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Beziehungsstatus: Witwe

Ich bin Witwe und Date 4 wäre beinahe ein Typ mit seltsamen Fantasien gewesen

Lea ist mit Anfang 30 Witwe geworden. Jetzt beginnt sie wieder mit dem Dating. Was zuletzt geschah: Lea meldete sich auf einem Dating-Portal namens "Gleichklang" an und traf dort einen Mann, den sie "Weihnachtsmann" nannte und mehr muss man gar nicht wissen...

Lea laufer

Das erste Date war ein Flop. Lag es daran, dass er nicht zu mir passte? Oder war es einfach zu früh, nach dem Tod meines Freundes?

In den kommenden Monaten habe ich (fast) drei weitere Dates, jeweils mit Bewerbern der ökologisch-sozialen Partnerbörse. Bei allen gibt es einen netten Email-Kontakt, alle drei erweisen sich als mehr oder weniger katastrophale Abziehbilder verschiedenster Männertypen, die man sonst nur in Komödien oder Gruselfilmen präsentiert bekommt. 

Date Nummer 2 treffe ich an einem Abend unter Woche in einer Bar nicht weit von mir.

Als ich ankomme hat er noch nicht lange gewartet, wirkt aber schon angetrunken. Im Laufe des (kurzen) Abends hält er einen (langen) Monolog über die Immobilienbranche, in der er arbeitet, inklusive Strategien um alte Damen aus ihren Mietwohnungen zu vertreiben, um Letztere für mehr als den doppelten Quadratmeterpreis neu zu vermieten.

Dabei betrinkt er sich vollends und murmelt irgendwann, dass er zur Adoption freigegeben wurde und seine leibliche Mutter bei Facebook gefunden habe; sie antwortete nicht auf seine Kontaktversuche. Es herrscht betretenes Schweigen.

Beim Abschied umarmt er mich grob und gibt mir einen betrunkenen Kuss auf die Wange. Er hat mir den ganzen Abend lang keine einzige Frage gestellt.

Date Nummer 3 treffe ich zum Spazierengehen.

Auf seinen Fotos hatte er sich wie ein Theaterschauspieler inszeniert, wirkte in seinen Emails tiefsinnig und philosophisch. Offline ist er eher verwahrlost und vollkommen unmotiviert; alles ist in seinen Augen Zeitverschwendung und wurde uns indirekt von der Gesellschaft aufoktroyiert. Selbst regelmäßiges Zähneputzen, denke ich.

Date Nummer 4 kommt gar nicht erst zu Stande.

Er sieht auf seinen Fotos attraktiv aus (Zähne sind geputzt) und fragt schnell, ob wir den Kontakt zu WhatsApp verlegen können. Nach einer Weile schickten wir uns Sprachnachrichten.

In ruhigen, fast leisen Worten, bekundet er sein Beileid für das, was ich erlebt habe; er könne sich vorstellen, wie hart die Zeit gewesen sein muss. Was er sagt, klingt ehrlich mitfühlend, ohne pathetisch zu sein und sich in Floskeln zu verlieren. Es ist kalt geworden draußen und er erzählt mir, dass er mit einem Glas Wein und einer Decke auf dem Sofa liegt. Ich genieße es, ihm zuzuhören, seine Stimme erzeugt eine angenehme Gänsehaut.

Ob er eine Frage stellen dürfe?

Wie sähe es mit meinem Sexualleben aus?

Ich berichte offenherzig, dass mein Freund mein erster und einziger Sexualpartner war und ich nach langer Pause ein bisschen von vorne anfange. Er habe großes Verständnis für diese spezielle Situation und wäre selbstverständlich sehr einfühlsam, sollten wir mal an diesen Punkt kommen, was er sehr hoffe.

Was wüssten denn meine Kinder von meiner Sexualität?

Hä?

Ich halte inne, bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe. Nichts wissen die, warum auch. Sie sind im Grundschulalter und befassen sich – Gott sei Dank – nicht mit sowas.

Die nächste Sprachnachricht erscheint, er säuselt mit sonor-sexy Stimme.

Aber was wäre, wenn die Kinder ihn nackt bei uns zu Hause sähen? Was würde wohl in ihren kleinen Köpfen vorgehen? Das wäre doch spannend.

Mir wird ziemlich plötzlich ziemlich schlecht und ich überlege blitzschnell, was er schon alles von mir weiß. Vollname? Nein. Adresse? Nein. Ich denke: Nichts wie weg. Ich rufe eine Freundin an: "Nichts-wie-weg."

Bei WhatsApp gebe ich vor, ins Bett zu müssen. Zwei Tage darauf ist unser Treffen angesetzt, ich sage ab. Als er fragt warum, sage ich es ihm. Er versucht nicht mal, sich zu erklären. Er habe Verständnis, seine Vorlieben seien etwas speziell für manche, vor allem, wenn man vielleicht ein bisschen prüde sei.

No offense. Sagt er.

None taken and fuck you.

Ein paar Wochen später treffe ich einen guten Freund. Ich berichte von den furchtbaren Dates des vergangenen halben Jahres; nach dem zweiten Cocktail weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Warum ist das so schwer? Warum sind die alle so komisch da draußen? Nach dem dritten Cocktail installiert er mir Tinder. "Das wird in jedem Fall lustig, wart’s ab", sagt er.

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