Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

7 Momente, in denen Thomas Tuchel wirklich anders als alle anderen war

26.03.18, 19:47 27.03.18, 13:45
Timo Stein
Timo Stein

Es ist das Tuchel-Gesetz: Sobald irgendwo ein Trainerstuhl in einer europäischen Topliga frei ist, wird sein Name gehandelt. Dabei hat Thomas Tuchel als Profitrainer gerade einmal sieben Jahre Erfahrung und befindet sich gefühlt in einer Art Sabbatical-Dauerschleife.

Und irgendwie macht er eigentlich alles, um die Nachfrage niedrig zu halten: Tuchel liegt regelmäßig mit den Funktionären im Clinch, gilt nicht gerade als Fan-nah und treibt die Spieler mit Systemumstellungen auf Zauberwürfelniveau in den Wahnsinn. 

Es ist das Phänomen Tuchel: Obwohl er eigentlich alles falsch macht, macht er sehr vieles richtig. 

Wer zur Hölle ist dieser Teufelskerl?

Thomas Tuchel ist ...

Der PC unter den Laptop-Trainern

Bild: dpa

Heute ist es normal. Heute werden junge Trainer nach absolvierter „Gehirnwäsche“, wie Mehmet Scholl die Trainerausbildung des DFB nannte, frischweg als Bundesligatrainer engagiert. Als Thomas Tuchel 2009 bei Mainz 05 antrat, war das die Ausnahme. Er war schon "Laptop-Trainer", als klobige Notebooks noch durch grobschlitzige Diskettenlaufwerke schnauften.

Tuchel war zuvor A-Jugendmeister mit dem Mainzer Nachwuchs geworden, hatte aber weder als Tainer noch als Spieler Bundesliga-Erfahrung. Er hatte gerade einmal acht Zweitligaspiele als Verteidiger absolviert, bevor er mit 25 Jahren seine Karriere wegen einer Knorpelverletzung beenden musste. Tuchel begann in einer Kneipe zu jobben und Betriebswirtschaftslehre zu studieren.

Der Anti-Diplomat

Akribisch, pedantisch, mal schroff, mal weglächelnd - Tuchel eben. Er ist bekannt dafür, ganz eigene Vorstellung von Fußball zu haben und diese auch mit entsprechender Konsequenz und Vehemenz in die Praxis umzusetzen. 

 „Wenn du besonders gelobt wirst vom Trainer, richtest du dich am besten darauf ein, dass du demnächst nicht mal im Kader bist“, jammerte einst ein Spieler von Borussia Dortmundin in der "Süddeutschen Zeitung".

Überliefert ist auch die Geschichte, als der kleine Tuchel als Zehnjähriger den Torwart des eigenen Teams anbrüllte und Tuchels Vater schließlich einschreiten musste.

Noch weniger als mit Spielern, die seinen Ansprüchen nicht gerecht werden, kann Tuchel offenbar mit Funktionären. Der Abgang in Mainz verlief nicht ganz konfliktfrei. Und der Streit mit BVB-Boss Watzke dürfte einen entscheidenden Anteil am Rauswurf bei Dortmund gehabt haben.

The German Guardiola

Bild: Getty Images AsiaPac

4-3-1-2,  5-2-2-1, 4-1-4-1 – für Tuchel keine Lottozahlen. Er liebt die Taktik-Spielerei und wechselt auch gerne während des laufenden Spiels das System. 

Auch abseits des Platzes: Legendär ist das Salzstreuerduell mit Pep Guardiola.

In seinem ersten Sabbatjahr traf sich Thomas Tuchel mit dem damaligen Bayern-Trainer Pep Guardiola in der Szenebar "Schumann's" in München. Tuchel und Guardiola nutzten Salz-, Pfefferstreuer, Gläser und Flaschen kurzerhand für eine Taktikeinheit. 

Und überhaupt. Tuchel versteht sich als lernendes System:  Trifft sich mit Ernährungsberatern, Psychologen, Hirnforschern, oder etwa mit Matthew Benham, europaweit führend auf dem Feld der statistischen Evaluierung von Spieler- und Mannschaftsleistungen. Auch Tuchel liebt den gläsernen Spieler, verpasste den Dortmundern einen High-Tech-Sport-BH, ein Tracking-System, das mit GPS satellitengesteuert arbeitet. 

Der Sabbatist

Bild: dpa

Normale Trainer werden arbeitslos. Thomas Tuchel macht ein Sabbatical!

Tuchel hat das sogenannte Sabbatical (von hebräisch schabat: ‚aufhören‘, ‚ruhen‘) für den Leistungssport, der doch eigentlich keine Pausen verzeiht, salonfähig gemacht. Eigentlich undenkbar. Bisher galt: Bist du raus, bist du raus.

Nicht für Tuchel, der macht schon sein zweites Jahr abseits der Trainerbank. Und ist gefragter denn je. Hut ab!

Der Asket

Bild: dpa

Von George Best, dem vielleicht besten und bärtigsten Fußballer aller Zeiten, ist sinngemäß folgender Satz überliefert: 

"Die eine Hälfte meines Geldes habe ich für Frauen und Alkohol ausgegeben, die andere Hälfte sinnlos verprasst."

George Best, Legende

Wir hätten gern erlebt, wie ein Trainer Tuchel dem Spieler Best versucht, die Vorzüge von alkoholfreiem Bier und Omega-3-Fettsäuren am Flipchart zu erklären.

Tuchel ist eher das Gegenmodell zu George Best. Der Trainerfuchs Tuchel ist eigentlich ein Windhund. Drahtig, ja sichtlich erschlankt, kehrte er aus seiner ersten Auszeit zurück. Ernährung wurde sein neues Thema. Seinen Spieler verbot er Alkohol, strich Weizen oder Getreide. In Dortmund soll er dem italienischen Pizzamann, der den BVB unter Klopp beliefert hatte, gekündigt haben.

Der Dandy

Mal stolziert er im Dolce & Gabbana-Herrenmantel über den New Yorker Bürgersteig. Mal führt er seinen Nadelstreifen durch urbane Hinterhöfe. Und immer blitzt das polierte Schuhwerk. Auch das ist Tuchel. Für eine Ausgabe des „ZEITmagazins MANN“ hat sich Thomas Tuchel so richtig rausgeputzt. 

Der, der nicht zu Bayern geht

Bild: Getty Images Europe

Und dann gibt es ja noch mindestens zwei ungeschriebene Gesetze im Fußball:

1. Niemand sagt dem FC Bayern München ab!
2. s.o.

Tuchel schon. Respekt. So viel Chuzpe musst du erstmal haben!

(ts)

Und so haben die Bayern die Absage Tuchels aufgenommen:

Das könnte dich auch interessieren:

15 Tiere, die am Wochenende viel aktiver sind als du

So fallt ihr beim Sneaker-Kauf im Internet nicht auf Betrüger herein

Die Donut-Theorie sagt uns, wie wir gut leben können, ohne die Erde zu zerstören

"Quizz die Gesa" – Bist du schlauer als unsere Chefredakteurin? 

18 Gründe, warum wir die 2000er vermissen

"Ich hasse Menschen auf Konzerten"

Dieses Model könnte Heidi Klum arbeitslos machen

Poo with a view – 15 Klos mit Aussicht

5 Frauen, die in Deutschland muslimischen Feminismus prägen

Dieser Käfer braucht Alkohol, um seine Kinder großzuziehen

Wein doch: "Sprachnachrichten sind gestohlene Lebenszeit!"

Politiker oder Influencer – wer hat diese Bilder gepostet?

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Präsidentin will Selfies: So wurde mein Cousin zum bekanntesten Fan Kroatiens

Dragan Lukić und Mirjana Akrapović sind einfach immer dabei. Wenn die kroatische Nationalmannschaft bei einem WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan spielt, ist es sicher, dass die Regie irgendwann zwei kroatische Fans mit einer Flagge und dem Schriftzug "Paklarevo" einblendet. 

Paklarevo ist ein kleiner Ort Bosnien-Herzegowina. Dort kommen Dragan und Mirjana her. Genauso wie ich. Dragan ist mein Großcousin, sein Vater und mein Opa waren Brüder. 

Dragan ist mit seiner Partnerin Mirjana …

Artikel lesen