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Die gestrandeten Grindwale an der australischen Küste Bild: picture alliance/WA Department of Biodiversity

Wale stranden zu Dutzenden – 6 Erklärungen für das Tierdrama

31.03.18, 10:59 01.04.18, 12:34
Saskia Gerhard
Saskia Gerhard

150 Grindwale an der Küste Australiens, 49 Delfine an einem Strand in Argentinien: In den vergangenen Tagen sind wieder Dutzende Meeressäuger an Land gespült worden, die meisten von ihnen sind gestorben. Gerade wenn sich solche Ereignisse häufen, fragt man sich nach dem Grund.

Die gute Nachricht vorab: Es gibt kein Massensterben der Meeressäuger. Dass in wenigen Tagen gleich zwei Tiergruppen gestrandet sind, dürfte Zufall sein.

Doch warum sterben die Tiere dann? Sind wir Menschen schuld? Oder das Wetter? Begehen sie Selbstmord? Die Wissenschaft hat ihre Theorien.

Wir stellen 6 Theorien vor.

Sonnenstürme stören ihre Orienterung

Bild: giphy.com

Eigentlich haben Zahnwale, zu denen auch Delfine, Schwertwale, Pottwale und Grindwale zählen, eine sehr gute Orientierung. Die kann aber sehr leicht gestört werden. Zum Beispiel durch Sonnenstürme.

Forscher vom Forschungs- und Technologiezentrum in Büsum haben etwa herausgefunden, dass 90 Prozent der Pottwale zwischen 1712 und 2003 immer dann in der Nordsee strandeten, wenn es auf der Sonne heftig zuging.

Zahnwale tragen in ihrem Kopf, an der Stirn das sogenannte Melon. Das ist ein schwammiges Gewebe, das mit Magnetkristallen angereichert ist.

 Dieses Magnetfeld benötigen die Tiere neben ihrem körpereigenen Sonarsystem zur Navigation. Hohe Sonnenaktivität stört Magnetfelder. In sonnenstürmischen Zeiten verirren sich deshalb mehr Wale.

Unwetter bringt sie vom Weg ab

Bild: giphy.com

Hier braucht es eine Erklärung vorab: Viele Meeressäuger unternehmen lange Wanderungen zwischen ihren Jagdgründen und ihren Heimatgewässern. Eine Gruppe von Pottwalen, die 2016 an der Nordseeküste angeschwemmt wurde, kam gerade aus Norwegen.

"Dort hatten sie sich mit einer Tintenfischart sattgefressen, die es in der Nordsee nicht gibt", sagt der Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel im Gespräch mit watson. Er hatte damals die Wale untersucht. Sie waren auf dem Rückweg ins Paarungsgebiet vor den Azoren.

In diesen Tagen war das Wetter stürmisch. Die wilde See drängte die Tiere von ihrer Route bis in die Nordsee. Die Wale, darauf gepolt die Azoren zu erreichen, schwammen weiter und weiter nach Süden, bis sie an die deutsche Nordseeküste gelangten.

Im flachen Wasser geht nichts mehr

Bild: giphy.com

Man mag sich fragen: Wenn die Tiere an der Küste ankommen, warum drehen sie nicht einfach wieder um? Wale scannen ihre Umgebung mit Hilfe eines Echolot-Systems. Sie geben Töne von sich, die von der Umgebung reflektiert und dann wieder von den Meeressäugern registriert werden. So weiß ein Wal, ob er zum Beispiel auf eine Felswand oder ein Schiff zusteuert.

Im flachen Wasser funktioniert das allerdings nicht. Die Tiere senden die Signale nach vorne aus. Kommt nichts zurück, schwimmen sie weiter und merken zu spät, dass das Wasser flach ist. Zusammen mit starken Gezeiten wird die Küste so zur Todesfalle. Ein Pottwal etwa auf Land wird von seinem eigenen Gewicht erdrückt.

Lärm verwirrt die Tiere

Bild: giphy.com

In Regionen, in den Sonargeräte zum Einsatz kommen, verhalten sich Wale untypisch. Eine bestimmte Art von Schnabelwalen bleibt zum Beispiel länger unter Wasser, wenn sie den Signalen ausgesetzt ist. Andere Wale fliehen vor Lärm. Ob das dazu führt, dass die Tiere letztendlich stranden, ist jedoch nicht ganz klar.

Niemand bleibt allein zurück

Bild: giphy.com

Wale sind hochsoziale Tiere. Verliert das Leittier die Orientierung, schwimmen die anderen vertrauensvoll hinterher. Geht es einem Mitglied der Gruppe schlecht, bleiben die anderen bei ihm – und wenn das den Tod aller bedeutet.

Das geht so weit, dass einige Säuger zum Strand zurückkehren, nachdem Helfer sie zurück ins Wasser gezogen haben.

Wer Plastik im Magen hat, achtet nicht mehr auf den Weg

Bild: giphy.com

Geht es den Tieren schlecht, kann das verschiedene Gründe haben: Krankheit, Erschöpfung und häufig ist der Mensch schuld. Uwe Piatkowski und seine Kollegen haben in den Mägen einiger Walkadaver am Nordseestrand große Mengen Plastik gefunden: Fischernetze, Autoteile, Plastiktüten, zerdrückte Mülleimer.

Mit so unverdaulicher Kost im Magen fällt den Tieren die Wanderung schwerer. Viele sterben an dem Müll.

Wie mich die Klimaignoranz ankotzt

Video: watson/Saskia Gerhard, Lia Haubner

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