damit seinen Teil dazu beizutragen, die Klimakrise aufzuhalten. Bevor es zu spät ist.

Manchmal aber, da holen ihn der Schwindel und die rasenden Gedanken wieder ein. Das ist Baunachs Signal, innezuhalten.

Dann schließt er die Augen, verlagert sein Gewicht auf den rechten Fuß und richtet seine ganze Aufmerksamkeit auf die rechte Fußsohle. Einatmen. Auf den Fuß konzentrieren. Ausatmen. "Das geht vielleicht für drei, vier, fünf Sekunden – und dann kommt ein Gedanke und man muss das einfach merken und den Gedanken fliegen lassen wie einen Luftballon."

Gabriel Baunach macht klar: Wir alle können zur Lösung der Krise beitragen

2020 dann gründet Baunach Climaware – eine Plattform, auf der er die Fakten rund um die Klimakrise einfach verständlich zusammenträgt und erläutert. Im gleichnamigen Podcast spricht er mit bekannten Klimaforschern wie Hans Joachim Schellnhuber, Stefan Rahmstorf oder auch Harald Lesch. "Darüber zu sprechen war mir so ein Bedürfnis zu der Zeit, weil mir ja auch klar war, wie kritisch und entscheidend die kommenden Jahre sind, dass es fast schon um Monate geht."

Er will die Menschen aufklären, wachrütteln.

Denn eine Brücke von der Klimawissenschaft zum alltagstauglichen Gespräch unter Nachbarn oder Freunden gibt es zu dem Zeitpunkt nicht, wie Baunach findet.

Die Ergebnisse der Weltklimakonferenz – verpufft.

Nachrichten über bereits eintretende Folgen der Klimakrise – untergegangen.

"Eigentlich ist das ja Aufgabe der Medien, das so aufzubereiten, dass jeder normale Mensch wirklich bestmöglich über den Klimawandel aufgeklärt wird. Aber zu dem Zeitpunkt habe ich nicht gesehen, dass das passiert."

Ins Handeln zu kommen hilft, Ängste zu minimieren

Deswegen also Climaware, das sich aus den beiden Worten "Climate" und "Awareness" zusammensetzt. Baunachs Devise: Erst verstehen, dann handeln. "Ab dem Tag, wo ich die Entscheidung getroffen habe, den Podcast zu machen, hat für mich das Gefühl überwogen: Okay, ich tue was. Eine Möglichkeit für Baunach, seine Klimaangst zu besänftigen.

In seinem Podcast Climaware erklärt Gabriel Baunach beispielsweise die Berichte des Weltklimarates IPCC, oder er tauscht sich mit bekannten Klimaforschenden über die Klimakrise und ihre Folgen aus.
In seinem Podcast Climaware erklärt Gabriel Baunach beispielsweise die Berichte des Weltklimarates IPCC, oder er tauscht sich mit bekannten Klimaforschenden über die Klimakrise und ihre Folgen aus. bild: johannes krenzer/witefield

Und Climaware kommt an bei den Menschen, der Podcast geht durch die Decke – die Zahl der Zuhörenden wächst mit jeder Folge. Baunach fängt an, zusätzlich als Speaker aufzutreten, zu coachen. Sein Ziel: Den Menschen die Angst zu nehmen, ihren Blick auf sich und die Welt zu verändern. "Natürlich sollten wir unseren CO2-Fußabdruck reduzieren, aber ohne zu viel an Lebensqualität einzubüßen", sagt Baunach.

Er ergänzt:

"Wenn ich über den CO2-Fußabdruck spreche, betone ich immer, dass das natürlich sehr begrenzte Effekte sind und wir mit unserem individuellen Verhalten natürlich nicht die Welt retten. Die Politik und Wirtschaft sitzen da am längeren Hebel. Deswegen versuche ich lieber vom Klima-Handabdruck zu sprechen und diesen zu vergrößern."

Klima-Handabdruck meint: Strukturen verändern, den Wandel mitgestalten – ob bei der Arbeit in einer Task-Force, die sich dafür einsetzt, dass das eigene Unternehmen auf grünen Strom umsteigt. Ob in der Politik, auf Demos, an der Wahlurne oder im Gespräch mit den Nachbarn.

Baunach will mehr "unperfekten Klimaschutz"

Es geht darum, sich zu trauen "unperfekten Klimaschutz" in der Öffentlichkeit zu fordern. "Wir Menschen sind so veranlagt, dass wir Heuchelei furchtbar finden, aber das ist leider gar kein guter Ansatz." Warum sollten SUV-Fahrende nicht die Grünen wählen dürfen? Warum sollten Viel-Fliegende nicht auf Fridays for Future-Demos gehen können? Warum sollten Klimaaktivisten kein Fleisch essen dürfen?

Es müsse Schluss sein mit dem "moralischen Fingerzeig", fordert Baunach. Keiner muss perfekt sein, um mehr Klimaschutz fordern zu dürfen. Weniger Schuld für alltägliche Entscheidungen, mehr Unterstützung für das große Ganze – Maßnahmen, Gesetze, Wahlen.

Für Climaware nimmt er nicht nur seinen Podcast auf, sondern macht auch Videos.
Für Climaware nimmt er nicht nur seinen Podcast auf, sondern macht auch Videos.bild: gabriel baunach

Baunach handhabt das genauso: Kaum Fleisch, keine Flüge mehr innerhalb von Europa, kein eigenes Auto. Und wenn er mal nach Amerika fliegt? Dann ist auch das kein Weltuntergang.

Stattdessen klärt er auf, rüttelt wach, bringt Menschen zum Umdenken. Er sagt: "Ich hätte es nicht ausgehalten, nicht zumindest das Gefühl zu haben, einen kleinen Tropfen im großen Ozean bewegt zu haben."

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Entlastung von Mietern beim CO2-Preis rückt näher

Zur Story