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Erste Trainerin in der Oberliga im Männerfußball: Imke Wübbenhorst. Bild: imago sportfotodienst

"Frauen bereit, Männer noch nicht" – Imke Wübbenhorst schreibt Fußball-Geschichte

Imke Wübbenhorst konnte sich vor Gratulanten kaum retten. Spieler, Club-Verantwortliche und selbst die mitgereisten Fans – alle standen Schlange, alle wollten die Trainerin umarmen, die gerade Fußball-Geschichte geschrieben hatte.

Sie saß als erste Fußball-Trainerin in einer der fünf höchsten deutschen Männer-Ligen auf der Trainerbank. Und ihr Debüt war gleich ein Achtungserfolg: 2:2 beim Aufstiegsfavoriten HSC Hannover. Mit einem Rumpfteam. Die 30 Jahre alte Ex-Juniorennationalspielerin hatte mit ihrem erfolgreichen Debüt alle überrascht – sogar sich selbst.

"Ich spüre eine große Erleichterung. Ich hatte mich auf ein anderes Interview eingestellt und dass wir 0:8 nach Hause fahren. Aber jetzt ist alles gut."

Imke Wübbenhorst

Unentschieden ein Achtungserfolg

Wübbenhorst war in Cloppenburg kurz vor Weihnachten zur neuen Cheftrainerin ernannt worden. Zuvor hatte sie erst als Spielerin mehrere Jahre für den Hamburger SV und den BVC in der Bundesliga gespielt und anschließend die Zweitliga-Frauen des Clubs gecoacht.

Mehrere Kamerateams begleiteten den ersten Einsatz einer Frau im leistungsbezogenen Männer-Fußball auf Schritt und Tritt und fingen am Sonntagnachmittag jede Gefühlsregung der früheren Bundesliga-Spielerin ein. 90 Minuten tigerte Wübbenhorst die Seitenlinie auf und ab und gab fortwährend lautstarke Anweisungen.

Vor dem Spiel verlor sie mit dem BVC ihre ersten drei Testspiele. Das ohnehin schon seit dem 19. Oktober sieglose Team schien nicht zu retten. Bei ihrem Debüt zeigte die Sportpädagogin mit A-Lizenz aber, warum sie die richtige Trainerin für den Abstiegskampf sein könnte. Dabei hatte die erst 30-Jährige bei ihrem Debüt auf Seiten des BVC mit am meisten Erfahrung: Wübbenhorst schickte vier Spieler auf den Platz, die noch A-Jugend spielen könnten, ihr Team hatte einen Altersschnitt von 20,5 Jahren.

Der gegnerische Trainer erkannte den Achtungserfolg neidlos an: "Kompliment an Cloppenburg. In der Situation, in der sich der Verein generell befindet, ist es erst mal hochachtungsvoll, was heute hier veranstaltet wurde. Auch von meiner Trainerkollegin", so HSC-Trainer Martin Polomka. "Es gibt tief stehende Gegner, und es gibt tief stehende Gegner. Aber das war heute die Deluxe-Version. Die Mannschaft war wirklich sehr, sehr gut inhaltlich eingestellt. Und das hat mit dem Geschlecht gar nichts zu tun. Das war einfach Qualität!“ ("Welt")

"Sie weiß, was sie macht"

Auch im Team verschaffte sich Wübbenhorst ziemlich schnell Respekt. "Am Anfang waren wir schon überrascht. Aber nach dem ersten Training kam unser Sohn nach Hause und sagte: Papa und Mama, das ist alles top. Sie hat einen Weg, eine klare Ansage und sie weiß, was sie macht", sagte Martin Hennig, mitgereister Vater von Abwehrspieler Matthes Hennig.

Die Pionierarbeit von Wübbenhorst wird in der Szene mit großem Interesse verfolgt. Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg rechnet in den Männer-Bundesligen aber kurzfristig noch nicht mit Trainerinnen.

"Die Frauen sind bereit, die Männer noch nicht."

Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg

Laut Voss-Tecklenburg traue man sich nicht, solch eine Entscheidung zu treffen, weil man "sich vielleicht auch nie damit auseinandergesetzt hat". Die Frauen seien allerdings "nicht so weit davon weg, wir haben genügend Frauen, die das leisten könnten".

(bn/sid)

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Video: watson/Gunda Windmüller, Lia Haubner

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