Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Der Upload-Filter kommt: EU-Parlament stimmt für Urheberrechtsreform – das steckt dahinter

Franziska Hoppen
Franziska Hoppen

Der Rechtsausschuss im EU-Parlament hat sich für die Einführung von Upload-Filtern auf großen Online-Plattformen ausgesprochen und das sogenannte Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Beide Artikel erhielten eine knappe Mehrheit. 

Günther Oettinger (CDU) hatte sie entworfen, als er noch Digital-Kommissar in der Europäischen Kommission war. Die insgesamt 24 Artikel sollen Urheber, also zum Beispiel Journalisten, Wissenschaftler oder Künstler vor dem Klau und Missbrauch ihrer Werke schützen und ihnen mehr Einkommen sichern.

Der Vorschlag wird stark kritisiert. Denn er würde Internet-Usern, kleinen Plattformen und Verlagen das Teilen von Texten, Musik und Videos erschweren. Kritiker befürchten deswegen eine wachsende Ungleichheit im Netz. Große Player, die sich Lizenzen leisten können, würden profitieren – ein diverses, umfangreiches Informationsangebot, so lautet der Vorwurf, schwinden. 

Vor allem Artikel 11 und Artikel 13 sind umstritten

Wir haben vor der Abstimmung mit Julia Reda gesprochen, Mitglied der Piratenpartei und seit 2014 Mitglied im Europäischen Parlament. Sie sagt: 

"Für kleine Player ist der Vorschlag absolut schädlich."

Julia Reda

Julia Reda  imago

Watson: Wer profitiert von der EU-Urheberrechtsreform? 
Julia Reda: Am Ende würden die großen Player profitieren, so wie Google und Facebook. In Deutschland wurde bereits 2013 ein Leistungsschutzrecht eingeführt. Google hat daraufhin bei den Suchergebnissen keine Zeitungsausschnitte mehr angezeigt, sondern nur Teile der Überschrift eines Artikels. Die Zeitungsverleger haben dann gemerkt, dass weniger Menschen auf den Link zum Artikel geklickt und ihn gelesen haben. Verlage wie VG Media – zu deren Gesellschaftern gehören Axel Springer, Dumont oder Funke-Medien – haben Google daraufhin Gratislizenzen erteilt. Den kleineren Suchmaschinen wie Yahoo oder Bing aber nicht. Alle mussten also für das Teilen von journalistischen Inhalten zahlen – nur Google nicht. Auf europäischer Ebene wird es genauso laufen.

Wie sieht es bei Uploadfiltern aus?
Da läuft es ähnlich. Die einzigen Plattformen, die solche Filter bereits nutzen, sind Google und Facebook. Sie könnten sogar ein Geschäftsmodell daraus machen, ihre Filter-Software an kleinere Plattformen zu verkaufen. Das heißt: für kleine Player, unabhängige Künstler und Verläge ist der Vorschlag absolut schädlich.

Ist das der Anfang einer wachsenden Ungleichheit im Netz? Werden die Großen die Kleinen langsam von der Bildfläche drücken? 
Es ist gar nicht mal mehr der Anfang. Natürlich ist das Internet heute massenfreundlicher. Anfangs konnten es nur Technologie-Experten nutzen. Trotzdem ist es auch weniger gerecht und egalitär geworden. 

"Der Vorschlag zur Urheberrechtsreform würde noch mehr dazu beitragen, dass das Internet wie das Fernsehen früher funktioniert: wenige haben die Kontrolle darüber, was viele konsumieren."

Nur technikaffine Menschen, die eigene Netzwerke bauen können und wissen, wie man eine Website ins Netz stellt, hätten noch die Möglichkeit, frei zu kommunizieren. Alle, die auf Plattformen angewiesen sind, müssten weniger Informationsvielfalt akzeptieren, weniger Möglichkeiten, sich im Internet zu informieren. Sie müssten auch eine Überwachungsinfrastruktur in Kauf nehmen, die es leichter macht, Inhalte zu filtern.

Überwachungsinfrastruktur – das klingt, als könnte sich Überwachung weiter ausbreiten?  
Wenn solch eine Infrastruktur erst einmal da ist, kann sie auch für andere Zwecke genutzt werden wird. Die Innenminister aus Deutschland und Frankreich haben die europäische Kommission bereits aufgefordert, eine Filter-Pflicht auch für terroristische Inhalte einzuführen. Dabei hatte das EU-Parlament diese Filter in seiner Anti-Terror-Richtlinie erst vor Kurzem abgelehnt. Denn viele Beispiele zeigen: die Überwachungssoftware kann nicht zwischen Terrorpropaganda und etwa Kriegsberichterstattung unterscheiden.​

Amerikaner protestieren für die Netzneutralität – das Gebot, dass Internetanbieter alle Daten gleich behandeln und keinen bevorzugen

FILE - In this Thursday, Dec. 7, 2017 file photo, Demonstrators rally in support of net neutrality outside a Verizon store in New York. Consumers aren’t likely to see immediate changes following Monday, June 11, 2018 formal repeal of Obama-era internet rules that had ensured equal treatment for all. Rather, any changes are likely to happen slowly, and companies will try to make sure that consumers are on board with the moves, experts say. (AP Photo/Mary Altaffer, File)

Bild: AP

Wie würde sich die Reform auf gewöhnliche Nutzer auswirken, die einfach gerne surfen oder im Internet für Hausarbeiten recherchieren? 
Nehmen wir zum Beispiel das Meme. Das ist wichtig für die Meinungsfreiheit, man muss sich über das Tagesgeschehen lustig machen dürfen. 

"Urheberrechtlich sind Memes legal, weil sie politische Parodien sind oder unter das Zitatsrecht fallen. Filter würden sie aber löschen. Denn die Kerneigenschaft des Memes ist, dass es bestehende Inhalte verwendet und verändert. Filter verstehen das nicht."

Es würde insgesamt ein weniger umfangreiches Nachrichtenangebot auf Suchmaschinen und Social-Media-Kanälen geben. User würden häufiger direkt die Website ihres Vertrauens besuchen und nicht mehr automatisch beim Scrollen Informationen aus vielen unterschiedlichen Quellen sehen. Sie würde weniger von der Welt mitkriegen. Es wird zwar zurzeit viel über Filterblasen gesprochen. Aber User profitieren noch von einer relativ weiten Bandbreite an diversen Quellen.

Das heißt für Plattformen wie Reddit oder andere kleine Online-Foren...
...dass die verschiedenen Öffentlichkeiten immer weiter auseinanderdriften. Auf großen populären Plattformen würde die Agenda ablaufen, die von Medienhäusern lizenziert wurde. Die gesamte Amateurkunst fiele weg. In der Vorstellung der Gesetzesmacher kommt sie nicht vor, ihrer Ansicht nach ist Teilen von Inhalten immer gegen die Interessen des Urhebers. Das entspricht aber einfach nicht mehr der Realität. Viele Urheber stellen ihre Inhalte selbst und freiwillig ins Netz und verdienen ihr Geld woanders.​

Versuchen Technologieunternehmen nicht, ihre Filter zu verbessern? 
Ja, aber das ist ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel. Wer wirklich urheberrechtliche Inhalte posten will, findet einen Weg. Bei der Musik zum Beispiel wird alles um einen Halbton oder weniger manipuliert, in einem Video werden Farben leicht anders dargestellt. Wenn Technologieunternehmen versuchen, Strategien zu erkennen und auszuschalten, werden unheimlich viele Ressourcen verschlissen.​

Wie könnte sich die EU-Urheberrechtsreform auf Desinformation auswirken?
Es ist völlig klar, dass Medien wie "Russia Today" oder "Sputnik" kein Geld verlangen würden, damit man auf sie verlinkt. Sie sind ja genau darauf ausgelegt, so weit wie möglich verbreitet zu werden. Ihre Finanzierung finden über andere Quellen statt. 

"Desinformation würde durch das Gesetz gepusht. Qualitätsjournalismus, der privatwirtschaftlich finanziert ist, würde darunter leiden."

Wer wehrt sich dagegen?
Es gibt eine ganze Reihe von sehr reichweitenstarken YouTubern, wie zum Beispiel PietSmiet oder Manniac, die aus der Videogame- Berichterstattung kommen und aus eigener Erfahrung Upload-Filter kennen. Da werden zum Beispiel "Lets Play"-Videos gelöscht, weil Inhalte aus einem Computerspiel vorkamen. Tatsächlich gibt es eine ganze Generation von YouTubern und andere Social-Media-Persönlichkeiten, die über Artikel 11 und 13 berichten. Meine Hoffnung ist, dass das auch in traditionelle Medien überschwappt.

Das sagt PietSmiet zu Artikel 13

Play Icon

Video: YouTube/PietSmietTV

Was wäre eine Alternative zur Urheberrechtsreform? 
Als Fraktion der Grünen/Europäische Freie Allianz haben wir zu beiden Artikeln Alternativen vorgeschlagen. Statt ein neues Leistungsschutzrecht einzuführen, würden wir es Verlagen erleichtern das Urheberrecht an journalistischen Artikeln durchzusetzen. Wenn eine andere Website etwa unrechtlich lange Ausschnitte aus einem Artikel kopiert, würde der Verlag ihr eine Lizenz verkaufen. Statt einen Uploadfilter zu verwenden, könnten Plattformen Inhalte monetarisieren, indem sie entsprechend dazu Werbung schalten.

Nutze das Internet, solange es noch frei ist:

Und hier ist die am irrsten aussehende Katze von Instagram

Link to Article

YouTube will Videos bald nicht mehr mit Werbung mittendrin zerschießen

Link to Article

Was WhatsApp dazu sagt, dass Rechtsextreme sich verbotene Nazi-Sticker schicken

Link to Article

Segas letzte Konsole – warum Gamer den Dreamcast immer lieben werden

Link to Article

Support endet: Verabschiede dich von WhatsApp, wenn du eines dieser Smartphones hast

Link to Article

Instagram hat ein Drogenproblem – und bekommt es nicht in den Griff

Link to Article

Das kann das erste faltbare Smartphone der Welt

Link to Article

Bitcoin wird 10 und wenn du diesen Text gelesen hast, verstehst du es vielleicht endlich 

Link to Article

WhatsApp läuft bald auf Android-Tablets! Einen Haken gibt's

Link to Article

Ihr könnt Siri jetzt Google nennen – mit diesem einfachen Trick

Link to Article

Video sorgt für Panik – warum es YouTube 2019 trotzdem noch geben wird 

Link to Article

Instagram führt Sprachnachrichten wie bei WhatsApp ein – ab sofort

Link to Article

9 neue Tricks für WhatsApp, die dir das Leben leichter machen

Link to Article

Keine Transsexuellen bei "Victoria's Secret" – YouTuberin setzt starkes Statement

Link to Article

"Fortnite" macht mit neuem Modus einen auf "Minecraft"

Link to Article

Bringt Licht ins Dunkel: Das kann der Nachtmodus für Pixel-Smartphones von Google

Link to Article

Penis-Bilder an Fremde schicken? In New York könnte das bald Knast bedeuten

Link to Article

Facebook schickt jungem Briten alte Nachrichten vom Todestag seines Partners

Link to Article

Tinder und Co. bald nur noch gegen Ausweis? Regierung in Österreich plant "Porno-Filter" 

Link to Article

Taylor Swift nutzte Gesichtserkennung bei Konzerten, um Stalker zu identifizieren

Link to Article

Die 14 Dinge, mit denen dich jede WG garantiert haben will

Link to Article

Und jetzt: Die lustigsten und skurrilsten Google-Street-View-Bilder

Link to Article

Wie Apple angeblich die kabellosen Kopfhörer neu erfinden will

Link to Article

Starbucks verbietet YouPorn und YouPorn verbietet Starbucks 😏

Link to Article

Hört auf, euch für eure Eltern auf Social Media zu schämen!

Link to Article

So findest du heraus, ob deine Freunde dir auf Instagram vertrauen

Link to Article

Instagram zeigt dir, wie süchtig du bist – warum das "nett" ist und wie's geht

Link to Article

Wie sich iPhone-User mit dieser Gratis-App das Leben massiv erleichtern

Link to Article

Ein Android-Trojaner räumt innerhalb von Sekunden dein Paypal-Konto leer

Link to Article

Wenn du eins dieser MacBooks hast, könntest du deine Daten verlieren

Link to Article

KI – wie China das Rennen um künstliche Intelligenz gewinnen will

Link to Article

Klein, aber fein: Diese neue WhatsApp-Funktion kann dir Peinlichkeiten ersparen

Link to Article

Die Deutschen mögen "Füße" und "pissen" – das Jahr 2018 auf Pornhub

Link to Article

Instagram testet neue Funktion und du kennst sie von Tinder 

Link to Article

Instagram sagt Fake-Accounts und Fake-Likes den Kampf an 

Link to Article

Warum Online-Shopping in Europa ab heute (teilweise) billiger wird

Link to Article

Huaweis Mate 20 Pro ist genau so gut, wie ich gehofft habe, aber...

Link to Article

Der "echte" Super Mario ist gestorben

Link to Article

"Fallout 76": Die Collector's Edition kostet 200 Euro – für eine... Mülltüte?

Link to Article

#GlueGate: Huaweis neues Super-Handy hat einen fiesen Fehler 

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Phantom Lord 20.06.2018 19:58
    Highlight Highlight "Statt einen Uploadfilter zu verwenden, könnten Plattformen Inhalte monetarisieren, indem sie entsprechend dazu Werbung schalten."
    Das Problem hieran wäre, dass dann immer mehr Nutzer auf Ad-Blocker zurückgreifen würden, was ja auch nicht gut für die Plattformen ist.

Diese Neo-Punks haben eine Botschaft an alle Campino-Kritiker und Nazis in Nadelstreifen

Sie nennen sich "Adam Angst" – spielen wuchtig, texten deutsch, direkt und rotzig. Gerade ist ihr zweites Album "Neintology" erschienen – ein durch und durch politisches Stück. Im watson-Interview sprechen wir mit Sänger Felix Schönfuss und Bassist Christian Kruse über Angst, Filterblasen und Campino.

watson: Wovor hat Adam Angst? Schönfuss: Ich persönlich habe hauptsächlich Angst vor der politischen Entwicklung in Deutschland und der Welt. Dass Rechts weiter in die Mitte rückt. Dass viele …

Artikel lesen
Link to Article