"Das ist ein absoluter Rückschlag", sagte René Adler im Interview mit Sky über die Situation von Marc-André ter Stegen beim FC Barcelona. Der frühere Nationaltorwart zeigt Verständnis für seine Lage und weiß zugleich um die Komplexität der Entscheidung, die nun vor ihm liegt.
Denn was sich in den vergangenen Wochen angedeutet hatte, ist laut übereinstimmenden Medienberichten offiziell: Ter Stegen ist seinen Platz als Stammtorhüter beim FC Barcelona los. Trainer Hansi Flick soll dem 33-Jährigen in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt haben, dass in der kommenden Saison Joan Garcia als neue Nummer eins vorgesehen sei.
Dahinter folgt Wojciech Szczęsny, dessen Vertrag kürzlich verlängert wurde. Für ter Stegen bleibt nur die Rolle als Nummer drei, sofern er bleibt. Genau das ist die Frage.
Barcelona würde den Torwart zwar nicht aktiv zum Wechsel drängen, wie spanische Medien berichten. Doch die Botschaft ist unmissverständlich: Wer degradiert wurde, darf sich fragen, ob er im Verein noch gebraucht wird, auch wenn der Vertrag offiziell bis 2028 läuft.
Für ter Stegen ist das eine neue Situation. Seit seinem Wechsel aus Mönchengladbach im Jahr 2014 war er bei Barça über Jahre hinweg eine verlässliche Größe, später Kapitän, sportlicher Fixpunkt.
Die Rolle als Herausforderer, als Torhüter, der sich beweisen muss, kennt er in diesem Umfeld nicht mehr. Nun ist er genau dort. Und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem für ihn sportlich eigentlich alles auf die Weltmeisterschaft 2026 ausgerichtet ist.
René Adler erkennt das Dilemma, in dem sich ter Stegen befindet. Wäre die Weltmeisterschaft nicht in greifbarer Nähe, oder ginge es lediglich um die Rolle als Nummer zwei hinter Manuel Neuer im DFB-Tor, so ließe sich die Entscheidung womöglich leichter treffen, meint Adler.
Dann hätte vieles dafürgesprochen, zu bleiben, sich in Geduld zu üben, weil ter Stegen überzeugt sei, dass er sich durchsetzen könne.
Doch in der aktuellen Konstellation sei die Lage deutlich komplizierter. Ter Stegen müsse abwägen – zwischen der eigenen Loyalität zum Verein und der Notwendigkeit, regelmäßig zu spielen.
Dabei ist es keineswegs ausgeschlossen, dass er sich noch einmal zurückkämpft. "Joan Garcia muss erst einmal mit dem Druck zurechtkommen, einen ter Stegen permanent hinter sich zu haben – auch im Training. Das ist gar nicht so einfach", so Adler gegenüber Sky.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte ter Stegen im Juni bei der Nations League noch das Vertrauen ausgesprochen, trotz langer Verletzungspause (Patellasehnenriss). Doch ob das so bleibt, wenn ter Stegen auf der Bank sitzt?
"Es geht darum, Spielpraxis zu sammeln – gerade, wenn du wie Marc-André ter Stegen aus einer langen Verletzung kommst", sagt Adler. "Da ist jedes Spiel wichtig, jede Minute, jedes Training, damit du wieder Automatismen, eine Selbstverständlichkeit und Vertrauen in deinen Körper bekommst." Ein Wechsel also?
Möglich, aber keineswegs einfach. "Ich kann mir vorstellen: Wenn es jetzt ein Angebot gibt, einen Verein, bei dem er sagt 'Das kann ich mir vorstellen', dann wird er diesen Schritt vielleicht machen. Aber auch da braucht man erst einmal Eingewöhnungszeit", ordnet Adler ein.
Die Liste der Interessenten ist lang, die Gerüchte zahlreich: Galatasaray, Inter Mailand, die AS Monaco und Manchester United wurden zuletzt mit ter Stegen in Verbindung gebracht.
Die entscheidende Frage aber lautet: Wo bekommt er sofort das, was er jetzt am dringendsten braucht: Spielzeit?