Sport
Fußball-Kolumne

Bundesliga bekommt fünften CL-Rang: Champions League verkommt zur Super League

Champions League - Borussia Dortmund - Paris Saint Germain am 01.05.2024 im Signal Iduna Park in Dortmund Jubel, Torjubel, Torschuetze, Torsch
Niclas Füllkrug sicherte mit seinem Siegtreffer gegen PSG den fünften CL-Platz für die Bundesliga.Bild: IMAGO images / osnapix
Fußball-Kolumne

Fünfter CL-Platz ist kein Grund zur Freude: Königsklasse verkommt zur Super League

In seiner wöchentlichen Kolumne schreibt der Fanforscher Harald Lange exklusiv auf watson über die Dinge, die Fußball-Deutschland aktuell bewegen.
04.05.2024, 11:34
Mehr «Sport»

Es spitzt sich zu im europäischen Fußball. Die Champions League wurde reformiert und aufgestockt. Zugunsten der großen Ligen aus Spanien, Italien, England und vor allem Deutschland, denn die zusätzlichen Plätze werden nach einem Schlüssel vergeben, der die Machtverhältnisse zwischen den starken Ligen und dem Rest Europas manifestiert.

Im nächsten Jahr starten acht Bundesliga-Teams international. Fünf davon in der Champions League und falls Dortmund in diesem Jahr den Titel in der Königsklasse holen sollte, haben wir sogar sechs Starterplätze in der Königsklasse.

Fanforscher Harald Lange.
Fanforscher Harald Lange blickt für watson regelmäßig auf Themen, die die Fußballfans bewegen.Bild: Uni Würzburg
Über den Autor
Harald Lange ist seit 2009 Professor für Sportwissenschaft an der Universität Würzburg. Er leitet den Projektzusammenhang "Fan- und Fußballforschung" und gilt als einer der bekanntesten Sportforscher in Deutschland. Der 55-Jährige schreibt und spricht täglich über Fußball, auch in seinem Seminar "Welchen Fußball wollen wir?"

Theoretisch wäre sogar noch mehr drin gewesen. Bis zu elf internationale Plätze hätte die Bundesliga für die nächste Saison holen können, wenn die Teams in den laufenden Uefa-Wettbewerben noch erfolgreicher gewesen wären.

Vom Abstiegskampf direkt ins Rennen um Europa

In dem Fall wären sogar Augsburg, Heidenheim und Werder Bremen beim derzeitigen Tabellenstand noch in die Europa oder Conference League eingezogen. Teams, die sich mit 37 beziehungsweise 39 Punkten gerade vor dem Abstieg gerettet haben und nur neun respektive elf Zähler vom Relegationsplatz entfernt liegen.

Aber während elf mögliche Plätze grauer Theorie entsprechen, sind acht internationale Plätze im nächsten Jahr Realität. Mehr als die Hälfte der Mannschaften, die nicht absteigen, dürfen auf das internationale Geschäft hoffen und fünf beziehungsweise sechs davon sogar auf einen Platz in der lukrativen Champions League.

Sollte es den Fußballmanagern der betreffenden Klubs gelingen, das Geld aus den Uefa-Töpfen gut und glücklich in neue Spieler zu investieren, dann ließe sich diese komfortable Lage im nächsten Jahr halten und gegebenenfalls sogar noch ausbauen.

Im Grunde eine gute Situation für die Bundesliga, denn die Tabellenzone, in der es zum Ende der Saison um nichts mehr geht, wird immer enger. Selbst wenn die Meisterschaft, der Abstieg und die Teilnahme an den sicheren Plätzen in der Champions League klar sind, geht es im Saisonendspurt zuweilen bis zum ersten Nichtabstiegsplatz immer noch um die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb.

Uefa-Reform hat ihre Schattenseiten

In der aktuellen Saison reicht diese Chance noch bis Platz zwölf (Wolfsburg) oder 13 (Mönchengladbach) und sorgt für weitere Spannung im Saisonfinale. In beide Richtungen, denn der Relegationsplatz ist nur vier respektive sechs Punkte entfernt.

So betrachtet bringt die Reform der europäischen Wettbewerbe zweifelsohne mehr Geld und zunächst auch mal mehr Spannung in die Bundesliga. Gleichzeitig steigt aber auch die Belastung der Spieler und Mannschaften, denn die europäischen Wettbewerbe werden für immer mehr Mannschaften der Bundesliga eine Standardveranstaltung. Dafür schwindet der Reiz des Exklusiven. Aber diesen Verlust werden wir – wenn überhaupt – erst in einigen Jahren bemerken.

Über den Autor
Harald Lange ist seit 2009 Professor für Sportwissenschaft an der Universität Würzburg. Er leitet den Projektzusammenhang "Fan- und Fußballforschung" und gilt als einer der bekanntesten Sportforscher in Deutschland. Der 55-Jährige schreibt und spricht täglich über Fußball, auch in seinem Seminar "Welchen Fußball wollen wir?"

Wenn in der Champions League nicht nur die Meister, sondern auch Viert-, Fünft-, und sogar Sechstplatzierte der Meisterschaft mitspielen dürfen, dann brauchen wir für diesen Wettbewerb definitiv einen neuen Begriff.

Gebt der Champions League einen neuen Namen!

Die Liga der europäischen Champions hatten wir vor vielen Jahren, als sich tatsächlich immer nur der jeweilige Landesmeister qualifizieren konnte. Heute spielen länderübergreifend die am besten aufgestellten Teams mit, die Landesmeistertitel werden abgewertet und am Ende gewinnen immer Vereine aus Spanien, England, Italien und Deutschland den Titel.

Es entsteht ein Closed Shop inmitten des europäischen Fußballs. Zugunsten der großen und auf Kosten der kleinen Ligen. Im Grunde das gleiche Modell wie bei der verpönten Super League, die vor drei Jahren mit Teams aus Spanien, Italien und England als Investoren- sowie Zirkusliga in Konkurrenz zur Uefa gegründet werden sollte.

Ich meine: Damals hatte man einen treffenden Titel für diese Liga und die Uefa hat in ihrer Reform bislang nur die Idee der Super League übernommen. Sie hat eine mehr oder weniger geschlossene Gesellschaft für den wichtigsten Titel im europäischen Fußball gegründet.

Es wäre konsequent, wenn man dies auch im Titel spiegeln würde und die Champions League demnächst einfach in die Super League umbenennt. Gern auch Uefa Super League.

EM 2024: DFB-Star Anton disst Bayern-Fan – Führich reagiert auf München-Gerücht

Die Uhr tickt. Der Nationalmannschaft bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum EM-Start am Freitag. Im Eröffnungsspiel trifft die DFB-Elf auf Schottland.

Zur Story