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Was Girl-Power mit Diät-Lollis zu tun hat? Gar nichts!

Girlpower Diätlollis
Bild: imago montage
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Wie eine Kampagne für Girl-Power und Diät-Lollis ordentlich schief ging

29.07.2018, 14:1330.07.2018, 10:49
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Dass die Marketing-Abteilungen großer Firmen auf den Feminismus-Zug aufspringen, ist inzwischen gelernt: Siehe die "the future is female"-Shirts großer Modeketten oder "feministische" Parfums und Make-Up-Paletten...

Logisch, das Thema ist gut fürs Image und beschäftigt die Zielgruppe (junge Frauen). Nur: Manchmal geht diese Werbelüge zu weit – und macht die Kundinnen richtig sauer. Wie im Falle einer US-Firma, die unter dem Motto "Girlpower" Diät-Lollis verkaufen. Ja, DIÄT-Lollis. Und DIÄT-Tee.

In ihrer Kampagne richtet sie sich an junge Frauen, wirbt mit knackigen Sprüchen über Frauensolidarität ("Mädels müssen Mädels unterstützen"), Unangepasstheit ("Sei ungestüm, nicht durchschnittlich") oder Selbstbewusstsein ("Mach was du willst. Und wenn es Leute nicht gefällt... Scheiß drauf!"). 

Letztlich geht es dann aber doch nur um eins: Den perfekten Körper und vor allem einen flachen Bauch. Dafür sollen die "Powerfrauen" Tee trinken und Lollis lutschen. 

Oder wie es Emma Hope Allwood bei Dazed ironisch auf den Punkt bringt:

Diätpillen, Modeerscheinungen und Produkte sind nichts Neues. Was neu ist, sind die Marketingtaktiken dahinter – die sich einer stärkenden und sogar feministischen Sprache bedienen, um ein Produkt zu bewerben, dass sich an den Unsicherheiten von Frauen bereichert. Fühlst du dich hungrig, Babe? Macht nichts, das ist nur ein normales körperliches Gefühl, das überlebenswichtig ist! Lutsch diesen total süßen Lolli, Girl! Warum machst du nicht ein Selfie, während du das tust, Honey! Zeig der Welt, was du eine ,badass bitch' bist, die nicht mal Kalorien zu sich nehmen muss!
Emma Allwood in "Dazed"

Die schräge Kampagne...

collage flattummy
Bild: instagram/flattummyco

Die Celebrities machen fleißig mit. Das australische Label hinter den hippen Appetitzüglern wurde 2015 von einer US-Firma gekauft und nutzt seitdem die Marketingmacht der Prominenten in sozialen Netzwerken: Kim Kardashian, Amber Rose und Kylie Jenner – sie alle haben sich Posts sponsoren lassen.  

Auch Mia Tyler, die Tochter von Steven Tyler, bekam ein entsprechendes Angebot der Abnehm-Firma und reagierte entsetzt. Sie postete deren Kontaktaufnahme öffentlich.

Hier Mia Tyler's Post: 

Jetzt hagelt es Kritik

Unter vielen Frauen machte sich massiver Unmut über die Marketing-Kampagne breit. Sie fühlen sich nicht nur von den Stars verraten und verkauft, sondern sind auch entsetzt, dass ausgerechnet Abnehmprodukten ein Image übergestülpt wird, das Girlpower suggerieren soll.

Haben die Werbeleute nicht aufgepasst, als es um Emanzipation ging? Auf der einen Seite das Bild einer straffen Superbraut propagieren, auf der anderen Seite zu mehr Selbstakzeptanz aufrufen – wie geht denn das zusammen? Genau. Gar nicht.

Der Gipfel: Auf dem Times Square mietete die Firma jetzt eine ganze Plakatwand, auf der ein fröhliches Model gegen ihren Hunger anlutscht ("Du hast Gelüste? Girl, sag Ihnen, sie ,können dich mal'"). Dagegen wurde eine Petition ins Leben gerufen, die bereits mehr als 81.000 Unterstützer gefunden hat. 

Petitions-Starterin Tess Holliday

"Hunger ist der Weg deines Körpers dir zu sagen, wann er Essen braucht – was uns Energie schenkt, ohne die wir nicht überleben können. Irgendwas läuft absolut falsch, wenn Vermarkter Frauen eintrichtern, dass ihr Aussehen (auf sexistischen Körperstandards basierend) wichtiger ist, als ihre Gesundheit und ihr Leben."

Die anvisierten Kundinnen haben jedenfalls eine deutliche Antwort für das Unternehmen gefunden. Instagramerin Megan Crabbe macht es vor:

"Scheiß-Diätfirmen bewerben gestörtes Essverhalten für ihren Profit? Girl, sag Ihnen, sie ,können dich mal'."

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