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Kommentar

Nach den Krawallen in Dortmund – die Polizei muss ihre Taktik grundlegend überdenken

29.10.2018, 16:5129.10.2018, 17:56

Es gibt Momente im Leben, in denen muss man grundsätzlich werden. Das hier ist einer davon. Wer mit Fahnenstangen auf Polizisten einschlägt oder brennende Pyro-Fackeln in eine Gruppe Menschen wirft, muss bestraft werden.

Auch watson hat über die Pyro zündelnden Hertha-Fans beim Bundesligaspiel in Dortmund berichtet. Wir müssen aber auch über den Polizeieinsatz reden. Denn der hat in der Situation zusätzlich provoziert und zahlreiche Menschen in Gefahr gebracht.

Das ist passiert:

Es waren beinahe schon alle Bengalos erloschen, als sich die Polizei auf den Weg zum Auswärtsblock im Westfalenstadion machte. Dort angekommen, rissen die Beamten an einem Banner der Berliner Ultras. Laut Stellungnahme der Polizei sollte es zur Verhinderung weiterer Straftaten sichergestellt werden. Was tatsächlich geschah: Die Polizei provozierte die Fans noch mehr. Teile der unbeteiligten Dortmunder Südtribüne sangen während der Auseinandersetzungen “Alle Bullen sind Schweine“.

Aufgabe der Polizei ist es, für Sicherheit zu sorgen und Gefahren abzuwehren. Darin hat sie am Samstag versagt. Teile der insgesamt 80.000 Zuschauer wurden in Gefahr gebracht, indem die Beamten Menschen anstachelten, anstatt sie zu kontrollieren.

Die eigene Zaunfahne ist für Ultragruppen heilig. Wenn sie von Fans anderer Gruppen geklaut wird, muss man sich auflösen. Dieses “Gesetz” unter Ultras mag für viele Menschen befremdlich oder affig klingen – das ist aber erstmal egal. Die Polizei aber weiß um diese "Tradition", das hat sie auch auf einer Pressekonferenz am Montag mitgeteilt. Dass die Beamten dennoch so handelten, wie sie es taten, offenbart, dass sie die Eskalation in Kauf nahmen.

Durch die große Rauchentwicklung der Pyrotechnik kam es laut Polizeibericht zu insgesamt zehn Verletzten, die sich bei den Sanitätern meldeten und über Beschwerden in den Atemwegen klagten. Im Zusammenhang mit der Prügelei, heißt es im Polizeibericht, wurden 45 Personen verletzt. 35 mussten nach einem Pfeffersprayeinsatz behandelt werden, zehn Personen auf Grund von “Gewaltanwendung”.

Stadiongänger, die Pyrotechnik abbrennen, können mittels hochauflösender Kameras im Stadion seit Jahren ermittelt werden. Damit hätte die Polizei ihrer eigentlichen Hauptaufgabe nachkommen können: Der Strafverfolgung. Der Angriff auf das Banner erinnerte hingegen mehr an eine riskante Machtdemonstration. Die Polizei wollte offenbar Stärke zeigen – und offenbarte Schwäche.

Ein weiteres Problem zeigt sich erst in den Tagen danach. Die Polizei reagierte nicht nur falsch vor Ort, sondern sieht auch im Nachhinein keinen Anlass für auch nur eine Unze Selbstkritik.

Warum eigentlich nicht? So ein Eingeständnis würde der Glaubwürdigkeit der Polizei gut tun (nicht nur, was die Sicherung von Fußballspielen betrifft #g20)

Seit Jahren kritisieren Fans Polizeigewalt und fehlende Aufarbeitung, wie hier von den einigen Schalke-Fans.
Seit Jahren kritisieren Fans Polizeigewalt und fehlende Aufarbeitung, wie hier von den einigen Schalke-Fans.
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Die Auseinandersetzungen zwischen Fußballfans und Polizei spitzen sich seit einigen Jahren zu. Ultras gelten für viele mittlerweile im Kollektiv als Gewalttäter. Die Polizei wird immer mehr zum Hassobjekt.

Der Samstag in Dortmund hat gezeigt, wie weit die Lager mittlerweile voneinander entfernt sind. Das harte Vorgehen der Polizei hat den Konflikt in den vergangenen Jahren nur verschärft und wird ihn wohl nicht lösen können. Genau deswegen kommt man an der Stelle nur noch mit aufrichtiger Selbstkritik und Kommunikation weiter.

Hier sollte die Landesbehörden, in diesem Fall die Polizei NRW, die Initiative ergreifen. Sie müssen aufhören, alle Ultras zu verteufeln und stattdessen mit unabhängigen Experten und Fanorganisationen eine Annäherung suchen. Wer ein Problem versteht, kann es lösen. Wer eskaliert, schafft mehr Gewalt. Nur so lassen sich die anderen Stadionbesucher effektiv schützen. Und dann gibt es auch keine Ausreden mehr für die Ultras selbst.

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