Es ist wahrlich kein Geheimnis, dass der FC Bayern in diesem Sommer gerne Nick Woltemade verpflichtet hätte. Die Münchener waren sich mit dem Nationalspieler bereits über einen Wechsel einig, kassierten vom VfB Stuttgart aber einen Korb nach dem anderen.
Am Ende boten die Bayern etwas mehr als 60 Millionen Euro für den Nationalspieler, wie dessen Berater Danny Bachmann der dpa bestätigte. Als "marktfremd" ordnete dieser die Forderung der Schwaben ein – 75 Millionen Euro sollen die VfB-Bosse für Woltemade aufgerufen haben.
Knapp zwei Wochen, nachdem der Deal rund um das Supercup-Duell geplatzt ist, wird deutlich: Was die Stuttgarter da gefordert haben, entspricht tatsächlich nicht dem, was der Markt bereit ist, zu zahlen. Denn Woltemade wechselt nun für bis zu 90 Millionen Euro zu Newcastle United.
Das berichten deutsche und englische Medien übereinstimmend. Aufnahmen zeigen den DFB-Profi bereits bei seiner Ankunft in England. Die offizielle Verkündung dürfte zeitnah folgen, immerhin schließt das Transferfenster am Montag.
Und die Bayern? Die stehen auf den ersten Blick ziemlich entblößt da: Ihr Wunschspieler landet bei einem Klub, der kürzlich den ersten nennenswerten Titel seit 70 Jahren eingefahren hat. Ein Klub, der in den vergangenen 20 Jahren ebenso oft in Englands zweiter Liga gespielt hat wie in der Champions League.
Dementsprechend war die Personalie unweigerlich auch ein Thema, als Vincent Kompany und Christoph Freund auf der Spieltagspressekonferenz eigentlich auf die anstehende Partie gegen Augsburg blicken wollten.
"Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen. Es ist nicht unser Thema", hielt sich Freund zunächst zurück. Der FCB habe zwar "gewisse Beziehungen" zu Woltemade und dessen Berater, in dem Fall seien die Bayern aber "nicht involviert" gewesen.
Die Transfermeldung dürfte also auch die Münchener überrascht haben, Kompany kann sie sich aber zumindest herleiten.
Warum Spieler wie Florian Wirtz oder nun Woltemade denn lieber in die Premier League als zum FC Bayern gehen, wurde er gefragt. "Geld", antwortete der Trainer zur Belustigung der Medienschaffenden kurz und knapp.
Was wie ein witziger Kneipenspruch anmutete, fußt tatsächlich auf einer ernsthaften Entwicklung. Seit Jahren verlassen zahlreiche Stars die Bundesliga in Richtung Premier League, in diesem Sommer ist der Aderlass besonders auffällig.
"Ich erinnere mich an meinen Aufstieg mit Burnley. Auf einmal steht dir ein Budget von 120 bis 130 Millionen zur Verfügung", führte Kompany seine Gedanken aus. Damit stehen diese Klubs plötzlich in direkter Konkurrenz zu potenten Bundesligisten wie Frankfurt oder Wolfsburg.
In der Premier League aber haben die Aufsteiger noch die ganzen etablierten Klubs über sich, diese verdienen noch besser. Und können folglich auch mal die Bayern überbieten.
"Das ist die finanzielle Realität", hielt der FCB-Coach fest. "Es ist aber nicht nur eine Debatte für den FC Bayern, sondern für die ganze Bundesliga, wie man kompetitiv bleibt."
Einen Mangel an Qualität erwartet Kompany in der Liga künftig jedenfalls nicht. Und in seiner Mannschaft muss er diesen laut Freund auch nicht befürchten: "Wir als Bayern München sind sehr attraktiv. Das merken wir immer wieder, wenn wir mit Spielern sprechen."