Durch den Krieg gegen die Ukraine werden Holzpaletten knapp, um Waren zu transportieren. Es fehlt nicht nur am Holz, sondern auch an den Nägeln um sie zu produzieren.
Durch den Krieg gegen die Ukraine werden Holzpaletten knapp, um Waren zu transportieren. Es fehlt nicht nur am Holz, sondern auch an den Nägeln um sie zu produzieren.Bild: imago stock&people / Olaf Döring

"Ausfälle werden echtes Thema sein": Wie der Nagelmangel die Versorgung der Supermärkte bedroht

22.04.2022, 11:07

Wer in den letzten Wochen Pflanzenöl oder Mehl kaufen wollte, stand im Supermarkt oftmals vor leeren Regalen. Schuld sind Lieferengpässe aus Russland und der Ukraine durch den Krieg, aber auch Hamsterkäufe. Jetzt könnte ein weiterer Rohstoffmangel die Versorgung in den Supermärkten bedrohen: Es fehlt an Nägeln.

Und zwar nicht an irgendwelchen Nägeln, die man notfalls auch im Baumarkt besorgen könnte. Es fehlen ganz bestimmte Nägel, sogenannte Konvexringnägel. Und diese werden vor allem für Paletten benötigt. Für Paletten, auf denen die Waren zum Beispiel in die Supermärkte transportiert werden.

Die Paletten werden benötigt, um Waren zu transportieren.
Die Paletten werden benötigt, um Waren zu transportieren.Bild: dpa / Daniel Vogl

Und schon für eine Europalette braucht man ganz schön viele davon. "In einer Europalette stecken 78 Nägel in drei unterschiedlichen Längen, sechs bis acht Gramm schwer", sagt Marcus Kirschner, Geschäftsführer des Bundesverbands Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung, kurz HPE gegenüber der "Süddeutschen Zeitung (SZ)".

Lieferketten noch durch Corona-Pandemie geschwächt

Das Problem: Die Preise dafür seien in den letzten Monaten schon stark gestiegen und seit dem Angriffskrieg blieben die Lieferungen teilweise komplett aus. Hinzu komme, dass sich die Weltwirtschaft auch noch nicht von der Corona-Pandemie erholt habe, erzählt Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft IfW gegenüber der "SZ".

"Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren weniger Angebot durch ausfallende Transporte aus China und Container-Knappheit. Und auf der anderen Seite auch eine irrsinnig hohe Nachfrage nach Konsumgütern", erzählt Gern. Denn statt für Urlaube wäre mehr Geld für Waren ausgegeben worden. Nun käme noch der Krieg und die Sanktionen hinzu, erklärt er.

Ohne Paletten ist der Transport von Waren erschwert

Momentan fällt zudem eines der größten Stahlwerke Europas in der Ukraine aus. Weil andere Produzenten jetzt eh schon bis zum Anschlag arbeiten, könnten sie diesen Ausfall nicht ausgleichen.

In den kommenden Wochen könnten also manche Produkte allein schon deshalb knapp werden, weil die Paletten für den Transport fehlen. Dabei ginge es nicht nur darum, dass mal für einen begrenzten Zeitraum Toilettenpapier oder Mehl knapp wird, erklärt Marcus Kirschner. Die Paletten würden auch für den Transport von zum Beispiel Maschinen oder Impfstoffen benötigt.

"In den nächsten Wochen werden solche Ausfälle ein echtes Thema sein."
Klaus-Jürgen Gern (Kieler Institut für Weltwirtschaft IfW) gegenüber der "Süddeutschen Zeitung"

Und nicht nur Nägel werden laut Marcus Kirschner knapp, auch das Schnittholz, aus dem Paletten hergestellt werden. Etwa ein Zehntel davon kam bisher aus Russland, der Ukraine und Belarus.

Auch Klaus-Jürgen Gern schätzt: "In den nächsten Wochen werden solche Ausfälle ein echtes Thema sein."

Welche Produkte außerdem knapp werden

Auch Dünger könnte schwerer zu bekommen sein, weil Phosphor und Kalium aus Russland kommen. Außerdem FFP2-Masken, Damenbinden, Windeln und Desinfektionstücher, weil die Rohstoffe teurer und knapper werden.

Auch Winzer bangen, weil es an Weinflaschen fehlt. Neben Glasfabriken sei auch Europas größte Sektkapselfabrik zerstört worden, sagt ein Sprecher des Bundesverbands Glasindustrie der "SZ". Wegen der Knappheit bei Weizen, Sonnenblumenöl und Nüssen leidet auch die Süßwarenindustrie.

Flaschenknappheit: Winzer müssen momentan für Weinflaschen mehr bezahlen.
Flaschenknappheit: Winzer müssen momentan für Weinflaschen mehr bezahlen.Bild: dpa / Philipp von Ditfurth

Müssen wir jetzt sehr lange auf all diese Produkte verzichten? "Ein paar Monate wird es in Deutschland insgesamt Ausfälle von Produkten geben. Das System ist aber gut darin, sich anzupassen, und sich Dinge woanders zu organisieren", sagt Gern weiter, "Das dauert aber – und wird eindeutig teurer."

(and)

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