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Paco Alcacer jubelt – ziemlich häufig. Bild: imago sportfotodienst

6 Tore in 81 Minuten – darum bleibt Alcacer für Favre vorerst Joker

08.10.18, 16:37 08.10.18, 17:40

philipp reich

Aus "Doppel-Paco" ist "KNALLcacer" geworden! Nach seinen zwei Toren beim 4:2-Sieg gegen Leverkusen vor einer Woche hat Borussia Dortmunds Neuzugang Paco Alcacer beim Spektakel-4:3 gegen Augsburg an diesem Samstag nun gar dreimal getroffen. Sechs Tore hat der 1,76-Meter kleine Stürmer in 81 Minuten (drei Joker-Einsätze) nun schon erzielt – alle 13,5 Minuten zappelt der Ball im Netz.

"Einen Stürmer mit einer solchen Torquote hat die Bundesliga noch nie gesehen!", jubelt die "Bild"-Zeitung und rechnet vor: Wenn er immer durchspielen würde, käme er Ende Saison auf 186 Tore. Doch schon jetzt führt Alcacer die Torjägerliste an.

Favre gibt Alcacer Zeit

Trainer Lucien Favre kommt aus dem Schwärmen fast nicht mehr raus: "Paco ist ein sehr, sehr guter Spieler. Er spürt den Fussball einfach und bewegt sich gut. Außerdem ist er sehr geschickt vor dem Tor. Ein sehr, sehr, sehr guter Transfer." Und Manager Michael Zorc weiß: "Das ist alles andere als Zufall. Paco hat eine unglaubliche Schusstechnik. Der Ball fliegt wie ein Stein runter."

Aber warum spielt ein Mann mit einer solchen Torquote nicht ständig durch? Favre dazu: "Paco hat am Mittwoch in der Champions League 90 Minuten gespielt, zuvor hatte er seit drei Jahren kein ganzes Spiel mehr bestritten. Deshalb ist es nicht möglich, ihn ständig von Beginn an zu bringen. Aber er ist immer bereit, 30 bis 35 Minuten zu spielen."

Stimmt nicht ganz, Alcacer spielte in den letzten beiden Saisons in Barcelona neunmal über 90 Minuten. Aber Favre will sein neues Stürmerjuwel behutsam an die Mannschaft heranführen. Und das hat sich bisher ausbezahlt.

Alcacer stellt 55-jährigen Rekord ein:

Nur die dritte Geige in Barcelona

Der BVB holte den kombinationsstarken Mittelstürmer, der als bodenständig und frei von Starallüren gilt, erst kurz vor Transferschluss leihweise vom FC Barcelona. Dort stand der 25-jährige Familienvater stets im Schatten von Lionel Messi und Luis Suarez und erhielt kaum eine Chance, sich zu beweisen. Zwei Millionen Euro überwies der BVB für ein Jahr nach Katalonien, hat aber eine Kaufoption. Laut verschiedenen Medienberichten kann Alcacer für eine Summe zwischen 22 und 25 Millionen Euro am Ende der Saison fix nach Dortmund wechseln.

Hier spielte Alcacer bevor er nach Dortmund kam:

übersicht: wikipedia

Einen Verbleib in Dortmund kann sich der flinke Spanier auch vorstellen. Nach dem Augsburg-Spiel sagte er: "Ich fühle mich sehr wohl in Dortmund. Ich kann mir auch vorstellen, über das Jahr hinaus bei Borussia Dortmund zu bleiben. Tore sind mir wichtig, aber wichtiger ist die Freude innerhalb der Mannschaft." Mit Ehefrau Beatriz Viana und der einjährigen Tochter Martina hat er ein Haus am Dortmunder Phoenixsee bezogen, wo noch andere BVB-Profis leben, und nimmt auch Deutschunterricht.

Familie Alcacer in Valencia:

Schicksalsschlag und Nationalmannschafts-Comeback

Jetzt geht es für "Super-Paco" erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder zur spanischen Nationalmannschaft. Zurück zu den Wurzeln! In der U19-Auswahl ging sein Stern einst auf, 2011 und 2012 wurde er mit der "Rojita" jeweils Europameister. Im Januar 2012 gab Alcacer schließlich sein LaLiga-Debüt für Valencia – nur ein halbes Jahr, nachdem sein Vater mit 44 Jahren bei einem Spiel des Sohnes einen Herzinfarkt erlitt und noch im Stadion verstarb.

"Das traf mich hart, ich war erst 18. Sein Tod kam wie aus dem Nichts. Ich konnte mich nicht einmal mehr verabschieden", sagte Alcacer einst über den Schicksalsschlag. "Aber der Tod meines Vaters gab mir die Kraft, weiterzukämpfen und die Dinge anders zu sehen."

In Valencia machte sich Alcacer bald einen Namen. In 124 Spielen für die "Murciélagos" (Fledermäuse) erzielte der Rechtsfuß 43 Tore. Auch bei der spanischen Nationalmannschaft traf Alcacer: 2016 war er mit fünf Toren in der Qualifikation für die EM in Frankreich Spaniens bester Torschütze.

4th November 2017, Camp Nou, Barcelona, Spain; La Liga football, Barcelona versus Sevilla; Leo Messi (left) and Paco Alcacer (right) celebrating their goal PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus11947985

Bei Barça hatte Alcacer nur wenig Spielpraxis. Bild: imago sportfotodienst

In Valencia trug er irgendwann sogar die Kapitänsbinde und wurde von den Fans vergöttert. Am letzten Tag des Sommer-Transferfensters 2016 unterschrieb er dann aus heiterem Himmel beim FC Barcelona – und wurde nie richtig glücklich.

Bleibt für Dortmund zu hoffen, dass Alcacer die Chance zu schätzen weiß, die ihm der BVB nun gegeben hat. Auch in seiner Heimat blieben seine Tore unentdeckt: Mehr als zweieinhalb Jahre hatte Alcacer nicht zum Aufgebot der spanischen Nationalmannschaft gehört – nun nominierte Spaniens Trainer Luis Enrique den Stürmer für die beiden Spiele im Oktober.

Wenn er so weiter trifft, wird ihn Barcelona im Sommer ziemlich sicher zurück haben wollen. Die englischen Klubs werden Schlange stehen. Und der BVB muss beweisen, ob er auch mal einen Star-Spieler halten kann...

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