Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Image

Bild: imago sportfotodienst

Pyro ist kein Verbrechen? 3 Gründe, warum ihr endlich aufhören sollt!

Wer was gegen Pyro sagt, so heißt es oft, ist kein echter Fan. 

Dabei bin ich leidenschaftlicher Fußballfan. Und ich sage jetzt trotzdem etwas gegen Pyro. Denn Pyro ist verdammt nochmal gefährlich. Und, dass es Fans gibt, die das immer wieder leugnen, Pyro abbrennen, Spielunterbrechungen provozieren und sich und andere dabei gefährden ist, gelinde gesagt, ätzend.

Außerdem: Pyro ist auch nicht das, was alle Fans wollen. Auch nicht alle "echten" Fans.

Und ich weiß, was die Pyro-Supporter jetzt sagen werden. Ich habe mir ihre Argumente lange genug stumm angehört. Und ich finde sie alle nicht sehr überzeugend:

Argument 1: Es sieht schön aus!

Ja, stimmt schon. Manchmal sieht bunter Rauch und leuchtende Fackeln ganz gut aus. Aber es gibt eben auch zuverlässig immer wieder Momente, in denen Pyro und Rauch überhaupt nicht gut aussieht. Allen voran, wenn sie wie in der letzten Zeit immer häufiger einfach nur als Provokation und Machtdemonstration gegen Liga, Verein oder Verband missbraucht wird.

Ein Beispiel: 5. Mai 2012. Der 1. FC Köln spielt gegen Bayern München und steigt zuhause ab. Fans zünden Rauchbomben und Bengalos. Die gesamte Südtribüne verschwindet hinter einer dunklen Rauchwand.

Ich, Effzeh-Fan, sitze auf der Osttribüne und habe zum ersten Mal in meinem Leben Angst in einem Fußballstadion. Meine Freundin Laura steht mitten auf der Südtribüne und wird mir hinterher erzählen, dass sie sich gefühlt hat, wie im Bürgerkrieg. Zumindest wie sie sich einen Bürgerkrieg vorstellt. 

Eigentlich sind wir vor allem traurig – über den Abstieg, über den Abgang von Lukas Podolski – aber all diese Gefühle rücken in den Hintergrund, da wir zunächst nur froh sind, mit heiler Haut aus dem Stadion gekommen zu sein.

Am Abend gucken wir die Sportschau und schämen uns in Grund und Boden für diesen Abgang und unsere eigenen Fans. Dort sprechen die Kommentatoren von "Schande" und "schlechten Verlierern". Zurecht. Der Schiedsrichter musste die Partie vorzeitig abpfeifen, damit die Spieler und Betreuer sicher vom Platz kommen. Ich betrachte nochmal die Bilder und verstehe die Welt nicht mehr. Wirklich nicht. Und mir fällt auch heute, sechs Jahre später, nur eines dazu ein: Was für eine beschissene Aktion.

Argument 2: Es ist nicht so gefährlich!

Stimmt einfach nicht. Bengalos können mehrere Tausend Grad heiß werden, es besteht dabei die Gefahr, sich zu verbrennen. Erst diesen Mai wurde beim Tag der Amateure ein Einlaufkind von einem Bengalo verletzt, es erlitt Verbrennungen im Gesicht.

Beim Abbrennen von Pyrotechnik entstehen viel Rauch und gesundheitsschädliche Gase – wer in der Nähe von Pyro steht kann sich nicht aussuchen, ob er weiteratmen möchte, oder nicht. Völlig unbeteiligte Fans werden so einer Gesundheitsgefahr ausgesetzt. Am Samstag kam es beim Spiel zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC nach einer Pyro-Show der Berliner Anhänger durch die große Rauchentwicklung laut Polizeibericht zu insgesamt zehn Verletzten, die sich bei den Sanitätern meldeten und über Beschwerden in den Atemwegen klagten. Das sind vermeintlich nicht viele, sagen Befürworter, doch es sind immer noch zehn zu viel.

Noch mehr Verletzte forderte dann das unmögliche Vorgehen der Polizei:

Außerdem sind viele der Rauchmittel, die in Stadien abgefackelt werden, irgendwie und irgendwo im Internet gekauft worden – ob sie sicher sind oder geprüft wurden, weiß im Zweifel niemand. Schlussendlich kann es bei starker Rauchentwicklung zu Paniken kommen, und die können sogar tödlich enden. Fans skandieren oft, dass Pyrotechnik kein Verbrechen sei. Ja, es ist keine Straftat und nur eine Ordnungswidrigkeit, doch auch die ist gefährlich und fordert Verletzte.

Argument 3: Pyro ist Teil von Fankultur!

Einige der Pyro-Vertreter stellen sich gerne als die wahren Fußball-Fans dar. Sie seien schließlich diejenigen, die für die Stimmung sorgten, ohne die die 80-Euro-Ticket-Inhaber auf den Sitzrängen doch gar keine Lust auf das Erlebnis Stadion hätten. Sie halten sich für die Bewahrer der einzig wahren Fankultur, und die bestehe nun mal auch aus Pyrotechnik. 

Viele der Dinge, die sie tun, finde ich gut. Ich freue mich, dass diese Fans Choreos vorbereiten, die mich begeistern. Ich singe lauthals mit, wenn sie ein Lied anstimmen. Ich bin stolz, wenn sie sich lautstark gegen Rassismus oder Homophobie stark machen. Ich danke ihnen, wenn sie versuchen, dass der Fußball nicht vergisst, wo er herkommt. Ich klatsche, wenn sie sich mit kritischen Bannern für den Erhalt von 50+1 stark machen. Ich finde es toll, dass sie laut skandieren: Fußball ist für alle da! Aber dann müssen sie eben auch verstehen, dass er eben wirklich für alle da ist. Pyro muss aus irgendeinem Grund trotzdem immer sein.

Die 7 lustigsten Protest-Banner für den Erhalt von 50+1

WIR sind auch da. Zur Fußballfankultur gehören Familien und Kinder. Oder Oma und Opa, die schon im Stadion standen, als es noch gar keine Pyrofackeln gab. Zur Fußballfankultur gehören nicht nur Menschen, die im Rauch stehen wollen. Das ganze Stadion gehört dazu.

Es geht auch anders

Wer auf Pyrotechnik nicht verzichten will, weil es zu eurer Identität und Fankultur gehört, hat übrigens Alternativen. In Dänemark entwickelte ein Pyrotechniker gemeinsam mit dem Erstligisten Brøndby IF eine "kalte Fackel". An ihr kann man sich nicht verbrennen, Rauchentwicklung gibt es kaum.

Auch gibt es in manchen Stadien die Möglichkeit, in designierten Zonen Pyrotechnik sicher abzubrennen. Solche Zonen könnten Fan-Gruppen mit ihren Vereinen abstimmen. In den USA hat beispielsweise der Verein Orlando City eine solche Zone eingerichtet: Dort können Fans, die an einem Sicherheitstraining teilgenommen haben, zertifizierte und nicht toxische Fackeln zünden. 

Wir sind alle Fans, die einfach nur auf den Treffer unser Mannschaft hoffen und mit allen anderen Menschen im Stadion feiern wollen. Und dieses Gefühl ist viel zu schön, um es in Rauch zu hüllen.

Was im Sport gerade noch alles wichtig ist:

Mit dieser genialen Idee kontern die St.-Pauli-Frauen die sexistischen Dresden-Banner

Link to Article

Zuschauer beleidigen Raheem Sterling rassistisch – und der holt zur Medienkritik aus

Link to Article

Kroosartig! Hier die Top 10 der deutschen Fußballer auf Insta

Link to Article

Müllers Kung-Fu-Tritt: So vorbildlich reagiert er selbst – und so lustig die Fans

Link to Article
3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ishotamaninreno 01.11.2018 09:08
    Highlight Highlight Kein Pyro ist keine Option. Über Zonen und Kälte Fackeln kann man reden, ich verstehe aber nicht, warum diese Diskussion immer so überhitzt (muhaha) geführt werden muss.
    • Gunda 01.11.2018 11:14
      Highlight Highlight Hallo! Ja, reden müssten wir tatsächlich - aber die "Überhitzung" (ich nehm's mal auf ) kann ich schon nachvollziehen, ist halt Fußball ;) Wäre aber schon konstruktiver, die Diskussion etwas abzukühlen...hast Du eine Idee, wie das gelingen könnte?
    • ishotamaninreno 01.11.2018 14:19
      Highlight Highlight Feste Bereiche, in den Fanblocks und gekennzeichnet, dass da keiner zu nahe drankommt, der es nicht will.

Lewandowski, lass dieses blöde Schwalben-Theater – du hast es nicht nötig!

Robert Lewandowski hat gestern wieder bewiesen, dass er ein großartiger Stürmer ist. Der Pole traf bei der 2:3-Niederlage gegen seinen Ex-Verein gleich zweimal und bewies, dass er auch in Spitzenspielen wichtige Tore schießen kann. Lewandowski hätte zum Mann des Abends werden können. Das wurde er aber nicht. Einerseits, weil er bei seinem Hackentor in der Nachspielzeit im Abseits stand und andererseits, weil er mehr auf dem Rasen lag als eine Picknickgruppe im Stadtpark.

Es waren erst wenige …

Artikel lesen
Link to Article