WM 2006: Da lief es fürs englische Team nicht gut, aber immerhin war das Bier nicht gefährdet. 
WM 2006: Da lief es fürs englische Team nicht gut, aber immerhin war das Bier nicht gefährdet. Bild: dpa

Warum den Briten noch vor WM-Ende das Bier ausgehen könnte

09.07.2018, 13:13

Was haben Bier, Tierschlachtungen und Gemüseverpackungen gemeinsam? Für alle braucht es Kohlensäure – fürs Bier, damit es prickelt, für Tierschlachtungen, um die Tiere zu betäuben und fürs Gemüse, um es frisch zu halten. Doch das Gas wird knapp. Vor allem in Großbritannien und ausgerechnet während der Fußball-WM, zu der erfahrungsgemäß viel Bier (ja, und auch Limo...) getrunken wird. 

Booker, ein britischer Großhändler, der Lebensmittelläden und die Gastronomie beliefert, hat die Bestellmengen inzwischen laut BBC auf maximal zehn Kästen Bier und fünf Kästen Erfrischungsgetränke pro Kunde rationiert. Einige Coca-Cola-Abfüller mussten die Produktion laut The Economist und BBC schon drosseln oder sogar zeitweise einstellen. Der Brauerereikonzern Heineken warnt, dass seine Bier-Sorten Amstel und John Smith’s Extra Smooth ausgehen. Auch die Pub-Kette JD Weatherspoon sagte, man erwarte Versorgungsprobleme.

Geht eh besser ohne Kohlensäure:

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Auch schlimm für Deutschland?

Lieferengpässe bestätigte Martina Hay, Marketingleiterin von Rhön-Sprudel, gegenüber regionalen Medien: 

"Die Situation ist tatsächlich angespannt- und das mitten im Sommer bei erhöhter Nachfrage, man muss sehen, wie man sich da durch jongliert."
Martina Hay, Marketingleiterin von Rhön-Sprudelosthessen-news

Kohlensäure wird auch für die Verpackung von Fleisch, Obst und Gemüse genutzt, um die Haltbarkeit zu verlängern. In der industriellen Schlachtung von Schweinen und Hühnern wird sie außerdem als Betäubungsmittel eingesetzt. Der größte schottische Schweine-Schlachthof in Brechin musste laut einem Bericht des "Economist" schon den Betrieb einstellen.

Warum gibt es gerade kaum CO2?

Der CO2-Engpass ist ein Stück weit vorhersehbar, er kommt nämlich immer wieder mal vor, wenn auch nicht so krass wie in diesem Sommer. Das reine Kohlendioxid fällt als Nebenprodukt der Ammoniak-Herstellung an. Die Ammoniak-Produktion läuft vom Herbst bis Anfang April auf Hochtouren, weil das Gas für die Düngemittelherstellung gebraucht wird.  Außerhalb dieser Zeit geht die Nachfrage jedoch stets deutlich zurück. Die großen Werke machen daher im Sommer immer einige Wochen Pause zur Instandsetzung.

Warum ist die CO2-Knappheit dieses Jahr so stark?

Berichte über Engpässe gab es in den Vorjahren auch immer wieder. Dieses Jahr kommen jedoch mehrere Faktoren erschwerend hinzu: Der Ammoniak-Preis ist momentan ausgesprochen niedrig. Entsprechend wenig wurde produziert. Der Anreiz, die Produktion schnell wieder anzufahren, ist auch geringer. Nach Brancheninformationen ist in Großbritannien derzeit nur eines von fünf großen Werken in Betrieb. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach CO2 für die Nahrungsmittelindustrie immer weiter. Und der Absatz von Bier und sprudeligen Getränken läuft wegen des guten Wetters und der Fußball-WM auf Hochtouren. Im Gegensatz zu Deutschland ist das britische WM-Team ja noch dabei. 

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