Reisen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Im Urlaub Gutes tun? Nicht immer die beste Idee.

Ein neues Land kennen lernen und dabei Gutes tun? Viele Deutsche finden das toll und leisten im Urlaub 2-4 Wochen Freiwilligenarbeit. Doch oft schaden diese Einsätze mehr, als sie helfen. 

In einer aktuellen Studie von TourismWatch, Brot für die Welt und ECPAT Deutschland e.V. warnen diese nun vor "Volountourismus". Wir erklären, worum es geht.

Das Problem

Klar, wir reden nicht von einem sozialen Jahr oder Ärzte ohne Grenzen. Es geht um kurzfristige und kommerzielle Angebote, die sich an Touristen richten, die nur 1-4 Wochen bleiben, zumeist das Arbeitsfeld nicht mal kennen.

"Barbie Savior" prangert Voluntourismus auf Instagram an.

"Weit verbreitet sind Waisenhaus- und Kinderheimaufenthalte, die wir stark kritisieren. 14 der von uns untersuchten 25 Anbieter bieten solche Projekte an", heißt es in der Studie. 

"Moderne Kommunikationsmedien, erschwingliche Flugangebote und die gestiegene Reiseerfahrung der europäischen Urlauber befördern diese Entwicklung." Und die Ansprüche der Touristen steigen.

Eine Freiwillige erzählt

"Das Projekt hat überhaupt nicht meinen Erwartungen entsprochen. Deshalb sind wir nach einer Weile auch nur noch zu den Arbeiten hingegangen, die uns interessiert haben. In den OP kommt man in Deutschland ja nicht so einfach, das war wirklich spannend."

Jennifer T. war 4 Wochen in einem indischen Krankenhaus. ecpat Deutschland E.V.

15.000 bis 25.000 Deutsche sind jedes Jahr als Voluntouristen unterwegs und es werden mehr. Die Veranstalter verdienen weltweit mehrere Milliarden Euro mit ihnen. Wo das Geld hinfließt? Nicht bekannt. Von den untersuchten 25 Anbietern, wollten das nur 4 offen legen. 

Für die Reiseveranstalter ein gutes Geschäft. Für die Autoren der Studie eine Katastrophe: "Selbst Kreuzfahrtouristen wird der Besuch von Kinderheimen angeboten. Rucksackreisenden bietet sich die Möglichkeit zur spontanen Freiwilligenarbeit: In Kambodscha bspw. empfehlen die Taxi-Fahrer Kunden auf Wunsch Kinderheime, die für Reisende ihre Türen öffnen."

Die Gefahren

Da die Touristen den Reiseveranstaltern Gewinn bringen, richtet sich das "Auslandserlebnis" nach deren Wünschen. Ob die Kunden sich gut verhalten, wird häufig zur Nebensache. Einen Verhaltenskodex gibt es nur bei etwa 40 Prozent der Anbieter.

Grafik Voluntourismus

Daten aus der aktuellen Studie 2018. Bild: www.watson.de

"Insbesondere bei Projekten mit Kindern entsteht so die Gefahr, dass Menschen sich Zugang zu Kindern verschaffen, um sie sexuell zu missbrauchen", warnt ECPAT, eine Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Kindern. 

Ihre Angst ist berechtigt. In einer ECPAT-Studie von 2016 wurden die Strafbehörden der Niederlande und Großbritannien analysiert. Das Ergebnis: 15-20 Prozent der Verdachtsfälle auf sexuellen Missbrauchs an Kindern waren während Freiwilligeneinsätzen im Ausland passiert.

Eine Freiwillige erzählt:

„Oft kam die Nonne, die für das Waisenhaus zuständig war, mit Touristen in das Heim und zeigte ihnen eine Gruppe von Kindern. Die Touristen durften sich mit ihnen fotografieren lassen und die Nonne erklärte vor den Kindern und Touristen, welches von ihnen vergewaltigt wurde und welches nicht. Das fand ich extrem erschreckend, da die Kinder vor Fremden und ihren Freunden bloßgestellt wurden.“

Jennifer M. war 4 Wochen in einem Kinderheim in Vietnam. ECPAT Deutschland e.V.

Projekte, in denen Freiwillige direkt mit Kindern arbeiten, sind die beliebteste Form von Voluntourismus – auch weil die Tätigkeiten abwechslungsreich sind.

Aber: Kindern tut es nicht gut, sich alle zwei Wochen an eine neue Person zu gewöhnen, die sich dann verabschiedet. Schon gar nicht, wenn sie Waisen sind und Verlustängste nur zu gut kennen.

Grafik Voluntourismus

Daten aus der aktuellen Studie 2018. Bild: www.watson.de

"Auch Liebesbeziehungen zwischen Freiwilligen und lokalen Jugendlichen bereiten vor Ort oft erhebliche Schwierigkeiten", so die Kinderrechtler weiter. 

Freiwilligenarbeit verhindert manchmal auch, dass die Bevölkerung an Jobs in Landwirtschaft oder sozialen Bereichen kommt. Das macht die Kluft zwischen dem "Rettern" und den Entwicklungsländern noch breiter. 

Natürlich gibt es dennoch Mittel und Wege Gutes zu tun, ohne der Bevölkerung zu schaden. Den gewinnorientierten Anbietern für Freiwilligenarbeit aus dem Weg zu gehen, wäre ein logischer Schritt.

Was kann man tun?

Den Anbieter fragen

Ehrlich zu sich selbst sein

Im Zweifelsfall Alternativen finden

Wie engagierst du dich? Schreib uns in die Kommentare!

Das könnte dich auch interessieren:

"Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein" – so begründet ein Ex-AfD-Mann seinen Ausstieg

Link zum Artikel

Helene Fischer und die 1-Mio-Euro-Party: Millionär bucht Star für besonderen Abend

Link zum Artikel

Illner geht ihren Gästen mit Personal-Fragen auf die Nerven – "unsägliche Debatte"

Link zum Artikel

Lesbisches Paar in London blutig geschlagen – weil sie sich nicht küssen wollten

Link zum Artikel

Mein Vater hat eine bipolare Störung – so war meine Kindheit

Link zum Artikel

Vera Int-Veen verurteilt Hartz-IV-Empfänger – dann erkennt sie ihren Fehler

Link zum Artikel

"Er hat die Ente gefressen": Eisbär frisst Tier vor den Augen der Zoo-Besucher

Link zum Artikel

Shitstorm mal anders: Zu wenige Toiletten bei Rock im Park

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

Wegen Cathy-Hummels-Streit: Bundesregierung will Influencer-Gesetz

Link zum Artikel

Rammstein: 7 (fast) unbekannte Fakten über die Band

Link zum Artikel

Rock im Park: Über 130 Menschen erleiden allergische Reaktion

Link zum Artikel

Ein Schrei nach Liebe: Freiwild covern Ärzte und Hosen

Link zum Artikel

Posen vorm Reaktor – Influencer machen geschmacklose Instagram-Posts in Tschernobyl

Link zum Artikel

So will Edeka den Drogerien Konkurrenz machen

Link zum Artikel

Rammstein-Sänger soll Mann geschlagen haben – was das mutmaßliche Opfer zu dem Fall sagt

Link zum Artikel

Helene Fischer macht's schon wieder – darum sind ihre Worte nur noch Heuchelei

Link zum Artikel

Heidi veröffentlicht Chat mit Tom: Romantisch? Ganz im Gegenteil!

Link zum Artikel

Fotos von Helene Fischers Privat-Konzert aufgetaucht – sie zwingen sie zu handeln

Link zum Artikel

Rezo fordert bei Böhmermann Entschuldigung von lügenden Kritikern

Link zum Artikel

Kelly Family in Berlin: Warum immer noch der Hype? Eine Annäherung in 5 Akten

Link zum Artikel

Wie beim WM-Finale 2014! Das steckt hinter der Final-Flitzerin von Madrid

Link zum Artikel

Sturmböen, Hagel und Starkregen: Ab Pfingstmontag geht es bergab mit dem Wetter

Link zum Artikel

"Dachte, dass das für immer ist" – Lena Meyer-Landrut spricht unter Tränen über Trennung

Link zum Artikel

Von Anime bis True Crime – diese 14 Filme und Serien kommen ab heute auf Netflix

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Game of Thrones"-Ende: "Ich habe geweint" – Emilia Clarke über das Ende von Daenerys

Aus, aus, aus und vorbei.

Die letzte Episode der finalen achten Staffel von "Game of Thrones" ist am Sonntag in den USA auf dem Bezahlsender HBO erschienen.

In früheren Staffeln begeistert, mittlerweile von Fans und Kritikern immer deutlicher kritisiert: Die Serie, die auf den Büchern des Fantasy-Autors George R.R. Martin basiert, hatte bei den Hardcore-Fans zuletzt einen immer schlechteren Stand.

Gegenüber der Website EW.com hat Emilia Clarke, die die Drachenkönigin Daenerys Targaryen in der …

Artikel lesen
Link zum Artikel