Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Chancen kreieren und Vorlagen geben – dafür steht Mesut Özil. imago

Kommentar

Özil ist gar nicht zurückgetreten – er spielt seine letzte geniale Vorlage

Im Mai hatte Sandro Wagner seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben: "Ich trete hiermit sofort aus der Nationalmannschaft zurück." Deutlicher geht es nicht.

Seit Sonntagabend spielt auch Mesut Özil nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft. Aber hat er in seiner dreiteiligen Erklärung, die er in drei Akten veröffentlicht hat, wirklich seinen endgültigen Rücktritt bekanntgegeben? Nein!

Özil schreibt im dritten Teil seines Statements:

"It is with a heavy heart and after much consideration that because of recent events, I will no longer be playing for Germany at international level whilst I have this feeling of racism and disrespect".

Mesut Özil twitter

Wurde Özil also zurückgetreten, weil dieser Satz nicht richtig übersetzt wurde? Und weil Nachrichtenagenturen den Rücktritt dann keine fünf Minuten nach Veröffentlichung seines Tweets "III / III" meldeten? 

Das Zauberwörtchen in Özils Erklärung lautet "whilst" – "solange". Bedeutet also: Solange er das Gefühl von Rassismus und Nichtachtung hat, wird er nicht mehr für Deutschland spielen.

Das Wort "Rücktritt" hat er gar nicht verwendet. Mesut Özil hat sich ein Hintertürchen offen gelassen. Ein Hintertürchen für eine Rückkehr unter anderen Umständen. 

Kehrt er unter einem anderen DFB-Präsidenten als Reinhard Grindel zurück?

Denn besonders Grindel bekommt in Özils Statement sein Fett weg: "Ich werde nicht länger der Sündenbock sein für seine Inkompetenz und Unfähigkeit, seinen Job gut zu machen", teilte Özil mit: "Ich weiß, dass er mich nach dem Bild aus dem Team haben wollte. Reinhard Grindel, ich bin sehr enttäuscht, aber nicht überrascht von Ihrem Handeln." Menschen "mit rassendiskriminierendem Hintergrund" sollten "nicht für den größten Fußballverband der Welt arbeiten dürfen". Özil habe wegen Grindel das Gefühl gehabt, "dass ich nicht gewollt bin und vergessen wurde, was ich seit meinem Debüt 2009 geleistet habe".

Grindel forderte von Özil eine Stellungnahme nach dessen Urlaub, da viele deutsche Fans darauf warten würden. Jetzt spielt Özil den Ball gekonnt zurück. Und zwingt Grindel zu einer Stellungnahme – nach dessen Urlaub.

DFB-Praesident Reinhard Grindel, Archivbild, GER, Symbolbild, Krise Deutscher Fussballbund, DFB Ascona *** German Football Association DFB Ascona. DFB President Reinhard Grindel Copyright: xEIBNER/Stuetzlex EP_EER

Reinhard Grindel, Jahrgang 1961, ist seit April 2016 DFB-Präsident.  imago/Eibner

Präsident Grindel sagt bisher nichts zu den Vorwürfen – weil er im Urlaub ist. Der DFB brachte aber am Montagnachmittag eine Stellungnahme heraus. Der Verband weist darin zurück, "dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird". Manche "in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbare Aussage in der Öffentlichkeit" wolle der DFB unkommentiert lassen, heißt es.

"Und dass Mesut Özil das Gefühl hatte, als Ziel rassistischer Parolen gegen seine Person nicht ausreichend geschützt worden zu sein, wie es bei Jerome Boateng der Fall war, bedauern wir."

DFB

Wenn Grindel aus dem Urlaub zurückkehrt, wird er trotzdem weiter unter Druck geraten. Ist er dann überhaupt noch im Amt zu halten? Krisenmanagement, das haben die vergangenen Wochen gezeigt, ist ja nicht gerade Grindels Paradedisziplin. 

Grindel ist nicht mehr haltbar

Özil wählte in seinem dreiteiligen Statement drastische Worte und bot eine perfekte Inszenierung. Spätestens jetzt ist klar: Der DFB braucht, um ein starkes Signal zu senden, einen Präsidenten, der Rassismus in die Schranken weisen kann. Einen Präsidenten, der Spieler in Schutz nimmt, die wie eine Sau durchs Dorf getrieben werden. Einen Präsidenten, der nicht Reinhard Grindel heißt, nicht rumeiert.

Das wirft Harald Stenger, der ehemalige Pressesprecher des DFB, Grindel vor. Bei "Sky" sagte Stenger, Grindel habe in der Affäre "immer nur rumgeeiert und wollte das alles aussitzen. Es war alles nur populistisch und so kann man einfach keinen Verband führen. Wenn er ehrlich ist, muss er sehen, dass seine Zeit als DFB-Präsident abgelaufen ist."

Das Foto mit Recep Tayyip Erdogan war natürlich ein Fehler – keine Frage. Und es war naiv von Mesut Özil, zu glauben, es sei unpolitisch, wenn er als Person des öffentlichen Lebens mit einem Politiker posiert. Auch sein Statement wirft in Bezug auf das Erdogan-Foto noch immer Fragen auf. 

Wo Özil aber Recht hat: Das Verhalten der DFB-Spitze in dieser Angelegenheit ist ein mindestens genauso großes Desaster.

OEZIL Mesut Team Deutschland mit dem WM Pokal am Brandenburger Tor Empfang WM-Party Feier der deutschen Fussball Nationalmannschaft auf die Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin- Fanmeile in Berlin Deutschland am 15. Juli 2014 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY

Oezil Mesut team Germany with the World Cup Cup at Brandenburg goal Reception World Cup Party Celebrations the German Football national team on The Tierpark Lignano at Brandenburg goal in Berlin Tierpark Lignano in Berlin Germany at 15 July 2014

Höhepunkt 2014: Mesut Özil feiert den Gewinn der Weltmeisterschaft imago/Laci Perenyi

Özil fordert einen neuen DFB

Aus Özils Statement kann man auch die Forderung nach einem neuen DFB herauslesen. Einem zeitgemäßen, modernen DFB, den es dringend braucht – ohne Rassismus, ohne veraltete Strukturen, ohne Klüngel.

Fast jedes fünfte Mitglied im DFB hat Migrationshintergrund. In der Führungsetage sieht man aber nichts davon. Das 19-köpfige Präsidium des größten nationalen Sport-Fachverbandes der Welt besteht aus einer Frau und 18 Männern. Die heißen Osnabrügge, Zimmermann oder Koch. Keiner von ihnen kann sich also voll und ganz in die Özils, Gündogans oder Boatengs hineinversetzen.

Kritik kommt nicht erst von Özil

Dass im DFB vieles verkehrt laufe, sagt übrigens nicht erst Özil: In den vergangenen Tagen meldeten sich in dieser Sache auch Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern AG, und Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger zu Wort.

Rummenigge polterte: "Mir fehlt im Moment die klare professionelle Handhabe der Krisensituation. Es wundert mich aber auch nicht, der DFB ist nur noch durchsetzt von Amateuren. Mir fehlt da die Fußball-Kompetenz." Der Bayern-Boss brachte dabei auch den ehemaligen Kapitän Philipp Lahm als DFB-Vize ins Gespräch.

Zwanziger, der in seiner Amtszeit das Thema Integration stark vorangetrieben hatte, sieht Versäumnisse beim DFB: "Durch Fehler in der Kommunikation ist etwas passiert, das bei Migranten nie passieren darf: Sie dürfen sich nie als Deutsche zweiter Klasse fühlen. Wenn dieser Eindruck entsteht, muss man gegensteuern", sagte er.

Der DFB muss in Sachen Integration wieder vorlegen, dann kann die Gesellschaft vielleicht nachziehen. Denn Integration und "Multikulti" sind eben immer wichtig – nicht nur, wenn es gerade als hipper Slogan taugt. 

Wenn es gerade passt, wirbt der DFB gerne mit Vielfalt...

abspielen

Video: YouTube/HALBZEITWECHSEL

Mesut Özil ist ein verdienter Spieler der deutschen Nationalmannschaft. Er ist Weltmeister geworden, hat über 90 Spiele im DFB-Dress gemacht. Er war das Aushängeschild der gelungenen Integration in Deutschland. Das war mal.

Özils Abrechnung ebnet den Weg für seine Nachfolger

Der einst so glänzende Lack der vielfältigen, bunten Nationalelf hat heftige Kratzer bekommen. Insofern ist es verständlich, dass Mesut Özil erst mal keinen Bock mehr hat, in dieser Mannschaft Fußball zu spielen. Weil er sich im Jahr 2018 (!) wegen Rassismus nicht repräsentiert fühlt. 

Die Hoffnung bleibt bestehen, dass Mesut Özil durch das Hintertürchen, das er sich offen gelassen hat, irgendwann zurückkehrt. Unter anderen Umständen. Unter einem anderen DFB-Präsidenten. Unter einem anderen DFB.

Mesut Özil ist die Stimme von vielen. Und wenn es nicht Özils Hintertürchen ist, durch das er selbst zurückkehrt, dann ist es vielleicht das Hintertürchen für all die talentierten deutschen Spieler mit Migrationshintergrund der Zukunft. Ohne, dass wir es verstehen, hätte Özil mal wieder eine wichtige Chance kreiert – wie auf dem Platz.

Mehr zum Thema Mesut Özil

"Rassismus sollte niemals akzeptiert werden" – Mesut Özil tritt zurück

Link zum Artikel

Von den Erdogan-Fotos bis zum Rücktritt: Der Fall Mesut Özil in 26 Zitaten

Link zum Artikel

4 Lügen aus der verfloskelten DFB-Stellungnahme zu Mesut Özil

Link zum Artikel

Darf Özil nach seinem Rücktritt für die Türkei spielen?

Link zum Artikel

"Scheiß auf Länderzuweisung": Rapper MC Smook erklärt uns, was in Deutschland schief läuft

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Mehr Fußball-News:

7 Dinge, die du zu Ronaldos Transfer von Real zu Juventus wissen musst

Link zum Artikel

Marktwert gesunken: Diese 2 Bundesliga-Spieler sind die größten WM-Verlierer

Link zum Artikel

Alisson Becker: Das ist Loris Karius' brasilianisch-deutscher Albtraum

Link zum Artikel

++ BVB verlängert mit Shooting-Star Sancho ++

Link zum Artikel

Die Legende tritt heute ab – Buffon schreibt unglaublich emotionalen Abschiedsbrief

Link zum Artikel

Magdeburger Horror und Eintracht-Joints – Wir zeigen die 10 besten Pokal-Choreos

Link zum Artikel

Das ist mein sechster Abstieg mit dem 1. FC Köln. Dabei fing alles ganz harmlos an...

Link zum Artikel

"For the nation, by the nation" – so gibt man ganz ohne Hologramm sein Team bekannt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Rezo fordert bei Böhmermann Entschuldigung von lügenden Kritikern

Link zum Artikel

Illner geht ihren Gästen mit Personal-Fragen auf die Nerven – "unsägliche Debatte"

Link zum Artikel

"Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein" – so begründet ein Ex-AfD-Mann seinen Ausstieg

Link zum Artikel

Vera Int-Veen verurteilt Hartz-IV-Empfänger – dann erkennt sie ihren Fehler

Link zum Artikel

Ein Schrei nach Liebe: Freiwild covern Ärzte und Hosen

Link zum Artikel

"Dachte, dass das für immer ist" – Lena Meyer-Landrut spricht unter Tränen über Trennung

Link zum Artikel

So will Edeka den Drogerien Konkurrenz machen

Link zum Artikel

Rammstein: 7 (fast) unbekannte Fakten über die Band

Link zum Artikel

"Er hat die Ente gefressen": Eisbär frisst Tier vor den Augen der Zoo-Besucher

Link zum Artikel

Rammstein-Sänger soll Mann geschlagen haben – was das mutmaßliche Opfer zu dem Fall sagt

Link zum Artikel

Wegen Cathy-Hummels-Streit: Bundesregierung will Influencer-Gesetz

Link zum Artikel

Posen vorm Reaktor – Influencer machen geschmacklose Instagram-Posts in Tschernobyl

Link zum Artikel

Fotos von Helene Fischers Privat-Konzert aufgetaucht – sie zwingen sie zu handeln

Link zum Artikel

Mein Vater hat eine bipolare Störung – so war meine Kindheit

Link zum Artikel

Rock im Park: Über 130 Menschen erleiden allergische Reaktion

Link zum Artikel

Heidi veröffentlicht Chat mit Tom: Romantisch? Ganz im Gegenteil!

Link zum Artikel

Shitstorm mal anders: Zu wenige Toiletten bei Rock im Park

Link zum Artikel

Von Anime bis True Crime – diese 14 Filme und Serien kommen ab heute auf Netflix

Link zum Artikel

Sturmböen, Hagel und Starkregen: Ab Pfingstmontag geht es bergab mit dem Wetter

Link zum Artikel

Lesbisches Paar in London blutig geschlagen – weil sie sich nicht küssen wollten

Link zum Artikel

Helene Fischer macht's schon wieder – darum sind ihre Worte nur noch Heuchelei

Link zum Artikel

Kelly Family in Berlin: Warum immer noch der Hype? Eine Annäherung in 5 Akten

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

Wie beim WM-Finale 2014! Das steckt hinter der Final-Flitzerin von Madrid

Link zum Artikel

Helene Fischer und die 1-Mio-Euro-Party: Millionär bucht Star für besonderen Abend

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Weniger Zeitspiel bis neue Handregel: Das sind die neuen Fußball-Regeln

Was nervt uns am Fußball? Richtig: Zeitspiel des Gegners schon in der 70. Minute, wenn das eigene Team zurückliegt. Auch motzende Trainer können uns echt nerven. Genau so wie die wohl größte Hass-Frage im Fußball: Hand oder keine Hand? All diesen Problemen sind die Regelhüter des Weltfußballs auf den Grund gegangen – und haben sich neue Regeln für den Fußball ausgedacht.

Die neuen Fußball-Regeln gelten übrigens ab dem 1. Juni.

Während einige der neuen Richtlinien den Fußball vereinfachen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel