Chinas Gesichtserkennung sieht dich zwischen 50.000 Menschen

13.04.2018, 14:42

Ao dachte, er sei nur ein Gesicht in der Menge.

Als einer von 50.000 Besuchern eines Konzerts im südostchinesischen Nanchang fühlte sich Ao - von dem in chinesischen Medien nur der Nachname kursiert - sicher.

Er lag falsch: Eine der zahlreichen Überwachungskameras am Veranstaltungsort erkannte und schnappte ihn mithilfe von Gesichtserkennungstechnologie.

Der Mann soll laut lokalen Medien eine "wirtschaftliche Straftat" begangen haben und war deshalb in einer Datenbank mit Foto gelistet. 

Als die Polizei den Verdächtigen aus der Menge zog und verhaftete, war Ao laut eines Beamten "bleich und schockiert". Der Chinese sagte, er wäre niemals zu dem Konzert gegangen, wenn er gewusst hätte, dass die Polizei ihn so einfach identifizieren kann.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Chinas Gesichtserkennungstechnologie einsezt um "Kriminelle" in öffentlichen Räumen zu erwischen. Hier ein paar Beispiele:

  • Letztes Jahr wurden 25 gesuchte Personen bei einem Bierfest festgenommen, als Kameras an Eingängen die Gesichter der Besucher scannten.
  • An manchen Kreuzungen Shanghais leuchten auf Bildschirmen die Gesichter der Fußgänger auf, die über Rot gehen.
  • Eine Universität in Peking installierte Gesichtsscanner, um Unbefugte daran zu hindern Studentenwohnheime zu betreten und "den Aufenthaltsort der Studenten besser zu überwachen".
  • An einigen Bahnhöfen tragen Polizisten Kamera-Brillen, die Fotos von Gesichtern schießen und sie mit einer Datenbank abgleichen. So sollen zum Beispiel Menschen, die mit gefälschten Papieren reisen geschnappt werden.
Polizistin mit Überwachungsbrille an einem Bahnhof in China.
Polizistin mit Überwachungsbrille an einem Bahnhof in China.
bild: getty Images

China wird zum Tech-Überwachungsstaat

Überwachungskameras werden am Tiananmen-Platz in Peking installiert
Überwachungskameras werden am Tiananmen-Platz in Peking installiert
bild: getty images

China ist auf dem besten Weg seine Bürger mit Technologie allumfassend zu überwachen. Bis zum Jahr 2020 soll es in China schätzungsweise mehr als 600 Millionen CCTV-Kameras geben. Laut offiziellen Dokumenten will die chinesische Regierung die Videoüberwachung "allgegenwärtig, vollständig vernetzt, immer funktionstüchtig und voll steuerbar" machen.

Zusätzlich führt China gerade ein "Social Credit System" ein.

Mit dem Bürger-Score werden Menschen wie Firmen eingestuft. Dabei bekommt jeder von Chinas 1,3 Milliarden Bürgern ein Punktekonto, das öffentlich zugänglich ist.

Der Bürger-Score ergibt sich aus der Überwachung des sozialen Verhaltens einer Person:

  • Wofür sie ihr Geld ausgibt.
  • Wie regelmäßig sie Rechnungen bezahlt.
  • Auch ihre Aktivität auf Social Media wird beobachtet.
Wer viele Punkte sammelt, darf sich über günstigere Kredite und bessere Karrieremöglichkeiten freuen. Jenen mit niedrigem Punktekonto droht, keine Flug- oder Zugtickets mehr kaufen zu können. Sie kriegen schlechtere Jobs, ihre Kinder gehen auf schlechtere Schulen und sie werden sozial geächtet. Im chinesischen Rongcheng, wo das Pilotprojekt bereits läuft, wird der Punktestand von besonders vorbildlichen Bürgern bereits auf einer öffentlichen Tafel ausgestellt.

Auch in Deutschland wird die Gesichtserkennung getestet

Thomas de Maizière testet die Gesichtserkennung am Bahnhof Berlin Südkreuz
Thomas de Maizière testet die Gesichtserkennung am Bahnhof Berlin Südkreuz
Bild: Markus Schreiber/AP

Am Bahnhof Berlin Südkreuz werden seit Sommer 2017 Kamerasysteme mit biometrischer Gesichtserkennung getestet. Die Technik könnte dabei helfen, Terroranschläge zu verhindern, hofft die Bundespolizei. Ex-Innenminister de Maizière forderte damals sogar den bundesweiten Einsatz der Technologie. Die Bundesbeauftragte für Datenschutz Andrea Voßhoff sagte dazu: 

"Sollten derartige Systeme einmal in Echtbetrieb gehen, wäre dies ein erheblicher Grundrechtseingriff!"
Andrea Voßhoff, Bundesbeauftragte für Datenschutz

Die deutsche Polizei nutzt bereits seit 2008 ein System zur Gesichtserkennung, um damit Personen zu identifizieren. Allerdings nicht automatisch, wie in China, sondern nur manuell in Ermittlungen oder bei Personenkontrollen. Das Pilotprojekt zur automatischen Erkennung lässt jedoch befürchten, dass sich das auch ändern könnte. 

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