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Stimmungsboykott in der Bundesliga – doch nicht alle haben mitgemacht

Am Montagabend um 20.30 Uhr ist Bundesliga. Nürnberg tritt gegen Leverkusen an, und die Stimmung wird während der ersten Halbzeit draußen bleiben. Zumindest ist das so geplant.

Das große Schweigen beginnt aber nicht erst am Montag in Nürnberg. In fast allen deutschen Stadien war es an diesem ersten Dezemberwochenende still. 45 Minuten lang wurde in den Kurven geschwiegen, die Capos waren verschwunden und keine Fahne wurde geschwungen.

Lediglich zornige Banner fanden ihren Platz und gaben zum Besten, woher der Unmut rührt.

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Banner aus dem Weserstadion am Samstag. Bild: imago sportfotodienst

Die Fans fordern fanfreundliche Anstoßzeiten, sie wollen keine zerstückelten Spieltage und dem unendlich ausgereizten Kommerz nicht mehr in die Karten spielen.

Deswegen zeigten sie gemeinschaftlich, was der Fußball ohne Fans wäre. Nämlich nichts – nur ein stilles, deprimierendes Bratwurstessen im Nieselregen.

Dieser Protest klingt auf den ersten Blick gut. Das Spieltag-Wochenende zeigte allerdings, dass nicht alle Fans so begeistert von der einheitlichen Stille sind. 

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Wer unterstützt den Boykott?

Die Initiatoren des bundesweiten Boykotts sind hauptsächlich die kernigen Fan- und Ultragruppierungen der Vereine. Also die Fans, die die Choreos vorbereiten, die zu jedem Auswärtsspiel fahren und bei Wind und Wetter in der Kurve stehen.

Vorab gab es von vielen Ultragruppierungen deswegen eine einheitliche Erklärung: "Diese Entwicklung darf von uns Fans nicht hingenommen werden, denn nur wir können mit geschlossenem und starken Protest diesem Trend entgegenwirken! Im Sinne eines Fußballs für die Fans und nicht eines des finanziellen Profits."

Und sogar Spieler und Trainer meldeten sich zu Wort. "Ich stehe zu 100 Prozent hinter den Fans", zeigte sich BVB-Coach Lucien Favre loyal, "ein Spiel am Montag würde ich nie machen – nie, nie, nie".

Auch Hertha-Stürmer Selke fand nach dem Spiel treffende Worte: "Es war scheiße. Wenn die Fans keine Stimmung machen, ist es keine Bundesliga".

Kritik aus den eigenen Reihen

Nicht alle unterstützen den Protest. Beim Spiel Dortmund gegen Freiburg wurde zeitweise von den eigenen Fans versucht, den Boykott zu hintergehen. Die Quittung dafür kam schnell, und zwar in Form von Pfiffen und Mittelfingern der Ultras.

Und auch Red Bull Leipzig machte sich dieses Wochenende bei vielen Fangruppen unbeliebt.

Zugegeben ein stilles Stadion ist ein deprimierender Anblick. Vor allem Fans, die sich vorab für einen Wucherpreis ein Ticket gekauft haben, schlägt so eine Stille gehörig auf die Laune.

Andere Fans dagegen beschwerten sich, dass ein solcher Boykott der Mannschaft gegenüber undankbar und unloyal sei.

Genervte Fanstimmen gab es auch, weil die DFL einige Tage vorher offiziell die Abschaffung der Montagsspiele für die Saison 2020/21 beschlossen hatte: Für einige Stadionbesucher scheint das Ziel also erreicht.

Ist es aber nicht. Denn die Abschaffung der Montagspiele gilt vorerst nur für die erste Liga. Zweit- und Drittligisten müssen weiterhin am Montag ran.

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Kritisches Banner beim Spiel Werder Bremen gegen FC Bayern. Bild: imago sportfotodienst

Zudem nutzten die Ultras den Boykott nicht nur als Protest gegen die Montagsspiele. Etliche Plakate gegen den Videobeweis, Kollektivstrafen und Polizeieinsätze kursierten sichtbar in den Kurven.

Also ganz egal, wie richtig oder falsch man den bundesweiten Stimmungsboykott findet, er erfüllt seinen Zweck. Denn eindeutig wurde am Wochenende mal wieder: Ohne Fans ist der Fußball nichts.

(kre)

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Video: watson/Benedikt Niessen, Gavin Karlmeier

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