Brände, durstige Pflanzen und Kacklaune – was die Hitze am Wochenende anrichten wird

06.07.2018, 16:1307.07.2018, 12:12

Eine achtlos weggeworfene Zigarette, ein heißer Auspuff oder eine Glasscherbe, die das Licht wie eine Lupe konzentriert: Mehr braucht es oft nicht, damit ein trockenes Feld in Flammen aufgeht. Und ausgedorrte Ackerflächen gibt es derzeit genug, denn die Sommerhitze brennt unerbittlich in Deutschland.

In ganz Deutschland? Fast.

Während der Norden und der Osten vorm Wochenende weiter nach Regen lechzen, knallt es im Süden umso mehr. Dort sollen Gewitter aufziehen und der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte sogar vor Überschwemmungsgefahr. Also, zumindest kurz.

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Ab Samstag dann im Süden wieder heiß mit bis zu 30 Grad und dafür im Norden 18 bis 24 Grad – es ist alles ganz verrückt. Zwischen Ostsee und Erzgebirge könnte es Sonntags einzelne Schauer geben, aber die Trockenheit wird das kaum mildern können.

Auf Teile Ostdeutschlands drückt sich derzeit eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen vor mehr als 55 Jahren. Pflanzen müssen mit einem Bruchteil an Wasser auskommen.

"Das ist dann einfach nur knochentrocken."
Hans Helmut Schmitt, DWD

Die Dürre ist auch in Teilen Norddeutschlands extrem. Aussicht auf Regen? Nope.

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Das sind die massiven Auswirkungen:

Wälder und Felder brennen

  • In mehreren Bundesländern ist die Waldbrandgefahr am Limit.
  • Felder und Wälder gehen vielerorts in Flammen auf. Feuerwehren sind im Dauereinsatz.
  • In Mecklenburg Vorpommern mussten Feuerwehrleute die Löscharbeiten an einem Feld- und Waldbrand abbrechen, als Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg explodierten, die noch im Boden lagen.
  • In Brandenburg brannte erst eine rund 100 Hektar große Feld- und Waldfläche, kurz breitete sich auf einem Truppenübungsplatz ein Feuer in 400 Hektar Ausdehnung aus. In Sachsen-Anhalt standen in der Nacht zum Mittwoch rund 80 Hektar Wald in Flammen – seit 18 Jahren der größte Waldbrand in dem Bundesland. Auch in anderen Regionen wie Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Thüringen brennt es.

So sieht's gerade auf vielen Feldern aus:

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Waldbrände und Dürre in Deutschland
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Warum die Brände ausbrechen:

  • Grund Nummer eins: Aus Autos geworfene Zigaretten.
  • Aber auch heißgelaufene Erntemaschinen...
  • ... oder Kriegsmunition.
  • Manchmal gibt's auch ungewöhnlich Gründe: In Rostock zum Beispiel hatte ein Vogel auf einer Oberleitung gesessen, als es zum Kurzschluss kam. Das brennende Tier fiel von der Leitung ins Feld.
  • Grablichter machen ebenfalls Probleme: Wenn Wildtiere nachts die brennenden Grablichter umstoßen oder der Wind sie umkippt, brennt im Nu der ganze Friedhof.

Getreide geht ein

  • Bauern müssen wegen der Trockenheit viel früher ernten und haben Ausfälle, wie der Deutsche Bauernverband mitteilt.
"Wir werden erneut eine Ernte haben, die weit unter dem Durchschnitt liegt."
 Joachim Rukwied, Deutscher Bauernverbandspräsident
  • Der Verband sieht wegen der Ernteausfälle Existenzen bedroht.

Bäume in Lebensgefahr

  • In Parks leiden Jungpflanzen, aber auch alte Bäume unter der Hitze.
  • "Unsere Gärtner wässern und wässern", sagt ein Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
  • Alle anderen Pflegearbeiten würden derzeit zurückgestellt. Trotzdem seien zum Beispiel Wiesen vertrocknet.

Du kriegst so'n Hals!

  • Im Grunde hat schönes Wetter erst einmal gute Effekte auf die Stimmung.
  • "Schönes Wetter hebt die Stimmung, schlechtes Wetter dämpft sie", sagt der Biopsychologe Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin. zufolge positive Effekte auf das Wohlbefinden des Menschen.
  • Aber wenn es schwül wird, steigt die Reizbarkeit.
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  • Die Folgen: Aggressivere Autofahrer, gereizte Arbeitskollegen.
  • Am besten geht's uns, wenn es zwischen 20 und 30 Grad warm ist – und nicht zu feucht und nicht zu trocken.

Dieser Sommer ist erst der Anfang

  • Der Wasserexperte Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung führt die Entwicklung auf den Klimawandel zurück.
  • Seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert seien die Durchschnittstemperaturen in Deutschland um circa 1,4 Grad angestiegen.
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  • Diesen Sommer gebe es außerdem "Blockade-Wetterlagen". Zurzeit verhindere zum Beispiel ein Hoch über Nordeuropa über längere Zeit, dass feuchte Luft vom Atlantik nach Deutschland kommt. Trockenheit sei die Folge.
  • Modellrechnungen zeigen laut Hattermann, dass 2050 der jetzige Sommer quasi ein Durchschnittssommer sein könnte.

Wie mich die Klimaignoranz ankotzt:

Video: watson/Saskia Gerhard, Lia Haubner

(Mit Material von dpa)

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