Draeger, der Zonk und Co-Moderator Boschmann (v.r.): Das Revival der Kultsendung "Geh aufs Ganze!" kam sehr gut an.
Draeger, der Zonk und Co-Moderator Boschmann (v.r.): Das Revival der Kultsendung "Geh aufs Ganze!" kam sehr gut an. Bild: dpa / Frank Hempel
Meinung

"Stifte raus, es wird Fernsehgeschichte geschrieben": So war die erste "Geh aufs Ganze!"-Sendung nach 20 Jahren

27.11.2021, 14:10
Andrea Zschocher

In diesen Wochen wird quer durch alle TV- Sender die Nostalgie- und Comeback-Welle ausgerufen, dass einem schwindelig wird. Nach "Wetten dass?!..." und „TV Total" weht nun also auch ein alter-neuer Wind bei Sat.1. "Geh aufs Ganze!" ist wieder da. Die Älteren werden sich vielleicht erinnern: Vor fast 30 Jahren, 1992 startete diese Sendung in Sat.1, schon damals moderiert von Jörg Draeger.

Nach einem Moderatoren- und Senderwechsel hauchte Draeger der Show dann noch mal bis Dezember 2001 (mit kleinem Comeback in 2003) Leben ein. Anschließend wurde es ruhig um die Sendung und den Moderator. Bis der dieses Jahr bei "Promi Big Brother" wieder auftauchte. Und es zeichnete sich ja ein bisschen ab: Wann, wenn nicht jetzt, wo Draeger wieder in die öffentliche Wahrnehmung rutschte, sollte es einen neuen Anlauf geben, die Show wiederzubeleben. Nun also, nach 20 (!) Jahren Sendepause, ist der Zonk, vor allem aber Jörg Draeger in seiner Rolle als Zocker der Nation wieder zurück.

"The Lord of Zock" is back!

"Stifte raus, es wird Fernsehgeschichte geschrieben", prophezeite Co-Moderator Daniel Boschmann, bei dem nicht ganz klar war, was genau da eigentlich seine Aufgabe war. Die Leute für die Spiele ranholen? Oder die Preise anmoderieren? "The Lord of Zock", wie Boschmann Draeger ankündigte, hätte die moderierende Unterstützung jedenfalls eigentlich nicht gebraucht. Denn genauso schlitzohrig-charmant wie vor 20 Jahren führte er auch jetzt durch die Sendung, versuchte die Kandidatinnen und Kandidaten aufs Glatteis zu führen oder zu locken, eine andere, als die gewählte Entscheidung weiterzuverfolgen.

Viele der Spiele waren direkt den 90ern entsprungen, hatten nur coolere Namen bekommen. "Smash for Cash" klingt einfach aufregender als "Sparschwein schlachten", auch wenn das letztlich genau das war, was passierte.

Endlich normale Menschen im TV

Wovon die Sendung, neben Jörg Draeger, der in den 20 Jahren überhaupt nicht gealtert zu sein scheint und nach wie vor über beneidenswert tolle Haare verfügt, lebte, waren natürlich die Kandidatinnen und Kandidaten. Es ist unglaublich erfrischend, mal Menschen zu sehen, die total normal sind, keinen Instagram- oder Youtube-Channel bewerben wollen, sondern mitten im Leben stehen und einfach Lust am Spiel haben. Das fiel auch dem Publikum an den Bildschirmen auf:

Dazu kam, dass auch manche Preise, die es an diesem Abend zu gewinnen gab, herrlich abgedreht und ein bisschen wie aus der Zeit gefallen wirkten. Vor 20 Jahren war eine Bügelstation vielleicht (!) mal der Hit, aber heute, wo in Shows gern mal drei Autos an einen Gewinnenden verlost werden, einfach ein, beziehungsweise zwei Bügelstationen als Preis anzubieten, das machte beim Zugucken auch Spaß. Vermutlich hätte sich auch nicht jeder über einen XXL- Strandkorb oder einen Wohnwagenanhänger fürs Fahrrad gefreut. Aber alle Preise wirkten, trotz ihrer Hochwertigkeit recht normal und greifbar. Das Publikum freute sich jedenfalls mit den Gewinnern genauso wie mit den Verlierern, denn natürlich ist der Zonk inzwischen auch Kult.

Go home mit dem Zonk

Kandidatin Silke, Raumpflegerin aus Lingen, hatte sich in ihrem Würfelspiel, neudeutsch "Go big or go home", verzockt. Der Moderator wollte das Elend noch aufhalten und erinnerte sie daran: "Wie lange musst du putzen für 1250 Euro?". Silke lachte, die Spielfreude war ihr deutlich anzumerken und meinte trocken: "Dann schicke ich meinen Mann ein bisschen mehr arbeiten." Auch der grinste, während der Moderator große Freude an dieser Form der Interaktion hatte. "Das hat so Spaß gemacht", rief er Silke hinterher, als sie mit ihrem Zonk wieder Platz nahm und gar nicht mal so unglücklich darüber wirkte.

Ein paar Neuerung gab es für "Geh aufs Ganze" 2021 dann aber doch. Es wurden sogenannte "Quickdeals" gespielt, bei denen es Konzertkarten zu gewinnen gab, sowie 500 Euro Taschengeld. Auf das Geld schienen die Spielenden mehr Lust zu haben als auf die Tickets zu Rea Garvey, "Holiday on Ice" oder den "12 Tenors". Für die Rea Garvey-Tickets etwa suchte Draeger gezielt nach Menschen, die dem Sänger nicht unbedingt wohlwollend gegenüberstehen. Wer drei von fünf Fragen richtig beantworten konnte, gewann den Quickdeal, das war allerdings so einfach, wie es das TV-Publikum aus diversen Vor-der-Werbung-nochmal-schnell-anrufen-Fragen gewohnt sein dürften. Apropos Werbung, davon gab es reichlich, sowohl in der Sendung, alle Preise waren ja von verschiedenen Firmen zur Verfügung gestellt worden, als auch Werbeblöcke. Da musste man als Zuschauende schon ehrlich leidgeprüft sein. Hat Jörg Draeger so gut mit dem Sender verhandelt, dass der nun auf diese Art die Kohle fürs Gehalt zusammenkratzen muss?

"Geh aufs Ganze ist keine Benefizsendung"

Gleichgeblieben ist der "Big Deal" am Ende einer Sendung. Vier der acht Teilnehmenden wollten die Chance auf das Auto haben, Studentin Selina durfte dann ihren 2000-Euro-Reisegutschein setzen. Der Moderator wunderte sich über diese Entscheidung, aber die Erklärung der Frankfurterin überzeugte ihn. "Ich bin mit nichts gekommen und es ist ok, wenn ich mit nichts wieder gehe." Das sollte sich dann auch bewahrheiten, sie verpasste die Chance aufs 48.000 Euro teure E-Auto und erspielte sich einen Zonk. "Geh aufs Ganze ist keine Benefizsendung", wie Jörg Dräger mit einem Schmunzeln festhielt. Das dürfte auch vielen Zuschauenden im Gesicht geblieben sein, denn die Sendung war eine willkommene Abwechslung im TV- Einheitsbrei. Irgendwie harmlos aber freundlich, anregend aber nicht aufgeregt, spitzbübisch aber nicht gemein. Es wurde niemand vorgeführt, peinlich gemacht oder für fehlende Leistung hofiert, wie das in vielen Formaten sonst der Fall ist. "Geh aufs Ganze!" war ein harmloser Spaß, der für zweieinhalb Stunden Kopfabschalten und Spielfreude sorgte.

Liebe zu "Geh aufs Ganze!"

Es wurden keine Neidgefühle geweckt, sondern bestenfalls ein sportlicher Wettbewerb und der Wille der Menschen im Publikum, auch mal mit Jörg Draeger zu zocken. Von Daniel Boschmann gefragt, was ihm dieses Comeback, das zunächst nur für drei Sendungen geplant ist, bedeutet, sagte der 76- Jährige, die Reihenfolge von wichtigen Dingen in seinem Leben sei: "1.Familie 2. Meine Jakobswege 3. Diese Sendung". Und genau diese Liebe zur Show, die hat man an diesem Abend auch deutlich gespürt.

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