Gina-Lisa Lohfink musste bei "Kampf der Realitystars" psychologische Hilfe in Anspruch nehmen..
Gina-Lisa Lohfink musste bei "Kampf der Realitystars" psychologische Hilfe in Anspruch nehmen..
Bild: screenshot tvnow
Analyse

TV-Drama um Gina-Lisa: RTL2 hat aus Fehlern gelernt – Experte übt dennoch Kritik

05.08.2021, 09:46

In dieser Woche sorgte das Trash-Format "Kampf der Realitystars" für großes Aufsehen, denn im Verlauf der dritten Ausgabe der aktuellen Staffel kam es zu einer Szene, die im Unterhaltungsfernsehen wahrlich nicht jeden Tag passiert: Die Kandidatin Gina-Lisa Lohfink brach weinend zusammen, woraufhin ein von RTL2 bestellter Psychologe auf den Plan trat. Kurz zuvor hatte Andrej Mangold die romantischen Avancen des Models abgewiesen. Schließlich verließ die zu diesem Zeitpunkt stark alkoholisierte 34-Jährige die Sendung.

Mit der Einschaltung des Psychologen gibt der Sender zu verstehen, dass er zum Schutz der Teilnehmer gewisse Vorkehrungen ergreift. Im Hinblick auf frühere Eklats in Realityshows der Privatsender ist dies nicht unbedingt selbstverständlich: In Formaten wie "Das Sommerhaus der Stars" (RTL) oder "Promis unter Palmen" (Sat.1) nahmen Konflikte häufig ihren freien Lauf, Mobbing vor den Kameras wurde beispielsweise nicht konsequent unterbunden. Nun scheint RTL2 ein Zeichen zu setzen und voranzugehen.

Gina-Lisa Lohfink hat sich derweil nach ihrem TV-Aus persönlich zu Wort gemeldet. Auf Instagram ließ sie ihre Follower wissen: "Entschuldigung, ich habe einen über den Durst getrunken. Ich hab sehr starke Filmrisse, kann mich an ein paar Sachen nicht mehr erinnern. Ich hatte zu dem Zeitpunkt auch Schmerztabletten genommen, plus Alkohol, plus Sonnenstich. Es ist einfach nicht in Ordnung. Wenn man zu viel trinkt, seht ihr was passiert, nur Mist kommt dabei raus."

Drama um Gina-Lisa: Das sagt RTL2

Die Blondine gibt sich somit zwar selbstkritisch und hinterfragt auch ihr eigenes Verhalten, doch Fakt ist: Zum Zeitpunkt der Drehs ging es ihr alles andere als gut, die Abweisung durch Andrej Mangold setzte ihr offensichtlich enorm zu. RTL2 ließ das allerdings nicht so stehen, sondern kam der angeschlagenen Kandidatin in diesem kritischen Moment zu Hilfe. Eine Sprecherin des Senders erklärt gegenüber watson:

"Nach den Ereignissen des Abends sind wir dem Wunsch von Gina-Lisa, die Sala zu verlassen, nachgekommen. Sie war in der betreffenden Nacht und auch fortlaufend mit dem anwesenden Psychologen und der Produktionsfirma im Austausch."

Weiterhin bestätigt RTL2, dass der Psychologe nicht nur einmalig wegen eines Notfalls eingeschaltet wurde, vielmehr können die Promis während der Produktion permanent psychologische Betreuung in Anspruch nehmen. "Bei der Produktion standen den Kandidatinnen und Kandidaten rund um die Uhr Psychologen und Psychologinnen, Sala Producer, Kandidatenbetreuende und Aufnahmeleitung zur Verfügung", heißt es demnach ergänzend in der Stellungnahme.

Deutsches Trash-TV am Scheideweg

In vielen Reality-Shows wird im Überfluss Alkohol konsumiert, die manchmal sehr unangenehmen Folgen sehen dann natürlich auch die Zuschauer – Tränenausbrüche oder laute Streitereien inklusive. Trash-TV-Kritiker werfen den Sendern regelmäßig vor, es genau darauf anzulegen und jeden Skandal mitzunehmen.

Zumindest für Sat.1 ging diese mutmaßliche Rechnung zuletzt aber nicht mehr auf, denn nach homophoben Aussagen von Marcus Prinz von Anhalt in "Promis unter Palmen" schien endgültig eine Grenze überschritten zu sein. Die Kritik in sozialen Netzwerken war dabei nicht nur gegen den 54-Jährigen gerichtet, sondern insbesondere auch gegen den Sender, der die Verbalattacke in Richtung von Dragqueen Katy Bähm zunächst unzensiert ausstrahlte und sich dann eher unbeholfen an Schadensbegrenzung versuchte.

Marcus Prinz von Anhalt sorgte bei "Promis unter Palmen" für einen Eklat.
Marcus Prinz von Anhalt sorgte bei "Promis unter Palmen" für einen Eklat.
Bild: screenshot sat.1

Die Weste von RTL2 ist ebenfalls nicht unbefleckt: Kurz nach dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie wurde hier dieses Jahr eine Episode von "Frauentausch" ausgestrahlt, in der eine Teilnehmerin mehrmals mit lesbenfeindlichen Ansagen äußerst unangenehm auffällt. Die Verantwortlichen entfernten die Episode bald darauf bei TVNow, zudem will RTL2 die schon 2003 produzierte Folge fortan nicht mehr ausstrahlen.

Medienexperte: RTL2 hat aus Fehlern gelernt

Nun scheint der Sender bei "Kampf der Realitystars" von vorneherein genauer hinzusehen. Konflikte und Drama gibt es in Staffel zwei zwar durchaus auch, jedoch anscheinend nicht mehr um jeden Preis. So griff in Folge eins bereits für die Zuschauer sichtbar der Produktionsleiter ein, als Rapper Leon Machère ins Meer stürzte, um Koffer von einem Boot zu holen.

Medienexperte Ferris Bühler erkennt deutliche Parallelen, was die Grundausrichtung der mittlerweile abgesetzten Show "Promis und Palmen" und "Kampf der Realitystars" betrifft. Gerade nach dem jüngsten Sat.1-Skandal ergibt es für ihn daher Sinn, dass RTL2 Vorkehrungen trifft - auch wenn der diesjährige Sat.1-Skandal zum Zeitpunkt des Drehs noch lange nicht absehbar war. Gegenüber watson führt er aus:

"Das Format 'Kampf der Realitystars' ist ähnlich gestrickt wie 'Promis unter Palmen', denn auch hier treffen verschiedene Prominente am heißen Strand unter Beimischung von viel Alkohol aufeinander. Dass bei einem solchen Mix das Ausrast-Potenzial relativ groß ist, liegt auf der Hand. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Produktionsfirma sicherlich vorgesorgt hatte und einen Psychologen auf dem Set hatte – nicht zuletzt auch wegen den Hass- und Mobbing-Erfahrungen von ähnlichen Formaten."
Ferris Bühler ist PR- und Medienexperte.
Ferris Bühler ist PR- und Medienexperte.
Bild: Thomas Buchwalder

Allerdings hat Bühler daneben eine nüchterne Erklärung dafür, dass der Psychologe bei "Kampf der Realitystars" offenbar erst relativ spät Gina-Lisa kontaktierte. Der Experte ist sich sicher, der Sender ließ die Szene zunächst laufen, um am Ende eben doch noch ein wenig Profit aus dem Zusammenbruch der Kandidatin zu schlagen: "Da Reality-TV gerade von Dramaszenen lebt, ist auch klar, dass der Psychologe erst im letzten Moment einschreitet, denn schließlich will man die ganze Szene noch sicher 'im Kasten' haben."

Bühlers Fazit lautet sodann: Der Skandal um Gina-Lisa wird dem Format jetzt "noch mehr Aufmerksamkeit" bescheren und "RTL2 sicherlich gelegen kommen." Mehr neugierige Zuschauer, die die aktuelle Folge sehen wollen, seien vorprogrammiert. Der Unterschied zu "Promis unter Palmen" ist aber: Der Shitstorm bleibt aus.

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