Schon gewusst? Einige Wandfarben enthalten tierische Bestandteile (Symbolbild).
Schon gewusst? Einige Wandfarben enthalten tierische Bestandteile (Symbolbild).
Bild: OJO Images RF / Paul Bradbury
watson-Kolumne

Tierische Produkte an meiner Wand? Wie ich lernte, auch beim Streichen auf den "vegan"-Hinweis zu achten

22.09.2021, 15:5323.09.2021, 14:28
Theresa Schwab
Theresa Schwab
Folgen

"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben

Neben meinem Job als Journalistin beschäftige ich mich viel mit Design – mit Möbeln, Stoffen, Accessoires oder neuen Farbtrends. Manchmal schreibe ich darüber, manchmal lasse ich mich auf Messen inspirieren, manchmal plane ich mit einer befreundeten Innenarchitektin Wohnräume, häufig arbeite ich an meinem zukünftigen Design-Onlineshop und ab zu werde ich selbst tätig. Dann streiche ich Wände, lasse Vintage-Sessel neu beziehen oder treffe die Entscheidung, dass eine Holzkommode farbig lackiert werden sollte.

Mein letztes, großes Do-it-yourself-Projekt bestand darin, mehreren Zimmern einen neuen Farbanstrich zu verpassen. Ich bestellte unzählige Farbproben, bis ich endlich den richtigen Ton gefunden hatte, der bei den Lichtverhältnissen des jeweiligen Raumes meine Vorstellung traf. Bei der Suche nach der perfekten Wandfarbe konzentrierte ich mich auf bekannte Qualitätsmarken, die mit ihrem hohen Kreideanteil und einem intensiven aber matten Farbergebnis unter Interior-Fans bekannt geworden waren.

Über die Autorin...
As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

Es wurden unfassbar teure Probedosen von Marken geliefert, die größtenteils aus Großbritannien stammten. Ich probierte aus und tüftelte ewig herum, bis ich mich für unterschiedliche Hersteller entschied: ein dunkles Blau von Farrow & Ball, ein Aquamarin von Little Green, ein Senfgelb von Designer’s Guild, ein Candy-Violett von Sanderson. Nur mit dem Altrosé traf keine der luxuriösen Marken meinen Wunschton. Am Ende wurde es "Hortensie" von Schöner Wohnen, deren Werbeanzeige für genau diesen Ton ich in einem Magazin entdeckt hatte.

Einen Teil der Wände strich ich selbst. Die dunklen Töne ließ ich professionell mit Airbrush-Technik anbringen. Und dann las ich einen Artikel mit der Überschrift "Sind vegane Wandfarben der neue Interiortrend?" Davon abgesehen, dass vegan kein Trend, sondern eine Überzeugung sein sollte, machte mich der Begriff vegan in Kombination mit Wandfarbe stutzig. Nach ausgiebiger Lektüre stand fest: Herkömmliche Wandfarben können Schellack (Ausscheidung der Lackschildlaus), Ochsengalle oder Kasein (Milchprotein) als Bindemittel enthalten. Außerdem werden Farbstoffe wie Karmin, gewonnen aus Cochenilleläusen, eingesetzt. Weiter lese ich, dass neben den tierischen Pigmenten die Wandfarben zum Teil an Tieren getestet werden. Und auch Malerzubehör wie Pinsel und Farbrollen sind nicht automatisch vegan.

Wenig Auswahl für vegane Wandfarbe

Welche tierischen Bestandteile hatte ich also soeben an die Wand gepinselt? Und welche Farbalternativen gibt es für die Zukunft? Die Recherche ergibt: Bei Farrow & Ball sind zumindest die beliebtesten Farben, darunter die Estate Emulsion, die ich benutzt hatte, vegan. Little Green ist laut eigenen Angaben komplett vegan. Designer’s Guild ebenfalls. Glück gehabt. Nur zu Sanderson finde ich keine Angaben. Ebenso bei den Schöner Wohnen-Farben. Selbst bei der mineralischen Naturell-Linie von Schöner Wohnen fällt nicht einmal der Begriff vegan – und welcher Hersteller würde das nicht erwähnen?

Der deutsche Markt ist sehr begrenzt. Die typischen Farben aus dem Baumarkt tragen zumeist kein Vegan-Label. Bei der konkreten Vegan-Suche stoße ich auf Auro, Volvox, Horst und Kreidezeit. Auro überrascht mich mit über 800 Farbtönen, darunter auch kräftigere Töne, die nicht ausschließlich den typisch zarten Naturtönen entsprechen. Bei Kreidezeit müssen die Farbpigmente selbst angerührt und mit einem Vollton-Bindemittel im richtigen Verhältnis gemischt werden. An dieser Stelle bin ich raus. Volvox bietet bis auf die Kasein-Wandfarben ebenfalls pflanzlich basierte Farben an – und die Farbpalette ist groß. Horst hat lediglich 40 matte Wandfarben im Sortiment.

Im Ausland ist die Auswahl extravaganter Farbanbieter größer: Neben den britischen Marken Little Green, Farrow & Ball, Designer’s Guild und Zoffany ist The Organic & Natural Paint Co vor allem berühmt geworden, da Harry und Meghan das Kinderzimmer ihres Sohnes mit einer Wandfarbe dieser Marke gestrichen hatten. Victory Colors bietet zudem eine Vegan Paint Collection an.

Angenommen, ich würde mich das nächste Mal für den deutschen Hersteller Auro entscheiden. Das Problem? Extrem intensive Töne mit Tiefenwirkung fehlen hier. Und somit wären wir mal wieder, ähnlich wie bei Modethemen, bei der Tatsache, dass für deutsche vegane Zeitgeist-Produkte bezüglich angesagter Interior- oder Fashion-Trends noch viel Potential besteht. Deshalb mein Aufruf für heute: Gründet! Forscht! Experimentiert!

Virologe Drosten: Warum eine Erkältung immun gegen Corona machen könnte

Eine tolle Nachricht: Einige Virologen gehen inzwischen davon aus, dass es Menschen gibt, die unbemerkt immun gegen Covid-19 wurden, weil sie in der Vergangenheit eine (vergleichsweise harmlose) Corona-Erkältung durchlaufen haben. Im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" erklärt Christian Drosten, was es mit dieser neuen Theorie auf sich hat.

"Es ist durchaus so, dass wir damit rechnen, dass es möglicherweise eine unbemerkte Hintergrunds-Immunität gibt – durch die Erkältungscoronaviren. Denn die …

Artikel lesen
Link zum Artikel