COLOGNE, GERMANY - JUNE 02: Gil Ofarim and Ekaterina Leonova stay together after the semi final of the tenth season of the television competition 'Let's Dance' on June 2, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Lukas Schulze/Getty Images)

Ekaterina Leonova und Gil Ofarim tanzten 2017 bei "Let's Dance". Bild: Getty Images Europe / Lukas Schulze

Gil Ofarim spricht über problematische Zeit bei "Let's Dance": "Hätte ich mir sparen können"

Gil Ofarim bringt an diesem Freitag ein neues Musikvideo heraus: Der Song "Vom Ende der Traurigkeit" entstand bereits 2019, nun wurde er überarbeitet – auch, weil Gil die Hoffnung nach monatelangen Corona-Maßnahmen und der Pandemie nicht aufgibt. Dass der dazugehörige Musikclip für Aufsehen sorgen wird, das wusste der 38-Jährige aber schon vor dem Release. Zu sehen ist er darin erstmals seit seiner "Let's Dance"-Teilnahme 2017 wieder mit seiner damaligen Tanzpartnerin Ekaterina Leonova.

Die RTL-Show bereitete Gil allerdings nicht nur Freude und das, obwohl er in der Staffel "Dancing Star" geworden ist. Es entstand ein riesiger Medienrummel um den Musiker, weil die Presse wegen ihrer leidenschaftlichen Performances auf dem TV-Parkett mehr zwischen ihm und der Tänzerin vermutete. Das Jahr 2017 hätte auch abseits dessen nicht turbulenter für Gil sein können, denn er wurde zum zweiten Mal Vater, seine Ehe ging schließlich aber doch in die Brüche. Sein eigener Vater, der Sänger Abi Ofarim, lag zudem im Sterben.

Mit watson spricht Gil nun über die neue Single, rechnet mit den Medien zu seiner "Let's Dance"-Zeit knallhart ab, erklärt, was ihm momentan als Bühnenstar mit israelischen Wurzeln im Internet widerfährt und gibt Einblicke in den schwierigen Entstehungsprozess seiner Biografie "Die Freiheit in mir", die am 1. Juni erscheint – denn ein Buch über sich selbst wollte der "38-Jährige eigentlich partout nicht schreiben.

watson: Auf deinem Youtube-Kanal herrscht vermeintlich Stillstand seit einem Jahr. Was ist in den vergangenen Monaten bei dir passiert?

Gil Ofarim: Stillstand gibt es nicht, Stillstand ist Tod. Ich hatte einen Mega-Start ins Jahr 2020. Ich habe 2019 das Album "Alles auf Hoffnung" aufgenommen, das mir sehr viel bedeutet hat, weil ich die letzten drei, vier Jahre sehr viel erlebt und durchlebt habe. Musik ist mein Ein und Alles und auch mein Ventil. Das Album, auf das ich sehr stolz bin, ging von null auf fünf in die Charts, was ich in Deutschland seit fast 20 Jahren nicht mehr hatte. Es sah super rosig aus, es gab eine kleine Tour – und dann kam Corona. Dann war’s vorbei. Aber das ging ja allen so, es gibt kein ich, sondern nur wir.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe erstmal lernen müssen, das zu akzeptieren und dann haben wir für die Leute jeden Freitagabend um 19.30 Uhr die "Alles auf Hoffnung"-Livesessions gemacht. Dazu habe ich völlig dilettantisch zwei Handys nebeneinandergestellt. Auf einem Kanal lief Facebook, auf dem anderen Instagram. Ich habe parallel auf "live" gedrückt und 20 Wochen lang jeden Freitag Konzerte auf Social Media gegeben, Songs aus dem Album gespielt, moderiert, Gewinnspiele gemacht, einfach die Leute entertaint, und gleichzeitig hat es auch uns gutgetan. Es gab zwar auch Konzerte mit Abstand und Hygienemaßnahmen, aber ansonsten habe ich mein Buch geschrieben – etwas, das ich nie machen wollte.

Bevor wir zu deinem Buch kommen, zunächst zu deiner Single "Vom Ende der Traurigkeit". Vor allem das Video dazu ist spannend…

Ich dachte mir, klar könnten wir jetzt das fünf millionste Musikvideo machen, bei dem Männer in Lederjacken wild zu einem Playback-Song rumhüpfen, aber da hatte ich keinen Bock drauf.

"Wie du dir vorstellen kannst, wird die gesamte Presse wieder durchdrehen, denn ich tanze in dem Video mit Katjuscha."

Stattdessen hast du dieses Mal etwas ganz anderes gemacht.

Richtig, gerade wegen Corona war es auch eine Budget-Frage, mit Abständen, Locationwechseln und so weiter. Dann kam mir die Idee, dass ich ein Video machen könnte, in dem ich das mache, was ich schon immer machen wollte: tanzen. Nicht rocken oder posen, sondern tanzen. Das haben wir jetzt gemacht und da bin ich auch sehr, sehr stolz drauf.

In dem Video spielt Ekaterina Leonova, deine "Let's Dance"-Tanzpartnerin, eine große Rolle.

Wie du dir vorstellen kannst, wird die gesamte Presse wieder durchdrehen, denn ich tanze in dem Video mit Katjuscha. Es ist ein sehr, sehr schönes Video geworden, denn es war eines der stärksten Videos, die ich je machen durfte. Mit einem tollen Regisseur und einer sensationellen Choreografin, nämlich Ekaterina Leonova.

"Ich wollte eigentlich nie ein Buch schreiben, ich finde Biografien zum Kotzen."

Und warum kommt gerade der Song vom Album jetzt nochmal als Single heraus?

Irgendwie habe ich das Gefühl, der Song ist gerade so passend. Weil: Verdammt nochmal ja, es reicht. Es handelt auch vom Ende der Traurigkeit und ich denke, wir waren alle lange genug traurig in diesem Jahr.

Da hast du Recht! Du hast die Pandemie auch für deine Biografie "Die Freiheit in mir" genutzt. Es ist ein völlig neues Projekt für dich. Wie kam es dazu?

Ich wollte eigentlich nie ein Buch schreiben, ich finde Biografien zum Kotzen. Nicht nur, dass du dich selber feierst, sondern dein Image so drehst, dass es dir passt und du im rechten Licht stehst.

Aber?

Diese "Alles auf Hoffnung"-Sessions waren das einzige Medium, in dem ich einigermaßen Kontakt zum Publikum hatte, auch wenn es alles nur digital war. Ich war ehrlich gesagt etwas überfordert und überwältigt von der Resonanz, denn so positiv hätte ich es nicht erwartet. Die Menschen waren sehr dankbar, die hat das sehr berührt, die Texte, die Songs. Und es fühlt sich gut an, was Gutes zu tun. Und wenn es heißt, dass es den Leuten guttut, wenn ich Musik schreibe, dann schreibe ich jetzt auch ein Buch. Vielleicht ist es das, was die Menschen gerade brauchen, nämlich meine Geschichte.

Eine normale Biografie sollte es dennoch nicht werden.

Ich wollte die Biografie so schreiben wie einen Song, nicht nach dem Motto: Jetzt kommt die Wahrheit raus, so war meine Ehe, so war meine Kindheit – und jetzt ein Exklusivinterview. Das mag ich nicht. Ich habe in dem Buch auch niemanden in die Pfanne gehauen. Warum denn auch? Ich habe für Menschen, die ich nicht namentlich nennen wollte, Synonyme gefunden. In der deutschen Sprache kannst du zweideutig, dreideutig schreiben und gibst dem Leser die Chance, seine eigene Geschichte darin zu erkennen, indem du nicht zu viel vorwegnimmst.

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Gil Ofarim spricht in seiner Biografie "Freiheit in mir" unverblümt über sein Leben. Bild: Knaur

"Gleichzeitig haben wir auch presserechtlich aufgepasst, dass nicht allzu viele Unterlassungsklagen kommen."

Kannst du dich an eine Stelle erinnern, die dir besonders schwergefallen ist, in Worte zu fassen?

Jede Zeile. Ich habe angefangen zu tippen und habe die ersten drei Zeilen wieder gelöscht. Und das ging eine längere Zeit so. Lara Höltkemeier, mit der ich das Buch geschrieben habe, ist selbst Schreiberling, Redakteurin beim Fernsehen. Lara hat mir dann angeboten, dass wir es zusammen machen und das war die beste Entscheidung ever.

Wie lief der Schreibprozess dann ab?

Stift weg, Laptop weg. Wir haben ein ganzes Jahr zusammen verbracht und haben es mit einem Aufnahmegerät aufgenommen. Ich habe erzählt, wir haben es uns gemeinsam angehört und dann zusammen aufgeschrieben, aber Sachen wie die Namen verändert. Gleichzeitig haben wir nämlich auch presserechtlich aufgepasst, dass nicht allzu viele Unterlassungsklagen kommen und ich glaube auch nicht, dass welche kommen.

Inwiefern ist dir dieser Schreibprozess schwergefallen?

Es war schwer, weil man noch einmal in die betreffenden Momente reingeht. Man geht noch einmal in die Kindheit, in die Phasen und durchlebt diese ein Stück weit nochmal. Ich habe alles erzählt, als wäre ich in einem Interview, in dem mir scheißegal ist, ob ich jetzt was erzähle, was keiner wissen darf. Ich habe es einfach rausgelassen. Andererseits habe ich mich presserechtlich eben nicht ganz so geöffnet.

Wie genau meinst du das?

Eigentlich habe ich in den vergangenen Jahren Karriereselbstmord begangen, denn ich habe das Wichtigste, das es gibt, geschützt: meine Kinder. Ich habe nie öffentlich etwas gesagt, weil ich einfach nicht will, dass etwas über uns im Internet steht. Grundsätzlich können Kinder von prominenten Eltern nichts dafür, dass die Eltern in der Öffentlichkeit stehen, die haben sich das nicht ausgesucht. Mein Sohn wird dieses Jahr eingeschult und ich möchte nicht, dass er später irgendwas über seinen Papa im Internet lesen kann, das nicht stimmt.

Gil Ofarim trat mit Ekaterina Leonova bei Let's Dance auf. Seine Erinnerungen an die Show sind offenbar nicht sehr positiv.

Ekaterina Leonova und Gil Ofarim gewannen 2017 "Let's Dance." Bild: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Am Freitag findet das Finale von "Let's Dance" statt. Du hast selbst 2017 mitgemacht und mit Ekaterina Leonova zusammen gewonnen – hast aber auch schon geschildert, dass du die Zeit nicht unbedingt positiv in Erinnerung hast. Was fiel dir damals am schwersten bei deiner Teilnahme?

Was erwartest du? Ich habe von mir selbst nie behauptet, ich wäre ein großer Tänzer. In dem Jahr lag mein Vater im Sterben, ich bin zum zweiten Mal Vater geworden, meine Ehe ist kaputtgegangen. In der zweiten Woche ist mir das Außenband gerissen im Knöchel, ich habe aber weitergetanzt.

"Die Presse hat eine Kampagne gemacht und mich gejagt."

Woher hast du die Kraft genommen, in dieser Lage weiterzutanzen?

Mein Papa war ursprünglich Tänzer und war stolz auf mich. Wochen bevor er damals ins Koma gefallen ist, habe ich ihm einen Cha-Cha-Schritt gezeigt und er sagte: 'Was soll der Scheiß? Hör auf damit.' Dann erwacht er aus dem Koma und sagt, er hat gehört, ich tanze toll. Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich nach vielen Wochen seine Stimme höre, tanze ich den Contemporary. Also sprich den Tanz, für den er ein Stipendium als Kind bekommen hat, an der Tanzschule in New York.

Noch hinzu kamen dann wieder Probleme mit der Presse.

Die Presse hat eine Kampagne gemacht und mich gejagt. Ich hatte auf einmal so etwas wie Paparazzi, sowas kannte ich davor in meinem Leben nicht. Nun frage ich dich: Wie angenehm kann so eine Zeit sein?

Vor allem die tänzerische Verbindung mit deinem Vater hat offenbar dazu beigetragen, dass du in der Show über dich hinausgewachsen bist. Du hast bereits einen Einblick hinter die Kulissen der RTL-Show gewährt und von einem Konkurrenzkampf gesprochen. Wie meintest du das konkret?

Ich weiß, das wird jetzt wahrscheinlich die Überschrift werden. Aber gut. Ich war vor ein paar Wochen bei "Bild live" mit Jasmin Wagner und Alexander Klaws. Und Alexander erzählte irgendwas von seiner Zeit bei 'Let's Dance', sprach über den tollen Zusammenhalt und zeigte seinen Pokal. Dann wurde ich anschließend sofort gefragt. Aber ich habe einfach eins gelernt in meinem Leben, ich habe so etwas wie einen Bullshit-Filter entwickelt. Das, was für mich nicht wichtig ist, und das kommt, wenn du Papa wirst, kann ich für mich aus meinem Leben ausgrenzen.

Und dann hast du ehrlich geantwortet.

Ja, ich habe mich gefreut für Alexander, dass es für ihn so toll war und habe gesagt, dass es in meinem Jahr leider nicht so schön war. Bei mir war es irgendwie ein unfassbar hässlicher Konkurrenzkampf. Vor der Kamera waren alle eine Family und alle gehörten zusammen. Aber hinter der Kamera war das alles nur Konkurrenz, Intrigen und schmutzig. Und ich hatte echt andere Sorgen und dachte mir, Showbusiness ist Showbusiness. Aber es war schon heftig. Aber das ist jetzt auch schon ein paar Jahre her, ich möchte da nicht nachtreten oder irgendwas Böses sagen.

"Das mediale Drumherum, was leider dazugehört, hätte ich mir sparen können. Ich hätte rückblickend lieber mehr Zeit mit meinem Vater verbracht, die wenige Zeit, die ich noch hatte."

Es gab bestimmt auch gute Seiten an "Let's Dance".

Die gab es und ich danke der Sendung für die Erkenntnis, dass Tanzen wirklich etwas Besonderes ist, dass ich gerne tanze und das mache ich nach wie vor. Und dafür werde ich auf ewig dankbar sein. Die Sendung war super. Das mediale Drumherum, was leider dazugehört, hätte ich mir sparen können. Ich hätte rückblickend lieber mehr Zeit mit meinem Vater verbracht, die wenige Zeit, die ich noch hatte.

Vielleicht hatte mit dem Drumherum auch ein wenig die Jury zu tun. Die Juroren standen in dieser Staffel in der Kritik, weil ihre Einschätzung nicht immer fair sei. Sie gingen auch bei dir darauf ein, ob und wie es mit deiner Tanzpartnerin knistern könnte, ob da etwas läuft. Konntest du mit der Jury-Wertung etwas anfangen?

Bayern München ist zum neunten Mal in Folge Deutscher Meister geworden, das finde ich großartig. Mein Sohn ist auch großer Bayern-München-Fan. Lewandowski hat dieses Jahr 41 Tore geschossen und alles andere ist gerade unwichtig, wenn du verstehst… Aber eine Sache möchte ich dazu sagen: Ich habe mich großartig mit Motsi verstanden. Nicht während der Sendung, aber danach. Wir hatten tolle Gespräche, es ist eine tolle Frau und ich bin froh, dass es ums Tanzen geht, manchmal. Nicht immer, aber manchmal geht’s auch ums Tanzen und um die Qualität. Ansonsten äußere ich mich einfach nicht mehr dazu.

"Das, was ich dazu sagen kann, ist, dass die Profis auf der einen Seite gefeiert und auf der anderen Seite als selbstverständlich gesehen werden."

Es gibt nur einen "Let’s Dance"-Pokal für die Promis, und keinen für die Profis. Deinen hast du Ekaterina Leonova damals geschenkt. Was sagst du abschließend ganz allgemein dazu? Erfahren die Profis dadurch zu wenig Wertschätzung für ihre Arbeit?

Das, was ich dazu sagen kann, ist, dass die Profis auf der einen Seite gefeiert und auf der anderen Seite als selbstverständlich gesehen werden. Was sie da machen, wird zu wenig gewürdigt. Ich rede jetzt nicht von Ekaterina im Speziellen, sondern von allen.

Beschreib gerne kurz, was du damit meinst.

Es ist viel Arbeit: Die Choreos lassen sich wirklich die Profis einfallen. Die müssen sich in kürzester Zeit eine Choreo aus den Fingern saugen, die der Tanzpartner umsetzen kann. Dann müssen sie eine Geschichte erzählen, die Klamotten in Absprache mit Katia Convents und mit dem Promi zusammen aussuchen. Also alle Profis, die Männer wie die Frauen, machen eine Menge und das wird meiner Meinung nach nicht ausreichend gewürdigt.

Deswegen hast du deinen Pokal deiner Tanzpartnerin geschenkt?

Es stellte sich für mich gar nicht die Frage, dieser Pokal, der gehört auf jeden Fall Katjuscha.

Harter Themenwechsel. Du bringst immer wieder zum Ausdruck, wie wichtig dir deine Familie ist. Dein Vater wurde in Tel-Aviv geboren. Wie nimmst du die aktuelle Situation um Israel wahr? Beeinflusst dich das?

Überhaupt nicht. Es hat sich nichts verändert, es ist, wie es im Endeffekt immer schon war. Der Antisemitismus ist in Deutschland nicht gewachsen, er kommt nur mehr raus, weil sich mehr Leute trauen, was zu sagen. Es gibt das Internet, da kann man wunderbar anonym jeden Scheiß von sich geben. Ich habe in erster Linie einfach nur Angst um meine Familie und meine Freunde, die dort leben. Und auch um das Land Israel. Denn es ist die einzige Demokratie da unten, mit Rechten für Frauen, Schwule und Lesben.

Dass du dahingehend Angst hast, hast du auf Instagram öffentlich gemacht. Wie hat deine Community darauf reagiert?

Ich glaube, es ist wichtig zu erkennen, dass auf Social Media nicht alles echt ist. Gerade die Lautesten dort sind oftmals Feiglinge. Ich habe aber großen Zuspruch bekommen. Aber bei mehreren Tausend Kommentaren gibt es ein paar Vollidioten, die den Schuss nicht gehört haben und mich aufs Heftigste beleidigen.

"Mich hat sogar eine hohe Funktionärin einer gewissen Partei angeschrieben und gemeint: 'Pass auf, gerade der, der im Glashaus sitzt.'"

Muenchen, Musiker Gil Ofarim bei der Pressekonferenz zum 861igsten Stadtgruendungsfest 2019 im Muenchner Presseclub *** Munich, musician Gil Ofarim at the press conference for the 861st city foundation festival 2019 in the Munich Press Club

Gil Ofarim wird im Netz angefeindet. Bild: www.imago-images.de

Und auch mit anderen Aussagen hast du heftige Kritik geerntet. Worum ging es dabei?

Unabhängig von dem Konflikt habe ich gesagt: "Freunde, es ist eine schwierige Zeit, ich bitte euch. Ja, ich würde zum Impfen gehen, das ist keine Aufforderung und ich werde nicht dafür bezahlt." Und ich habe gesagt: "Lasst euch bei der anstehenden Bundestagswahl nicht verrückt machen in dieser Zeit. Alles, was ich als Enkel verfolgter Juden im Zweiten Weltkrieg sagen kann, ist, bitte keinen Millimeter nach rechts."

Wie war die Reaktion konkret darauf?

Ich wurde von Rechten beleidigt. Ich habe keine Namen von Parteien genannt. Aber mich hat sogar eine hohe Funktionärin einer gewissen Partei angeschrieben und gemeint: "Pass auf, gerade der, der im Glashaus sitzt."

Das ist unfassbar.

Ich habe nur gesagt, dass mir als Enkel verfolgter Juden im Zweiten Weltkrieg das Herz brennt, dass es in Deutschland Parteien mit Rechtsextremisten gibt. Ein Parteifunktionär darf ja auch offiziell als Faschist bezeichnet werden. Es darf nicht wahr sein. Oft werde ich auch gefragt, was meine Antwort für die Zukunft ist. Und meine Antwort ist: Keine Ahnung, aber in erster Linie Bildung.

"Ich habe keine Ahnung, in welcher Phase der Trauer ich mich befinde. Ich weiß nur, es gibt den Satz: Zeit heilt alle Wunden. Vielleicht ist es so, ich weiß es nicht."

Bereiten dir solche Drohungen, die du im Netz erfährst, ebenfalls Sorgen?

Früher hat mir das nicht gutgetan, heute kann ich drüberstehen. Aber ich sagte damals schon in einer Ausgabe von "Hart aber fair": Wenn es hier in Deutschland den Hauch einer Wiederholung von 1930 geben sollte, bin ich weg, dann bin ich in Israel. Aber ich weiß, unsere Gesellschaft ist viel weiter als damals. Ich würde mir wünschen, die öffentlichen Medien würden das mehr zeigen.

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