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imago/ montage watson

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Am 8. März wird watson zur Frau. Und das 24 Stunden lang. Am Internationalen Frauentag werden wir ausnahmslos Frauen abbilden, thematisieren und porträtieren. Trump, Hoeneß oder Kollegah haben dann Pause. Und ja, das wird auch Zeit. Auch auf watson.de sind Frauen in der Regel unterrepräsentiert. Und das liegt nicht nur an der Welt, in der wir leben, sondern auch an uns. Aber wir wollen besser werden. Heute ist ein guter Tag, um dafür ein Zeichen zu setzen.

What a time to be a Flugbegleiterin! Erst kürzlich erlaubte British Airways seinen Mitarbeiterinnen - nach zwei langen Jahren der Forderungen wohlgemerkt - neben der sonst vorgeschriebenen Röcke auch Hosen tragen zu dürfen, und jetzt streicht Virgin Atlantic auch noch seine Make-up-Bestimmungen. Wow. Toll. Wahnsinnig fortschrittlich ...

Zuvor waren roter Lippenstift, Zopf und Augen-Make-up Pflicht

Angekündigt hat die "frohe Botschaft" - wie könnte es auch anders sein - ein Mann.

"Das neue Regelwerk bietet unserem Team nicht nur ein größeres Niveau an Komfort, sondern auch mehr Möglichkeiten, sich bei der Arbeit auszuleben."

Executive Vice President of Customer, Mark Anderson

Da kann man doch nur mit dem Kopf schütteln! Fakt ist aber, dass Airlines dafür bekannt sind, ihren Flugbegleiterinnen besonders strickte Vorgaben aufzuerlegen. Neben Gewicht (jaaa!), Körpergröße, Lippenstiftfarbe und Frisur fällt darunter eben auch das Make-up. Da sollte man sich eigentlich freuen, dass wenigstens einige dieser rückständigen und Frauen gegenüber diskriminierenden Vorschriften endlich aus den Arbeitsverträgen gestrichen werden, oder?

Dürfen Unternehmen über das Aussehen von Mitarbeitern bestimmen?

Natürlich gibt es in vielerlei Branchen eine Kleiderordnung. Unternehmen wie Airlines oder Banken dürfen Angestellten dementsprechend eine Uniform vorschreiben. Doch wann verletzten diese Vorgaben das Persönlichkeitsrecht und sind schlichtweg unverhältnismäßig?

Was unverhältnismäßig bedeutet, kommt auf die jeweilige Branche an. So dürfen Fluggesellschaften ihren Mitarbeiterinnen nach einem Urteil des Kölner Landesarbeitsgerichtes seit 2010 nicht mehr vorschreiben, ihre Fingernägel nur einfarbig zu tragen. Über die Länge darf hingegen bestimmt werden, da es gilt "eine Verletzungsgefahr bei der Kontrolle von Passagieren möglichst zu vermeiden", heißt es.

Akzeptiert. Aufgespießt werden möchte beim Fliegen niemand. Aber das Make-up der Crew ist für die Sicherheit der Passagiere nun wirklich nicht ausschlaggebend. Nein, hier geht es nur ums Image, aber das haben sich Airlines schon lange selbst runinert.

Fliegen ist schon lange nicht mehr fancy. Fliegen ist in der Tat manchmal ganz schön eklig.

Jetzt mal ganz ehrlich: Die meisten Passagiere sehen heutzutage beim Fliegen aus, als wären sie gerade frisch von einem ausgiebigen Netflix-Marathon, inklusive Pizza bestellen, zum Gate gestolpert. "Oh, da ist ja ein Fettfleck auf meinem Hoodie. Egal, ab zum Flughafen!" Fliegen ist schon lange nicht mehr fancy. Fliegen ist in der Tat manchmal ganz schön eklig. Wenn die Passagiere Jogginghose tragen weil sie auf uralten, miefenden Sitzen Platz nehmen müssen, wieso sollten Flugbegleiterinnen dann Eyeliner aus Image-Gründen tragen müssen? Das passt doch nicht zusammen!

Klar, damals in den 60er-Jahren, als das Bewusstsein für Gendergleichheit kaum vorhanden und Fliegen noch ein echtes Erlebnis war, hat man sich noch herausgeputzt; als Männer an Flughäfen noch in frisch gepressten Anzügen rumliefen wie der Hochstapler Frank William Abagnale Junior aka Leonardo DiCaprio in "Catch me if you can" und eine Anstellung als Stewardess finanziell so ziemlich das Beste war, was einer jungen Frau passieren konnte. Aber das ist fast 60 Jahre her.

Heute bekommen Flugbegleiterinnen je nach Airline etwa 2000 Euro Brutto im Monat. Nach Abzug der Fixkosten bleibt bei diesem Sümmchen für eine Make-up-Sammlung à la "Bibis Beauty Palace" nun wirklich kein Geld übrig. Abgesehen von den Kosten ist eine Kosmetik-Vorschrift für Frauen extrem diskriminierend und einfach nicht mehr zeitgemäß. Hört ihr das, Easyjet, Lufthansa & Co.?

Was denkt ihr über die Styling-Vorgaben von Fluggesellschaften? Schreibt es uns in die Kommentare!

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • EmpireValley 08.03.2019 19:06
    Highlight Highlight Hmmm - was würde wohl passieren, käme ein Flugbegleiter mit Rock und Make-up zur Arbeit?
  • Arebs Yakumo (1) 08.03.2019 12:10
    Highlight Highlight Uniformen bei einem Flug kann ich verstehen, wobei die Wahl zwischen Rock und Hose dann doch schon gegeben seien soll. Bei Makeup könnte ich höchstens verstehen, wenn man die Mitarbeiter*Innen dazu auffordert es dezent zu halten oder bestimmte Stoffe zu verbieten (Falls dies die Sicherheit beeinträchtigt), aber nicht, dass Mitarbeiter*Innen bestimmtes Makeup tragen müssen.

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