Interview
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Marc-André Kruska, Mittelfeld-Motivator des F91 Düdelingen.  Bild: Ben Majerus/imago sportfotodienst

"Südtribüne würde uns helfen" – Ex-BVB-Profi Kruska will mit Düdelingen nach Europa

"Nicht vergessen, das hier ist Luxemburg", sagt Marc-André Kruska. "Das ist hier eben etwas kleiner." Dann lacht er. Der 31-Jährige spielt seit zwei Monaten beim luxemburgischen Serienmeister F91 Düdelingen und weiß, dass die große Fußballbühne eigentlich woanders steht. In Dortmund etwa, wo er für seinen Jugendclub Borussia fast 100 Bundesliga-Spiele bestritt. Doch der europäische Fußballzirkus könnte nun auch nach Luxemburg kommen – zum ersten Mal in der Geschichte des Landes. 

Nach dem 2:0 im Hinspiel kann der F91 Düdelingen am Donnerstagabend beim rumänischen Meister Cluj als erstes Team aus dem Herzogtum in die Europa League ziehen. Der Verein, der seit seiner Fusion aus drei regionalen Clubs im Jahr 1991 schon 14 Meisterschaften holte, hatte schon in der dritten Qualifikationsrunde für eine Sensation gesorgt. Der Club aus dem 20.000-Einwohner-Städtchen, dessen Spiele im Schnitt 700 Menschen besuchen, hatte den polnischen Meister Legia Warschau rausgeschmissen.

Jetzt soll das Team des deutschen Trainers Dino Toppmöller, Sohn des früheren Bundesliga-Torjägers und Ex-Leverkusen-Coachs Klaus Toppmöller, das Wunder in Rumänien schaffen. 

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Dirigent im Mittelfeld: Marc-André Kruska ist in Düdelingen schon Chef auf dem Platz. Bild: imago sportfotodienst

Vor der Abreise nach Rumänien erzählte uns Marc-André Kruska, warum sie sich nicht hinten reinstellen werden, Düdelingen ein bisschen wie der FC Bayern München ist und er einem Ex-Schalker im Team einige Sprüche drückt.

Du bist im wichtigsten Spiel in der Geschichte deines Vereins gesperrt wegen deiner dritten gelben Karte. Wie schwer ist das für dich?
Marc-André Kruska: Es ist nicht so einfach, wenn man nicht direkt mithelfen kann. Ich versuche die Mannschaft mental soweit es geht zu unterstützen. Ich bin trotzdem aufgeregt und bin natürlich mitgeflogen, um die Mannschaft zu unterstützen.

Ist es auch für dich das wichtigste Spiel deiner Karriere?International ist es das wichtigste Spiel meiner Karriere, auf jeden Fall. Ich durfte ja nicht so viele Spiele machen in Europa. Als ich beim BVB war, waren das ja noch die schlechteren Zeiten im Mittelfeld der Tabelle, wo es die Möglichkeit nicht gab.

Du hast bei bekannten Clubs wie dem BVB oder dem FC Brügge gespielt. Hättest du gedacht, dass du die größte Chance auf deine ersten Europacup-Erfahrungen ausgerechnet in Luxemburg machen könntest?
Ich bin mit dieser Hoffnung in Europa zu spielen hierhin gewechselt. Der Club ist in den letzten zwei Jahren knapp an der Qualifikation gescheitert und hat sich mit Leuten wie mir verstärkt, damit es diesmal klappt. Aber es ist noch nichts geschafft, wir haben noch ein Spiel.

Bei diesen Clubs spielte Kruska schon als Profi

2004 - 2008: Borussia Dortmund
2009: FC Brügge
2009 - 2014: Energie Cottbus
2014 - 2016: FSV Frankfurt
2016 - 2017: SC Paderborn
2018: Werder Bremen II
seit Juli 2018: F91 Düdelingen

Stellt man sich wie ein Viertligist im DFB-Pokal hinten rein, um international erfahrene Teams wie Legia Warschau oder Cluj zu schlagen? 
Man darf uns nicht unterschätzen. Gegen Cluj hatten wir deutlich mehr Ballbesitz im Hinspiel. Wir sind eine fußballerisch starke Mannschaft und machen unser eigenes Spiel. An Erfahrung hapert es bei uns auch nicht. Wir haben viele Spieler, die in Deutschland und anderen ausländischen Ligen gespielt haben. Zudem haben wir die Mentalität eines Underdogs und wollen immer mehr zeigen. Und das pusht einen – das merken wir in Luxemburg gerade am eigenen Leib.

WARSZAWA 09.08.2018 PIERWSZY MECZ III RUNDA ELIMINACYJNA LIGA EUROPY SEZON 2018/19: LEGIA WARSZAWA - FOOTBALL 1991 DUDELANGE --- UEFA EUROPA LEAGUE FIRST LEG THIRD QUALIFYING ROUND MATCH: LEGIA WARSAW - F91 DUDELANGE MARC-ANDRE KRUSKA SEBASTIAN SZYMANSKI FOT. PIOTR KUCZA/FOTOPYK/NEWSPIX.PL --- Newspix.pl PUBLICATIONxNOTxINxPOL 180809PYK0039

Kruska (links) im Spiel gegen Legia Warschau. Bild: imago sportfotodienst

Wieso?
In der Liga haben wir in den ersten drei Spielen zweimal verloren, weil unsere Gegner gegen uns als Favoriten top motiviert sind und unser Fokus auf dem internationalen Geschäft liegt.

Ihr habt also das Problem des FC Bayern: Der Spagat zwischen nationaler Titelverteidigung und dem Highlight des internationalen Geschäfts…
Ein bisschen vielleicht, aber am Ende sind wir hier immer noch in Luxemburg. Bayern ist in jedem Spiel Favorit. Aber ich habe in den ersten drei Spielen hier gemerkt, dass die Gegner in der luxemburgischen Liga auch kicken können. Da muss man selbst auch arbeiten und Demut zeigen, um zu gewinnen.

Wir haben aber fast alle Spieler geschont. Bei der Niederlage am Wochenende war aber nur ein Spieler dabei, der am Samstag gegen Cluj gespielt hat. Cluj hat auch nur mit einem Stammspieler gespielt – die werden alles versuchen uns zu schlagen. Und wir eben auch.

Wie kann man sich Profifußball in Luxemburg vorstellen?
Das Niveau kann ich nach so kurzer Zeit noch schwer einzuschätzen – also ob das jetzt vergleichbar mit der deutschen dritten Liga oder der Regionalliga ist. Ansonsten ist es sehr anders zu dem, was ich kenne. Das ist hier sehr familiär, man kennt hier jeden. Aber natürlich sind auch hier die Bedingungen sehr gut. Man versucht, sich den Profifußball hier Stück für Stück herzubringen. Aber es gibt keinen Luxus – das hat hier auch keiner erwartet aus dem Team.

"Wir haben keine Fans, wir haben Zuschauer."

Marc-André Kruska

Wie ist es, wenn man nicht vor 80.000 sondern vor im Schnitt 700 Fans spielt?
Wir haben keine Fans, wir haben Zuschauer. (lacht) Die sind natürlich Fans, aber die feuern uns jetzt nicht so an wie in Deutschland in den Stadien. So eine Südtribüne wie in Dortmund pusht unglaublich, das würde uns ab und zu schon helfen. Aber für mich ist das am Ende Fußball. Es ist schön, vor so vielen Zuschauern zu spielen. Aber ich bin da bodenständig genug, um das einschätzen zu können, auch mal vor 200 Zuschauern zu spielen. So ist das eben.

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Marc-André Kruska und Mats Hummels versuchen Toni Kroos aufzuhalten. Im Hintergrund Sebastian Kehl. bild: imago sportfoto

Fragen deine Mitspieler, wie es war, für den großen BVB zu spielen?
Natürlich schaut jeder, was der andere für eine Vita hat und wir reden über unsere Ex-Clubs. Und klar, da sticht der BVB schon heraus.

Dein Mitspieler Levan Kenia spielte mal für Schalke 04. Gibt es da noch eine Derby-Rivalität?
Bei Levan ist das ein bisschen etwas Anderes als bei mir. Ich bin Schwarz-Gelb durch und durch seitdem ich klein bin. Mein Herz schlägt Schwarz-Gelb. Und Levan ist nicht so intensiv Schalker, wie ich Borusse bin. Aber natürlich habe ich ihm ein paar Sprüche gegeben.

"Ich bin Schwarz-Gelb durch und durch seitdem ich klein bin. Mein Herz schlägt Schwarz-Gelb."

Marc-André Kruska

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Noch im BVB-Trikot: Freistoß-Spezialist Kruska im Derby gegen Schalke.  bild: imago sportfoto

Hast du noch Kontakt zu Ex-Mitspielern aus der Zeit in Dortmund?
Eher weniger. Mit Roman Weidenfeller schreibe ich ab und zu, mit Dede schicke ich manchmal Sprachnachrichten hin und her und mit Markus Brzenska habe ich recht viel Kontakt, weil wir ja beim BVB und in Cottbus zusammen gespielt haben. Mit dem Rest hat es sich ein bisschen verlaufen…

Lebt der Traum, nochmal in die Bundesliga zu kommen?
Nein nein, der lebt nicht mehr. Ich bin 31 Jahre alt und ich bin Realist. Da bin ich ganz entspannt. Vielleicht als Trainer irgendwann mal.

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2008: Kruska führt die U21-Nationalmannschaft um Toni Kroos, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil als Kapitän aufs Feld. bild: imago sportfoto

Wird der BVB Meister?
Abwarten. Ich würde es mir wünschen und vor allem den Fans gönnen, denn von denen kenne ich noch viele persönlich. Aber die Saison ist lang und da kommen noch einige internationale Spiele dazu.

Wie vielleicht für dich auch. Der BVB spielt ja (leider) in der Champions League, wen würdest du dir als Gegner wünschen, wenn ihr es in die Europa League schafft?
Da sind ja einige Kracher im Topf. Wir könnten gegen Chelsea, Arsenal oder den AC Mailand spielen. Egal was kommt, da gibt es viele tolle Teams. Aber erstmal ist es wichtiger zu gewinnen in Cluj. Danach können wir darüber reden.

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