Online-Shopping ist bequem, Umwelt-Aspekte mal außen vor gelassen. Was aber, wenn der bestellte Gegenstand nicht passt? Vielen Kund:innen ist das Zurückschicken zu aufwändig. Auch dann, wenn es ohnehin kostenlos ist.
Amazon will die Retouren-Abwicklung mit noch weniger Hürden versehen und probiert ein neues Modell aus. Wer eine Bestellung reklamieren möchte, muss sie nicht mehr zwingend zurückschicken. Stattdessen gibt es in bestimmten Fällen eine Teilrückerstattung. Das Ziel: weniger Aufwand für die Käufer:innen – und gleichzeitig weniger Kosten für Amazon.
"Wir wollen die Produktrückgabe für unsere Kundinnen und Kunden bequemer machen", teilte der Konzern auf Anfrage von "Golem" mit. Kund:innen, die eine Rückgabe starten, bekommen in "bestimmten Fällen" die Möglichkeit, einen Teil des Kaufpreises direkt zurückzuerhalten – und das Produkt trotzdem zu behalten.
Wie Amazon entscheidet, wann diese Option angezeigt wird, bleibt unklar. Laut Unternehmen spielen Kriterien wie Artikelgröße, Preis oder der Rückgabegrund eine Rolle. Auf der Hilfeseite von Amazon ist die Neuerung bislang nicht dokumentiert. Erste Erfahrungsberichte zeigen aber, dass sie bereits getestet wird. Die Teilrückerstattung wird direkt im Kundenkonto angezeigt, ohne dass man den Support kontaktieren muss.
Noch sind die Summen überschaubar. Das Fachmagazin "Onlinehändler-News" testete die neue Funktion und erhielt maximal 2,99 Euro – selbst bei Büchern. Problematisch: Die Buchpreisbindung könnte solche Rabatte in Deutschland verbieten.
Ein weiteres Beispiel nennt "Caschys Blog": Für ein Smart-Home-Gerät im Wert von 100 Euro bot Amazon 8,40 Euro Rückerstattung an. Das entspricht knapp 8,5 Prozent Preisnachlass. Auf Nachfrage wollte sich Amazon nicht festlegen: "Dazu haben wir keine Ankündigung gemacht", teilte das Unternehmen gegenüber "Golem" mit.
Offiziell spricht Amazon davon, dass Kund:innen "Zeit und Aufwand für die Rücksendung" sparen. Unausgesprochen profitiert natürlich auch der Konzern selbst: Retouren verursachen hohe Kosten und kommen mit viel Logistik-Aufwand daher. Immerhin könnte die neue Abwicklung positive Effekte auf die Umwelt haben. Schließlich verursachen die vielen Retouren auch Emissionen.
Trotz der neuen Option bleibt der klassische Rücksendeweg bestehen. Wer die Teilrückerstattung wählt, kann das Produkt innerhalb der Frist auch weiterhin einschicken und erhält dann die restliche Summe.