Ob Wandern in den Alpen, Baden im See oder ein Abend im Gasthaus: Österreich zählt für die Deutschen zu den beliebtesten nahegelegenen Reisezielen im Sommer. Vor allem im ländlichen Raum locken traditionelle Wirtshäuser, in denen Gäste noch regionale Küche und frisch gezapftes Bier bekommen. Doch genau dort sorgt nun ein ungewöhnliches Preismodell für Schlagzeilen.
Wer im Biergasthof Riedberg im oberösterreichischen Ried im Innkreis nach Mitternacht noch bestellt, muss tiefer in die Tasche greifen. Der Wirt hat die Preise um bis zu 50 Prozent angehoben.
Online löst das hitzige Diskussionen aus. Einige Gäste fühlen sich abgezockt, andere können den Schritt nachvollziehen. Der Betreiber selbst hält die Maßnahme für unumgänglich und verweist auf klare Regeln, die bereits seit Jahren gelten.
Im Kleingedruckten auf der Speisekarte steht, was viele übersehen: Ab 0 Uhr wird ein Zuschlag berechnet. Ein halber Liter "Zusers Bürgerbräu" steigt dann von 6,20 Euro auf 8,40 Euro. Auch bei den Speisen greift die Regelung: Für Hauptgerichte werden pauschal zwei Euro mehr fällig. Die Begründung: gesetzliche Zuschläge.
Denn nach 22 Uhr und bei Überstunden fallen für das Personal mindestens 50 Prozent zusätzlich an. "Um die damit verbundenen Mehraufwendungen besser stemmen zu können, sind wir gezwungen, unsere Preise nach Küchenschluss moderat anzuheben", heißt es auf der Website des Hauses.
Karl Zuser, Betreiber des Gasthauses und diplomierter Biersommelier, widerspricht den Vorwürfen, er kassiere doppelt ab. "Die Behauptung, dass es zwei Preiserhöhungen gäbe, ist falsch. Es gibt nur eine Anpassung: nach Mitternacht. Davor gilt der normale Preis", sagte er gegenüber der "Bild".
Eigentlich endet die Bewirtung um 22 Uhr. Dann ist Sperrstunde, die Zuser selbst festgelegt hat. Für Stammgäste und Hotelbesucher:innen mache er jedoch regelmäßig Ausnahmen. Wenn dann nach Mitternacht noch Getränke oder Essen geordert werden, tritt die Preisregel in Kraft.
Die Ankündigung löste online einen regelrechten Shitstorm aus. Viele User:innen kritisieren den vermeintlichen "Abzocke-Aufschlag". Doch Zuser zeigt sich unbeeindruckt: "Wir möchten die Sperrstunde um Mitternacht konsequent einhalten, weil wir ab 6 Uhr früh wieder für unsere Hotelgäste da sind."
Nur wer ausdrücklich länger bleiben wolle, müsse mit höheren Preisen rechnen. Zur Entlastung bietet er sogar Alternativen: Gäste können sich am Kühlschrank im Eingangsbereich weiterhin zum Normalpreis bedienen. Wem das nicht passt, empfiehlt der Wirt schlicht "den Besuch in einem der vielen Nachtlokale in der Innenstadt".