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Bild: imago montage

Meine große Liebe ist tot. Und ich lege mir ein Dating-Profil an und fange an, zu träumen

lea laufer

Früher habe ich gedacht, Online-Dating sei für sozial-gehemmte Loser und die Generation meiner Eltern, die nicht mehr weiß, wie es geht, oder wo man hingehen soll, um jemanden im realen Leben zu treffen.  

Aber während ich 14 Jahre in einer Beziehung verbracht habe, hat sich alles verändert. Nun sind Dating-Apps und -Seiten für Großstädter mit vollgestopftem Alltag die beste Lösung, um an das zu kommen, was sie suchen. Und vielleicht künftig auch für mich.  

Doch wenn ich abends total erledigt alleine auf dem Sofa sitze, die Kinder mit letzter Kraft ins Bett gebracht, merke ich, dass ich vor allem Angst habe.

Ich habe keine Ahnung, wie man jemandem dieses Gesamtkonstrukt verkaufen soll: Mein Freund ist vor mehr als einem Jahr gestorben, nach schwerer Krankheit und trotzdem unerwartet schnell.

Wann ist es zu früh, wieder zu daten? Das erzählt Lea in Folge 1:

Ich bin alleine mit zwei kleinen Kindern und arbeite, allein das überfordert mich in der Regel schon. Wieviel Kraft für anderes bleibt da noch? Sehne ich mich "nur" nach jemanden, der mich in den Arm nimmt? 

Nein, Sex wäre auch mal wieder gut

Ich sondiere verschiedene Anbieter und entscheide mich letztendlich, ein Profil bei "Gleichklang" anzulegen. Irgendwie scheint mir das am ehesten geeignet für Menschen in speziellen Lebenssituation und ich fühle mich definitiv in einer speziellen Lebenssituation.

Die einleitenden Worte auf der Seite sprechen von Toleranz für unterschiedliche Lebens- und Ernährungsweisen und einem respektvollen Miteinander.

Ich stelle mir den Mann vor, der irgendwo am anderen Ende der Stadt vor seinem Laptop sitzt und darauf wartet, mich zu finden.

Er ist Anfang bis Mitte 30, trägt einen grünen Wollpullover und eine Brille und trinkt Tee. Vielleicht hat er Kinder, aber vielleicht auch besser nicht. In jedem Fall wird er meine selbstverständlich toll finden. Er ist wahnsinnig einfühlsam, wir schreiben lange über alles, was uns bewegt und treffen uns dann fünf Mal, bevor er mich nach einem schönen Abend in einem Off-Broadway-Kino das erste Mal küsst.  

Die Story ist so deutlich in meinem Kopf

Ich erzähle sie meinen Freundinnen zwar mit ironischem Unterton, sehe mich aber insgeheim in Gedanken Arm in Arm mit dem Bebrillten die Straße entlang schlendern.

Die Freundinnen sind in zwei Lager geteilt: Die einen sind selbst ewig mit dem ersten Freund zusammen geblieben, haben geheiratet und Familien gegründet. Sie finden die Geschichte toll, entwickeln sie weiter, sind gerührt beim Gedanken an meine romantische (aber nicht kitschige!) Hochzeit in einer kleinen Kapelle in Irland. Bei einem emotionalen Abendessen weint eine Freundin sogar bei der Vorstellung, dass ich nach all der Angst, den Sorgen und dem Schmerz eine zweite Liebe erleben könnte. Sie liebt Hochzeiten.

Viel schöner als Beerdigungen sind sie in jedem Fall, denke ich.

Die anderen, die schon länger Single in der Großstadt sind (oder es zumindest waren) lächeln milde und sagen mir dann so vorsichtig wie möglich, dass es so nicht laufen wird.

Ok, so naiv will ich auch nicht sein und die Hochzeit in Irland ist vielleicht sowieso too much. Aber wer weiß? Manchmal habe ich einen inneren Trotz gegen das Schicksal und denke mir, dass ich es nach all' der Scheiße jetzt einfach verdient habe, dass ganz schnell ein moderner Großstadtprinz geeilt kommt.

Ich erstelle mein Profil mit großer Ernsthaftigkeit

Ich suche die besten Fotos raus, die ich von mir finden kann. Fotos sind ein kritisches Thema. Ich habe Probleme mit meiner Figur, schon immer gehabt und werde sie vielleicht auch für immer haben. Mein Gewicht schwankt in beträchtlichem Maße und ich finde mich aktuell nicht besonders schön (und das ist euphemistisch ausgedrückt).

Ich suche selbstverständlich Bilder aus, auf denen ich gut aussehe, aber meistens zeigen die nur mein Gesicht, maximal den Oberkörper. Schon jetzt kommt schleichend der Gedanke auf, ob ein potentielles Date enttäuscht sein wird, wenn wir uns "in persona" treffen.

Nein, natürlich nicht.

Das Vertrauen in den mir noch unbekannten Großstadtprinzen ist ungebrochen.

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