Markus Lanz ist überrascht über das, was Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) erzählt.
Markus Lanz ist überrascht über das, was Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) erzählt.
bild:/ screenshot zdf

Lanz hat eine Erkenntnis: "Sie wollen keinem wehtun!"

23.06.2021, 07:1023.06.2021, 07:45
dirk Krampitz

Die CDU hat gerade als letzte der großen Parteien ihr Wahlprogramm vorgestellt – mitten während der EM. Markus Lanz hat sich Tobias Hans, den CDU-Ministerpräsidenten des Saarlandes, eingeladen, um darüber zu sprechen. Aber erstmal geht es um die von der UEFA untersagte Regenbogenbeleuchtung des Münchner Olympiastadions beim Spiel Deutschland-Ungarn. Und da will Tobias Hans mit einem Bekenntnis punkten. Klappt aber nur mittelgut. Folgende Gäste hat sich Markus Lanz ins Studio geladen:

  • Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes (CDU)
  • Robin Alexander, Stellvertretender "Welt"-Chefredakteur
  • Lucas Vogelsang, Sportjournalist
  • Christina Berndt, "SZ"-Wissenschafts-Redakteurin

Vor einer Woche billigte das ungarische Parlament ein Gesetz, das u.a. die Thematisierung von Homosexualität in Filmen und Büchern für Jugendliche verbieten soll. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen des Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Der besucht heute das EM-Spiel Deutschland-Ungarn in München und auf Twitter machte die Idee die Runde, das Stadion als LGBT-Solidaritätszeichen in Regenbogenfarben leuchten zu lassen. Erstaunlich schnell fanden sich Unterstützer in der Politik. Darunter auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Die UEFA, die seit einigen Jahren immer wieder Spots und Aktionen für Diversität und gegen Rassismus produziert, hat es allerdings untersagt. Begründung: Sie sei politisch neutral. Tobias Hans findet das nicht gut. "Ich finde es total schade, dass es nicht erstrahlen wird", sagt er. Das Gesetz und die damit einhergehenden Einschränkungen seien eine "himmelschreiende Ungerechtigkeit“.

"Man kann nicht glauben, Mitglied der Europäischen Union zu sein und dass solche Schritte nicht kommentiert werden."
Tobias Hans

Kommentieren kostet ja nichts. Frei nach diesem Motto sagt Lanz ihm, dass ja eine gewisse Nähe von Orbán zur Union zumindest bestanden hat. Im Hintergrund sind Fotos von Markus Söder, Horst Seehofer und Victor Orbán zu sehen aus dem CSU-Wahlkampf von 2018, wo sich die beiden Bayern mit dem ungarischen Hardliner geschmückt haben. Aber zumindest für sich selbst weist Tobias Hans jede Nähe zurück. "Ich habe die Weihnachtskarten, die Herr Orbán mir geschickt hat, in den Müll geworfen." Verwundert fragt Markus Lanz: "Wirklich?". Eine Antwort bekommt er nicht. Man weiß gar nicht, was überraschender ist: Dass Orbán noch Weihnachtskarten und keine Mails verschickt? Dass Karten irgendwann im Altpapier landen? Oder dass der ungarische Regierungschef auch den Ministerpräsidenten des kleinsten deutschen Bundeslandes (neben den Stadtstaaten) in seinem offenbar sehr umfangreichen Weihnachtsverteiler hat.

Orbáns Fidesz-Partei saß zusammen mit der Union in der Fraktion der christdemokratischen Europäischen Volkspartei (EVP), bevor Orbán im März ausgetreten ist, was CDU-Chef Armin Laschet gerne verhindert hätte, wie Lanz anmerkt. Und auch Hans glaubt, man müsse "in Kontakt bleiben", um etwas zu verändern. Außerdem habe man bei Orbán "nicht alles voraussehen" können. "Meinen Sie das ernst?", fragt Lanz entsetzt. Denn fest steht, dass Viktor Orbáns Politik zwar den Rest von Europa immer mal wieder überrascht hat. Aber nie positiv. Auch schon vor drei Jahren nicht.

Lanz' Sidekick, Robin Alexander von "Die Welt".
Lanz' Sidekick, Robin Alexander von "Die Welt".
bild: screenshot zdf

Robin Alexander, stellvertretender "Welt"-Chefredakteur, bemerkt spöttisch, die Entwicklung des CDU-Interesses für LGBT-Themen sei "historisch eine sehr junge". 2017 hätte die Union gegen die Ehe für alle gestimmt. "Ein bisschen kommt es mir so vor, dass die Leute, die sich schwer damit getan haben, die Hand dafür zu heben und zu dafür zu stimmen, sehr schnell damit sind, auf andere zu zeigen." Der Politik-Journalist übernimmt – wie immer, wenn er eingeladen ist – die Sidekick-Rolle bei Lanz. Zusammen nehmen sie Tobias Hans in die Zange. Alexander wirft ihm puren Populismus beider Weihnachtskartengeschichte vor, aber Hans beteuert, er hätte kein Foto mit Orbán gemacht, auch nicht vor drei Jahren. Ob man die Entwicklung Orbáns also doch hatte ahnen können? "Man konnte es nicht in dieser Ausprägung sehen – aber es war immer ein schwieriger Umgang. Es ist wirklich sehr komplex, sich diesem Sachverhalt zu stellen."

Warum sich denn nichts zum Adoptionsrecht für Homosexuelle im CDU-Parteiprogramm finde, will Lanz wissen. Und Robin Alexander stichelt in Richtung Tobias Hans. "Wenn es ihnen so wichtig ist, hätte es auf 140 Seiten noch irgendwo reingepasst.“ Er vermutet, dass die CDU keine konservativen Wähler verschrecken will und sich darum solche Dinge dann lieber von einem künftigen Koalitionspartner abhandeln lässt. "Sie haben ein Programm gemacht, dass möglichst wenig Leuten wehtut", mutmaßt Robin Alexander. Und Markus Lanz gefällt diese Formulierung so gut, dass er sie diverse Male wiederholt. "Sie wollen keinem wehtun!" Indirekt gibt Hans nach dem gefühlt 12 Mal weichgeklopft auch zu. "Wir wollen ja weiterregieren."

Lucas Vogelsang sieht eine verpasste Chance.
Lucas Vogelsang sieht eine verpasste Chance.
bild: screenshot zdf

Der Sportjournalist Lucas Vogelsang bemängelt, dass man das Münchner Olympiastation nicht ganz einfach bei allen Spielen im Pride-Monat rund um den Christopher Street Day regenbogenfarben beleuchtet hat. Dann wäre es ein Zeichen für Diversität und keines explizit gegen die ungarische Politik gewesen. So aber sei es eine Steilvorlage für die UEFA und ihre Begründung durchs Neutralitätsgebot gewesen, um es sich mit dem ungarischen Ministerpräsidenten nicht zu verderben. "Es ist ein Kniefall vor Orbán, das hier zu verbieten", sagt er. Der ungarische Regierungschef lasse für die UEFA nun alle Zuschauer ins Stadion, wohingegen er zur Flüchtlingskrise Zäune errichtet und niemanden reingelassen habe.

„SZ“-Wissenschafts-Redakteurin Christina Bernd macht sich Sorgen wegen der möglichen Infektionen beim Fußball.
„SZ“-Wissenschafts-Redakteurin Christina Bernd macht sich Sorgen wegen der möglichen Infektionen beim Fußball.
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Es stimmt: Einzig in Budapest darf das Stadion während der EM vollbesetzt werden. Auch in abflauenden Pandemiezeiten kann das einem durchaus Sorgen bereiten. "SZ"-Wissenschafts-Redakteurin Christina Bernd ärgert sich über die "unfassbare Diskrepanz", dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon jetzt die Vermutung geäußert hat, nach den Sommerferien würde in den Schulen noch immer Ausnahmezustand herrschen. Und der Fußball findet derzeit vergleichsweise sorglos statt.

London, wo das Endspiel stattfindet, hat derzeit eine hohe Inzidenz von fast 100. Dabei sind 61 Prozent der Engländer mindestens einmal geimpft. Das Problem ist allerdings, erst die zweite Dosis hilft gegen die aus Indien stammende und sich schnell ausbreitende Delta-Variante des Corona-Virus. Und vor diesem Hintergrund steht für Bernd fest:

"Ganz klar, das ist ein Feuer für die Pandemie, was wir gerade machen."
Christina Bernd

Sie geht davon aus, dass nach den Ferien an den Schulen weiter regelmäßig getestet wird und auch Masken getragen werden müssen.

Diss nach "Promi Big Brother"-Finale: Bauer Uwe meldet sich erneut zu Wort

Melanie Müller konnte vor einer knappen Woche das Finale von "Promi Big Brother" für sich entscheiden. Sie verwies Bauer Uwe, der zwar wahnsinnig viel Fan-Rückhalt hatte, jedoch offenbar nicht genug, auf den zweiten Platz. Doch nur kurz nach der Final-Show überraschte der einstige "Bauer sucht Frau"- und "Sommerhaus der Stars"-Kandidat offenbar mit plötzlicher Überheblichkeit.

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